Lässer war als Krokodil schon da

Zum ersten Mal waren am Freitag Max Lässer und sein Kleines Überlandorchester in Unterwasser. Im «Zeltainer» verriet Lässer, dass er vor rund 30 Jahren schon mal im Obertoggenburg aufspielte.

Michael Hug
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Max Lässer war zum ersten Mal im Zeltainer – aber nicht zum ersten Mal im Obertoggenburg. (Bild: Michael Hug)

Max Lässer war zum ersten Mal im Zeltainer – aber nicht zum ersten Mal im Obertoggenburg. (Bild: Michael Hug)

Zum ersten Mal waren am Freitag Max Lässer und sein Kleines Überlandorchester in Unterwasser. Im «Zeltainer» verriet Lässer, dass er vor rund 30 Jahren schon mal im Obertoggenburg aufspielte.

«Wir sind sehr erstaunt gewesen, als wir hier oben ankamen», eröffnete Max Lässer den Abend. Was ihn so erstaunte, erwähnte er nicht, aber er erinnerte sich an seine erste Begegnung mit dem Obertoggenburg: «Das war vor etwa vierzig Jahren, ich war glaub' siebzehn und unsere Band hiess Krokodil.»

An das legendäre «Krokodil» mag sich jeder ältere Rock 'n' Roller erinnern, eher nicht mehr an jenen Auftritt. «Das war da hinten in einem Tal, es war ein Open Air, wir haben einen Generator aufgestellt und dann ist gefräst worden!» Es schien aber nicht so, als dass sich jemand am Freitag im Zeltainer an jenen denkwürdigen Event erinnern konnte.

Liedermacher und -sammler

Max Lässer ist seither als Liedermacher und Liedersammler bekannt worden. Seit dreizehn Jahren tritt er mit seinem Grossen, später mit dem Kleinen Überlandorchester auf. In der Besetzung mit Markus Flückiger, Töbi Tobler und Patrick Sommer geht er regelmässig auf Tournée und stellt dann jeweils die neu gesammelten Werke vor. «1:1» heisst das jüngste Werk und enthält neu komponierte Lieder von Flückiger oder Lässer, aber auch neu arrangierte Perlen aus vergessenen Truhen verschiedenster Gegenden der Schweiz.

Fundstücke ohne Namen

Diese Truhen scheinen unerschöpflich zu sein und wo sie zu finden sind, wenn man nur lange genug sucht, erklärt Lässer zwischen den Stücken: In Oberiberg, im Muotathal, in der Romandie.

Überall dort, wo die Schweizer Volksmusik seit langem Tradition hat. Manche der Fundstücke haben einen Namen, manche nicht. Lässer/Flückiger haben sie «Muota», «Tschäderefuess», «Perfiden» und «La Jeannette» getauft. Es sind Polkas, Walzer oder Schottisch mit viel Platz für Soli und Improvisationen. Lässer mit Gitarre, Mandoline, Lap Steel und Dobro, Flückiger auf diversen Handorgeln und -örgeli, Tobler auf seinem Hackbrett und der Jazzbassist Sommer interpretieren sie auf ihre ganz eigene Weise, weit weg von Ländlerseligkeit und Stobete-Groove.

Der Bandleader erläutert das Gebotene, weiss zu fast jedem Stück eine kleine Anekdote, und wenn nichts dazu zu sagen ist, so verrät er wenigstens die Herkunft der Melodie. Dann staunt man, was die Truhe der Volksmusik hergeben kann, welche Schätze da immer noch drinstecken, wo man doch glaubte, das Genre sei längst ausgereizt.

Offenes Zuhören

Lässers Kommentare sind gut tuende, ja fast ersehnte Unterbrechungen im ausnahmslos instrumental und jeglichen Show-Effekt-Haschens entbehrend und trotzdem bar jeglicher Gleichförmigkeit verlaufenden Abend, in dem das Publikum sich von seiner eigenen Emotionalität tragen lassen muss. Denn irgendwelche Hinweise oder Anstösse aus Mimik oder Gestik bekommt das Publikum dazu von den Musikern nicht. Es ist das grosse Geheimnis des zweieinhalbstündigen Konzerts: Es wirkt nur beim offenen Zuhören.

Also Augen zu und durch, durch innere Bilder und Gedanken, das Herz öffnen und sich tragen lassen vom Rhythmus des Drei-, Vier- und Fünfvierteltakts. Man muss spüren, wie die Polka tanzt, der Walzer schwebt und der Blues sich ärgert.

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