Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nach fünf Monaten als Landammann zieht Alfred Stricker eine erste Bilanz: «Ich behalte die Zügel bei mir»

Die Leitung der Regierungsarbeit und die Repräsentation des Kantons: Regierungsrat Alfred Stricker steht im neuen Amt vor zusätzlichen Herausforderungen.
Interview: Jesko Calderara

Yves Noël Balmer und Hansueli Reutegger lösen zwei langjährige Mitglieder ab, Paul Signer wechselt vom Sicherheits- ins Finanzdepartement und Alfred Stricker wird neuer Landammann: In stark veränderter Zusammensetzung startete die fünfköpfige Ausserrhoder Regierung am 1. Juni in die neue Legislatur. Im Gespräch erklärt Stricker, was den Reiz des neuen Amts ausmacht und welche Geschäfte im Departement Bildung und Kultur anstehen.

Alfred Stricker, Sie sind seit rund fünf Monaten Landammann. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Sie ist positiv. Landammann ist ein spezielles Amt, das gefällt mir. Ich bin ein Teamplayer und will das bleiben. Als Landammann kann ich dieser Haltung zusätzlich Kraft verleihen. Ich stelle darum das Kollektiv ins Zentrum. Ein Regierungsrat, der im Kollektiv gut funktioniert, ist viel mehr, als die Summe von fünf Einzelleistungen. Ich habe bis jetzt grosse Freude an den diversen Aufgaben, die das Landammannamt zusätzlich mit sich bringt.

Welche sind das?

Die Verfassung des Kantons spricht von leiten, planen und koordinieren der Regierungsarbeit. Das ist der Kern. Weiter ist meine Aufgabe die Vertretung der Exekutive in Ausserrhoden sowie die Repräsentation des Kantons gegen aussen. Zudem ist der Landammann auch immer wieder Ansprechperson für die Bevölkerung.

Wird das denn auch genutzt? In der Verfassungskommission behauptete kürzlich jemand, dass viele in Ausserrhoden den Landammann namentlich gar nicht mehr kennen würden.

Das nehme ich anders wahr. In unserem kleinen Kanton sind die Wege kurz. Ich erhalte regelmässig Anrufe, E-Mails oder Briefe. Zudem werden Anliegen in persönlichen Gesprächen an mich herangetragen. Es geht dann darum, den Leuten zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Gelegentlich vermittle ich sie an die entsprechende Stelle weiter, wo ihre Fragen beantwortet werden.

Der Regierungsrat ist seit dem 1. Juni anders zusammengesetzt. Merkt man in der Zusammenarbeit, dass zwei von fünf Mitgliedern neu sind?

Ja, das ist so. Als Neulinge bringen meine Kollegen natürlich eine neue Dynamik ins Gremium. Drei von fünf Departementen haben einen neuen Chef, der Landammann ist neu, das sind spürbare Veränderungen.

Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für das Landammannamt?

Ungefähr ein Tag pro Woche ist reine Landammannarbeit. Ins Gewicht fällt auch die generelle Verantwortung für Sitzungsleitungen, Führungsaufgaben oder Grussworte. Das ist anspruchsvoll und freut mich gleichzeitig.

Konnten Sie sich darauf vorbereiten oder ist es mehr ein Sprung ins kalte Wasser?

Von der Wahl bis zum Amtsantritt hatte ich ein gutes Vierteljahr Zeit. Dieses Fenster diente der definitiven Klärung von verschiedenen Fragen: Wie setze ich meine Vorsätze um? Wie führe ich den Regierungsrat? Was sind meine Kernaufgaben? Welchen Support brauche ich zusätzlich, welchen habe ich? Kontakte zu amtierenden und ehemaligen Regierungschefs auch ausserhalb des Kantons habe ich in dieser Phase intensiv genutzt. Die Einarbeitung geht aber mit dem Amtsantritt weiter. Jedes Sachgeschäft, jede Ansprache und jeder neue Kontakt in der neuen Funktion ist auch Einarbeitung. So richtig Kraft entsteht in der Politik häufig erst mit dem Wiederholungseffekt.

Sie leiten gleichzeitig das Departement Bildung und Kultur. Wie schafft man es, alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen?

Entscheidend ist, dass im Departement genügend Kompetenz in der nötigen Qualität vorhanden ist. Das ist momentan der Fall. Die Bereitschaft meines Kaders, etwas mehr zu übernehmen, ist ein Teil davon. Ich delegiere mehr im Departement und behalte trotzdem die Zügel bei mir. Auch von Seiten des Ratsschreibers und der Kantonskanzlei, der Stabsstelle des Regierungsrates, werde ich gut unterstützt.

Welche wichtigen Geschäfte stehen in Ihrem Departement an?

Da gibt es einige, beispielsweise die Totalrevision der Volksschulgesetzgebung, die Interkantonale Universitätsvereinbarung IUV, das Konkordat OST Fachhochschule, die Nachfolge der Amtsleitung Kultur sowie die Strategische Weiterentwicklung der Schulen auf Sekundarstufe 2.

Insbesondere das Volksschulgesetz ist schon länger ein Thema. Wann kommt diese Vorlage in den Kantonsrat?

Gemäss dem Aufgaben- und Finanzplan sollte dies 2021 der Fall sein. Läuft alles wie vorgesehen, wird das totalrevidierte Volksschulgesetz 2022 in Kraft treten.

Reden wir über die Totalrevision der Kantonsverfassung. Sind Sie als Vizepräsident der Kommission zufrieden, wie die Diskussionen bis anhin laufen?

Ja, die sehr heterogene Zusammensetzung der Verfassungskommission diskutiert vorwärtsstrebend. Es ist ein grosser Wille zu mutigen Lösungen spürbar.

Es sind auch Reformen zum Landammann geplant. Für dessen Wahl soll künftig der Kantonsrat zuständig sein. Was halten Sie von diesem Vorschlag der Kommission?

Zur Diskussion in Sachen Landammann möchte ich mich nicht äussern. Die Verfassungskommission muss unvoreingenommen ihre Themen bearbeiten können.

Sie haben sich an einer Plenumssitzung für die Beibehaltung der zweijährigen Amtsdauer ausgesprochen. Warum?

Meine politische Erfahrung zeigt, dass im zweiten Amtsjahr klar mehr Wirkung erzielt werden kann als im ersten. Ein Jahr ist meiner Meinung nach recht kurz. Aber: Nach zwei Jahren ist es schon aus Gründen der Belastung angezeigt, eine neue Person zu bestimmen.

Sie sind noch bis Ende Mai 2021 Landammann. Wie sollen die Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder Ihre Amtszeit dereinst in Erinnerung behalten?

Ich wünsche mir, dass ich das Schiff «Kanton» geordnet und verlässlich steuern kann. Zudem will ich das Kollektiv und den Gestaltungswillen für eine gute Zukunft stärken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.