Land der Appenzeller Literatur

Das Ausserrhoder Amt für Kultur und die Ausserrhodische Kulturstiftung lancieren die Internet-Plattform Literaturland. Ein Schreibwettbewerb und eine Appenzeller Anthologie sollen das literarische Schaffen im Kanton sichtbar machen.

Michael Genova
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Im Buchensaal in Speicher rezitiert die Schauspielerin Nathalie Hubler Texte, die in die Appenzeller Anthologie aufgenommen werden. (Bild: mge)

Im Buchensaal in Speicher rezitiert die Schauspielerin Nathalie Hubler Texte, die in die Appenzeller Anthologie aufgenommen werden. (Bild: mge)

AUSSERRHODEN. Die Gäste im Buchensaal in Speicher konnten nicht ahnen, dass sie am Mittwochabend Zeugen einer Staatsgründung würden. Zu Fanfarenklängen verkündete Schriftstellerin Monika Slamanig: «Wir rufen hiermit offiziell das neue Land aus.» Damit meinte sie die neue Internetplattform Literaturland.ch, welche das Ausserrhoder Amt für Kultur an der jährlich stattfindenden Kulturbegegnung lancierte. Mit der neuen Website will das Kulturamt in Zusammenarbeit mit der Ausserrhodischen Kulturstiftung einen Ort für bestehende und entstehende Appenzeller Literatur schaffen. «Damit setzen wir in der Kulturförderung einen Schwerpunkt im Bereich der Literatur», sagte Margrit Bürer, Leiterin des Amts für Kultur.

Erster Schreibwettbewerb

Eines der ersten beiden Projekte der Literaturplattform ist ein Ausserrhoder Schreibwettbewerb, der neu ins Leben gerufen wird. Der Wettbewerb richtet sich an Schreibende ab 18 Jahren mit einem persönlichen Bezug zum Kanton Appenzell Ausserrhoden. Projektleiterin Monika Slamanig stellte gleich selbst die kritische Nachfrage, wer bei einem solchen Wettbewerb überhaupt mitmachen solle. «Winzlinge und Randgebiete sind für die Literatur geradezu prädestiniert», sagte sie. Die Abgeschiedenheit des Appenzellerlands verstärke die Dringlichkeit, Geschichten zu erzählen. «Durch das Erzählen ist die Kraft unserer Vorfahren nicht einfach im Boden versickert, sondern es hat ihren Geist beflügelt.»

Das Thema des ersten Wettbewerbs lautet «Aussicht». Die Organisatoren hoffen auf Texte, welche «den Horizont weit über die Appenzeller Aussichtspunkte hinaus öffnen.» Für die eingesandten Texte wird ein Jurypreis und ein Publikumspreis vergeben. Beide Preise sind mit je 5000 Franken dotiert. In der Jury sitzen die schweizerisch-deutsche Lyrikerin Nora Gomringer, Karin Sutter-Zurfluh, Leiterin der Bibliothek Teufen, die Schriftstellerin Erica Engeler sowie der Journalist und Schriftsteller Adrian Riklin. Einsendeschluss für den Wettbewerb ist der 2. Februar 2016.

Die besten Appenzeller Texte

Das zweite Projekt von Literaturland.ch ist die Appenzeller Anthologie. Ein Buch soll die besten Texte mit Bezug zu beiden Appenzell versammeln. Parallel dazu wird im Internet ein Textarchiv entstehen, das eine Übersicht über das appenzellische literarische Schaffen seit 1900 bietet. Zurzeit beschäftigt sich eine sechsköpfige Redaktionskommission mit der Sichtung der Texte. «Über 150 Autoren haben wir bislang zusammengetragen», sagte Mitglied Peter Surber.

Während des Abends lasen die Schauspieler Nathalie Hubler und Philipp Langenegger Texte vor, welche in die Anthologie Eingang finden könnten. Nathalie Hubler rezitierte «Eine Fahrt nach Trogen» von Herman Hesse. Im Text schreibt der deutsche Dichter von der «freundlichen Verlangsamung des Tempos» im Trognerbähnli und zeigt sich erfreut über dieses «reinliche und fröhliche Land.» Auch Texte von Peter Morger, Helen Meier, Robert Walser oder Peter Liechti bekamen die Gäste zu hören. Bildungsdirektor Alfred Stricker las in perfektem Ausserrhoder Dialekt eine Geschichte von Emmi Mühlemann-Messmer.

Im Herbst 2016 soll die Appenzeller Anthologie erscheinen. Vieles ist im Fluss, die endgültige Auswahl der Texte steht noch nicht fest. Eine erste Kostprobe gab es von Peter Surber in Form der möglichen Buchkapitel: «Ankommen und Abhauen», «Mystik und Miststock», «Köpfe und Kaliber».