Herdenschutz im Appenzellerland: Landwirte können ihre Schafe und Schutzhunde mit einer App überwachen

Der Wolf findet je länger, je häufiger den Weg ins Appenzellerland. Damit Schafherden und Herdenschutzhunde besser überwacht und allfällige Wolfsangriffe verhindert werden können, wird zurzeit das System Alptracker weiterentwickelt. Damit können Tiere auf der Weide mit einer App auf dem Smartphone überwacht und Wölfe bei Angriffen wirkungsvoll vergrämt werden: mit akustischen Signalen und Lichtblitzen.

Margrith Widmer
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Mit der Weiterentwicklung des Systems Alptracker soll die Lokalisierung von Schafe in den Alpgebieten mit dem Smartphone vereinfacht werden.

Mit der Weiterentwicklung des Systems Alptracker soll die Lokalisierung von Schafe in den Alpgebieten mit dem Smartphone vereinfacht werden.

Reto Martin

Um Schafe auf Alpen besser zu lokalisieren und vor möglichen Wolfsangriffen zu schützen, haben die Firmen Alptracker AG (Hardware) und Adnexo (Software) das Trackingtool Alptracker entwickelt. Die Sender dieses Systems laufen nicht über das normale Telefonnetz, sondern über Lo-Ra-WAN (Long Range Wide Area Network), das mit eigenen Antennen funktioniert. Im Gegensatz zu anderen Systemen verbraucht es sehr wenig Energie; das verbessert die Batterielaufzeit erheblich.

Um eine Herde mit Alptracker zu überwachen, wird ein Teil der Herde mit Sendern ausgerüstet, die an einem Halsband montiert sind; sie können einfach befestigt und wieder gelöst werden. In einer Mitteilung von Agridea heisst es:

«Dank des geringen Energieverbrauchs müssen die Batterien während der Sömmerung im Normalfall nicht gewechselt werden.»

Gegenwärtig wird der Alptracker mit 35 Antennen und über 1000 Sendern in mehreren Kantonen eingesetzt. Dabei hat sich der Kanton Glarus für die Entwicklung des Systems finanziell stark engagiert. «Für die Weiterentwicklung, Optimierung der Technologie und den Anwendungsbereich auf das Herdenmanagement auszuweiten, sind zusätzliche Investitionen notwendig, damit ein praxistaugliches und nutzerfreundliches Produkt fertiggestellt und zuverlässig eingesetzt werden kann», heisst es.

Innovatives Instrument

Ziel ist es, ein funktionsfähiges Produkt zur Lokalisierung der Tiere mit einer praktischen Smartphone-Anwendung weiterzuentwickeln. Probleme sollen behoben und die Verlässlichkeit verbessert werden. Mit dem System der Alptracker wird ein innovatives Instrument zur Verfügung stehen, mit dem die Lo-Ra-WAN-Technologie auch im Berggebiet optimal genutzt werden kann.

Für Hirtinnen, Hirten und Tierhalter generell bringt die genaue Lokalisierung der Tiere Arbeitserleichterung. Die Tiere können ohne ständige Kontrolle vor Ort überwacht werden. Die Überwachung mit den Alptrackern kann die Qualität der Alpbewirtschaftung verbessern und die Überwachung von Tieren, Zäunen und Weiden optimieren.

Die Funktion ist für den aktiven Herdenschutz mit einem Vergrämungsmechanismus eine Neuheit, die es bisher noch nicht gab. Damit werden die Digitalisierung in der Alpwirtschaft vorangetrieben und neue Möglichkeiten ausgetestet.

Entwicklung von Funktionen

Mehrere Funktionen sollen erweitert werden, sodass die Technologie multifunktional und multioptional (Herdenmanagement, Herdenschutz und Schadensminderung bei allfälligen Wolfsangriffen) eingesetzt werden kann. Neben der Lokalisierung der Tiere sollen folgende Funktionen weiterentwickelt werden: Das Raumverhalten von Schafen und Herdenschutzhunden wird analysiert und mit dem bestehenden Watch-Dog-System zur Überwachung von Herdenschutzhunden verbunden. Panik in der Herde kann festgestellt und ein Alarm ausgelöst werden.

Das Verhalten der Tiere wird mit Bewegungsanalysen erfasst. Es wird unterschieden zwischen dem Verhalten einzelner Tiere – Leittiere – oder der ganzen Herde – im Fall von Angriffen durch grosse Beutegreifer. Kommt es zu einer Panik, wird eine Vergrämung durch akustische Signale und Lichtblitze ausgelöst, um die Angreifer abzuschrecken.

Nutzerfreundlichere Gestaltung

Das Projekt wird von Agridea koordiniert. Dies umfasst die Leitung einer Begleitgruppe, die Koordination der Feldversuche, die Gesamtfinanzierung, die Verwaltung des Projektes und einen Schlussbericht. Die Grundlagen (Hard- und Software) für das System sind vorhanden. Vor allem soll das Interface deutlich nutzerfreundlicher gestaltet werden. Für die Finanzierung können Beträge für das ganze Projekt gesprochen werden. Es können abhängig vom Interesse (Herdenmanagement, Herdenüberwachung) auch einzelne Teilfunktionen unterstützt werden, wie Agridea mitteilt.