LANDWIRTSCHAFT: Hofübergaben innerhalb der Familie sind hochemotional

Eine Hofübergabe ist ein komplexes Thema. Leo und Trudi Frick aus Bazenheid haben ihren landwirtschaftlichen Betrieb am 1. Januar Sohn Thomas und Schwiegertochter Corinna übergeben.

Beat Lanzendorfer
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Corinna (mit Luana) und Thomas Frick (mit Nico) haben den Brunnenhof in der Bazenheider Au am 1. Januar von Leo und Trudi Frick übernommen (von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Corinna (mit Luana) und Thomas Frick (mit Nico) haben den Brunnenhof in der Bazenheider Au am 1. Januar von Leo und Trudi Frick übernommen (von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@toggenburgmedien.ch

Rund die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe werden aktuell von Landwirten bewirtschaftet, die das 50. Altersjahr hinter sich haben. Hofübergaben bleiben in den kommenden Jahren Thema. Dabei wird unterschieden, ob ein Hof familienintern weitergereicht oder (etwa bei fehlendem Nachwuchs oder keinem Interesse desselben) extern verkauft wird.

Am Beispiel von Leo und Trudi Frick soll aufgezeigt werden, wie eine Hofübergabe gehandhabt werden kann. Leo und Trudi Frick führten bis am 31. Dezember des letzten Jahres den Brunnenhof in der Bazenheider Au. Am 1. Januar hat Sohn Thomas mit seiner Familie den Betrieb übernommen. Hier gilt es anzumerken, dass das Eigentum in der Regel in den Händen eines Familienmitglieds liegt.

Bedürfnisse abklären und externe Hilfe holen

Nebst dem 29-jährigen Sohn Thomas vervollständigen An-dreas (Jahrgang 88), Mattias (91) und Martina (2000) die Familie Frick. «Thomas ist gelernter Landwirt, es hat sich schon früh abgezeichnet, dass nur er für unsere Nachfolge in Frage kommt. Die anderen Kinder haben alle einen Beruf erlernt, der nichts mit der Landwirtschaft zu tun hat», erklärt Vater Leo. «Thomas konnte kaum gehen, da war für ihn klar, dass er Landwirt werden möchte», ergänzt Mutter Trudi lachend.

Das Thema Nachfolgeregelung wurde bei Fricks schon länger diskutiert. Vor rund einem Jahr nahm es konkrete Formen an. Dazu der 63-jährige Leo Frick, der in zwei Jahren pensioniert wird und seit dem 1. Januar bei seinem Sohn angestellt ist: «Wir haben über den Bauernverband einen externen Berater des Landwirtschaftsamtes zugezogen.» Dieser hat den Ertragswert des ganzen Landwirtschaftsbetriebes ermittelt, der sich aus den Gebäuden, dem Land, der Fahrhabe (Maschinen), den Tieren sowie den Vorräten (Heu/Futter) zusammensetzt. Abzüglich der Hypotheken, die Thomas Frick übernommen hat, entsprach dies dem Kaufpreis des Brunnenhofs.

Eine Alternative zur internen Hofübergabe gibt es in Form eines externen Verkaufs. In diesem Fall wird der Hof zum marktüblichen Verkehrswert verkauft, der im Normalfall um einiges höher als der Ertragswert ist. Dies wäre möglicherweise dann zur Anwendung gekommen, wenn keines der Frick-Kinder Interesse am Hof gezeigt hätte.

Starthilfe erleichtert den Beginn

Zur Finanzierung kann ein Jungunternehmer eine Starthilfe beantragen. Dies entspricht einem zinslosen Darlehen, das aber innerhalb von zehn Jahren zurückbezahlt werden muss. Die Starthilfe wird allerdings nur gewährt, wenn der Antragsteller über mindestens 20 Prozent des Ertragswertes als Eigenkapital verfügt. Die rechtliche Situation muss schriftlich fixiert werden. Vor allem eine interne Hofübergabe ist häufig mit vielen Emotionen verbunden. «Wichtig ist, dass man ehrlich zueinander ist und es für alle Parteien stimmt, immerhin gilt es, ein Familienerbe zu übernehmen», sagt Leo Frick. Bis zur Pensionierung von Leo Frick wird Sohn Thomas weiterhin mit einem 90-Prozent-Pensum als technischer Mitarbeiter bei den St. Galler Stadtwerken arbeiten. Anschliessend wird er definitiv in seinen Betrieb einsteigen. Für Leo Frick ist der Beruf des Bauern nach wie vor eine Berufung: «Ich habe diese Tätigkeit immer mit Leib und Seele ausgeführt. Für mich ist es eine Dienstleistung an der Gesellschaft. Klar ist es mit einem grossen zeitlichen Aufwand verbunden, die dabei geleisteten Überstunden waren für mich eine Art Hobby.» Die Liebe zu Tier und Natur ist im Gespräch sehr deutlich spürbar.

Seit 1992 auf dem Brunnenhof tätig

Die Familie Frick betreibt seit sechs Generationen in Bazenheid einen landwirtschaftlichen Betrieb. Zuerst waren sie im Feldheim tätig. Im Zuge der Melioration (Güterzusammenlegung) und der sich daraus ergebenden Aussiedlung haben sie seit 1992 den Brunnenhof in der Au inne. Bei der Güterzusammenlegung war es darum gegangen, der Landwirtschaft gute Voraussetzungen für die Zukunft zu schaffen und die vielen verteilten Landwirtschaftsgrundstücke zu möglichst arrondierten (sinnvollen) Landwirtschaftsbetrieben zusammenzulegen.

War Leo Frick bis 1992 bei seinem Vater Emil angestellt, ist er seit dem Umzug an den neuen Standort selbstständig erwerbend. Vor 26 Jahren trug zum Erwerb des Lebensunterhaltes nebst der Milchwirtschaft der Ackerbau, eine Obstanlage sowie ein Schweinezuchtbetrieb bei. Seit dem Ende der Milchkontingentierung (2009) setzen Fricks nur noch auf die Milchwirtschaft. In ihrem Stall stehen nicht weniger als 40 Kühe plus Jungvieh. Zum Brunnenhof gehören neben 15 Hektaren eigenen Landes noch rund drei Hektaren Wald sowie fünf Hektaren Pachtland. Mit Luana und Nico, den Kindern von Thomas und Corinna, sind die Voraussetzungen geschaffen worden, damit die jahrzehntelange Familientradition weitergeführt werden kann.