«Landegg» ist überbelegt

LUTZENBERG/EGGERSRIET. Zwei Gründe führten diese Woche zu einer Schlägerei in der Landegg. Seitens der «Aktion pro Wienacht» wird bestätigt, dass es ums Asylzentrum ruhiger wurde. Verärgerung herrscht dennoch.

Roger Fuchs
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Die Polizei hat in der Nacht auf Donnerstag fünf Personen im Durchgangszentrum Landegg verhaftet. Dies, nachdem sich Asylbewerber aus Afghanistan und solche aus Eritrea in die Haare geraten sind. «Ich habe nicht den Eindruck, dass wir künftig vermehrt mit solchen Situationen rechnen müssen, sagt Paul Signer, Direktor des Ausserrhoder Sicherheits- und Justizdepartements. Und er erinnert daran, dass es in den letzten drei Jahren sehr ruhig gewesen sei. Es sei kein Vergleich zu jener Zeit vor drei Jahren, als Asylbewerber aus dem nordafrikanischen Raum für Schlagzeilen gesorgt hätten. Grund für die aktuelle Eskalation in der Landegg ist gemäss Signer die Überbelegung. Auch sei Alkohol im Spiel gewesen.

Immer ein Einzelfall

Verantwortlich für den Betrieb der Landegg ist der Kanton St. Gallen. Urs Weber, Leiter der kantonalen Asylabteilung, bestätigt die Aussagen bezüglich Überbelegung und Alkohol. Allerdings kämen die Leute jeweils bereits angetrunken ins Haus und würden diesen nicht in der Landegg konsumieren. Gemäss Weber ist jede Eskalation ein Einzelfall. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, wenn die Menschen auch an ihre Familien denken, seien oft mehr Emotionen im Spiel als in anderen Jahreszeiten.

Was die Belegung in der Landegg betrifft, so verfügt diese gemäss Urs Weber über 125 Plätze – 40 davon sind dem Kanton Appenzell Ausserrhoden zugeteilt, 85 Plätze den St. Gallern. Gemäss einer Leistungsvereinbarung zwischen den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden darf die Gesamtzahl der Plätze über das Jahr betrachtet mit 85 Prozent ausgelastet sein. «Ende Oktober waren die Plätze der St. Galler zu 106,3 Prozent ausgebucht, jene der Appenzeller zu 60,6 Prozent», fasst Urs Weber den letzten Stand der Dinge zusammen. Und er ergänzt, dass sich die Situation von Tag zu Tag ändern könne. Auch gemäss dem St. Galler Regierungsrat Fredy Fässler ist es nun das vordringlichste Ziel, die Überbelegung zu reduzieren.

Ärger über Busse für Landegg

Zu finden ist die Landegg, die grösstenteils auf Gemeindeboden von Eggersriet liegt, direkt neben dem Dorfteil Wienacht der Gemeinde Lutzenberg. Rolf Junkert, der sich vor drei Jahren als führender Kopf bei der «Aktion pro Wienacht» für mehr Ruhe im Dorf eingesetzt hat, sagt heute, dass es in den letzten Jahren in und um die Landegg tatsächlich ruhiger geworden sei. Auch der Vorfall von dieser Woche habe das Dorfleben nicht tangiert.

Ein Fragezeichen setzt Junkert aber hinter das Verhältnis der Anzahl Menschen in der Landegg im Vergleich zur Bevölkerungszahl in Wienacht. Und Rolf Junkert ärgert sich darüber, dass beispielsweise der Landegg heute drei kleine Busse zur Verfügung stehen, während die Bevölkerung von Wienacht keinen Busanschluss habe. Auch sei für die Landegg ein Spielplatz erstellt worden, während die eigenen Kinder über keinen ebenen Platz verfügen würden.