Lachs aus Alaska – im Toggenburg geräucht

EBNAT-KAPPEL. Der Monat März kann für Annina Giezendanner und Jack Armer hart sein. Schon oft musste sich das Ehepaar voneinander verabschieden, weil Jack Armer zurückkehrte in seine Heimat Alaska, zurück auch in seinen Beruf als Fischer. Anders ist es dieses Jahr.

Sabine Schmid
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Jack Armer nimmt die Lachse kurz nach dem Fang aus.

Jack Armer nimmt die Lachse kurz nach dem Fang aus.

EBNAT-KAPPEL. Der Monat März kann für Annina Giezendanner und Jack Armer hart sein. Schon oft musste sich das Ehepaar voneinander verabschieden, weil Jack Armer zurückkehrte in seine Heimat Alaska, zurück auch in seinen Beruf als Fischer. Anders ist es dieses Jahr. Der Fischer geht erst im Juni zurück nach Alaska und verkauft bis dahin seine Lachse im Toggenburg. «Die Saison, in welcher ich normalerweise fische, dauert von April bis Oktober. Die besten Monate sind meist Juli und August», erklärt Jack Armer. Bevor er mit seinem Boot vor der Südostküste Alaskas, im Golf von Alaska, im Einsatz ist, muss das Boot aus seinem Winterquartier im amerikanischen Bundesstaat Washington, rund fünf Bootsreisetage südlich, geholt und dann revidiert werden.

Seit elf Jahren lebt Jack Armer von der Fischerei. In Alaska geboren, wuchs er in der Nähe von Boston im Osten der Vereinigten Staaten auf. Er hat Geschichte studiert und an einer Schule unterrichtet. Mit 25 Jahren ging er zurück in seine Heimat und arbeitete einen Sommer lang als Hilfskraft auf einem Fischerboot. «Ich verbrachte damals viel Zeit in den Bergen beim Klettern. Ich dachte, dass es interessant wäre, als Gegensatz dazu einen Sommer lang auf dem Meer zu sein», erinnert sich Jack Armer. Dann ist er dem Meer treu geblieben, er hat sich ein Fischerboot und eine entsprechende Bewilligung gekauft und arbeitet seither als Fischer.

Streng geregelter Fischfang

In jenem Sommer, in dem er als Fischergehilfe gearbeitet hat, haben sich die Wege des Alaskaners und der Ebnat-Kapplerin Annina Giezendanner gekreuzt. Die Toggenburgerin war als Backpackerin unterwegs und besuchte Verwandte. Die Juristin und der Fischer verliebten sich, 2012 haben sie geheiratet. «Meine Tätigkeit hat es mir bisher immer wieder erlaubt, für mehrere Monate am Stück in Alaska bei Jack auf dem Boot zu sein», sagt Annina Giezendanner. Die Tage seien hart und arbeitsreich, aber die Schönheit Alaskas mache dies wett. Die Fischerei in Alaska ist streng reglementiert und kontrolliert. Zum einen ist die Fangzeit beschränkt, zum anderen ist die Anzahl Lizenzen zum Fischen limitiert. «Die Lachse leben während mehreren Jahren im offenen Meer, bevor sie zurückkehren zu ihren Geburtsflüssen, um zu laichen und anschliessend zu sterben. Die Lachse, die den Fluss hinauf schwimmen, werden von Biologen gezählt», sagt Jack Armer. «Dadurch wird ein nachhaltiger Fischbestand sichergestellt. Nur wenn der Bestand an laichreifen Lachsen in den Flüssen gross genug ist, gibt der Staat die Fischerei frei.» In Alaska gibt es wenige Berufsfischer, die ihr Metier mit Haken und Leine ausüben – Jack Armer ist einer von ihnen. An einem sogenannten «Trollerboot» sind vier Leinen befestigt, an welchen wiederum je zwölf oder mehr Haken hängen. Diese werden mit einem Köder bestückt und im Wasser mitgezogen. Haben die Fische angebissen, werden sie einzeln an Bord gebracht und dort getötet, ausgenommen und sogleich gekühlt oder tiefgefroren. «Für die Netzfischerei gelten andere Regeln als für unsere Fischerei. Unsere Boote können fast die ganze Saison hindurch fischen. Die Netze aber dürfen meist nur für ein paar Tage oder Stunden am Stück ausgeworfen werden. Mit meinem Boot ist mir die Netzfischerei nicht erlaubt», erklärt Jack Armer. Er habe sich bewusst für die andere Fangmethode entschieden. «Wir leben von der Qualität, nicht von der Quantität. Nur zehn von tausend Lachsen werden in Alaska mit Haken und Leine gefangen», erklärt er. Wie viel Fisch er pro Saison fängt, ist eine Überraschung. «Es gibt gute und weniger gute Jahre», sagt er. Als Richtwert gibt er eine Fangmenge von etwa 20 Tonnen an. Da Jack Armer auf eigene Rechnung arbeitet, kann er den Fisch dorthin verkaufen, wo er will.

Vom Morgen bis zum Abend

Die Tage eines Fischers vor der Küste Alaskas seien streng, erzählen Jack Armer und Annina Giezendanner. «Solange die Sonne am Himmel steht, kann gefischt werden», sagt er. Am besten beissen die Fische aber jeweils am Morgen oder am Abend. Das Leben an Bord, tagelang auf See und ohne die Küste zu sehen, könne einsam sein. «Aber ich kann auch viele schöne Dinge beobachten. Bei uns gibt es viele Wale und Tümmler», sagt Jack Armer. Die Arbeit, die anfällt, kann er nicht alleine bewältigen. Als Gehilfe hat er entweder einen seiner Brüder, seinen Vater oder seine Ehefrau angeheuert. Die beste Kombination sei es, wenn Annina Giezendanner mit ihm auf dem Boot sei. «Das ist eine gute Prüfung für unsere Beziehung», sagt er.

Import in die Schweiz

Den grössten Teil seines Fangs verkauft er an grosse Fischverarbeiter in Alaska. Im vergangenen Sommer haben Jack Armer und Annina Giezendanner das Experiment gewagt, Fisch in die Schweiz zu importieren und hier zu vermarkten. Das Geschäft sei angelaufen, sie hoffen aber, dass sie es noch vergrössern können. Verkauft haben die beiden ihren Fisch beispielsweise am Wochenmarkt in Wattwil. Auch führen mit der Chäslaube in Lichtensteig und der Metzgerei Metzger zwei Toggenburger Geschäfte den Lachs. «Albin Metzger räuchert den Lachs selber mit Toggenburger Tannenholz», erklärt Annina Giezendanner. Im Angebot ist nicht nur Lachs, sondern auch Blackcod (Kohlenfisch), Heilbutt und Lingcod (Lengdorsch). Diesen fischt Jack Armer jeweils am Anfang der Saison auf dem Boot eines Berufskollegen, welcher die dafür nötigen Lizenzen besitzt. Der Fisch wird roh, kaltgeräucht oder heissgeräucht verkauft. Von seiner Heimat her kenne er es nicht, den Fisch kaltgeräucht und dünn geschnitten zu essen, sagt Jack Armer. Durch seine Frau und deren Familie sei er auf den Geschmack gekommen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Weihnachten und Ostern eine gute Zeit sind, den Lachs zu verkaufen. «Wir hoffen aber, dass wir das ganze Jahr über für unseren Fisch Abnehmer finden», sagen Jack Armer und seine Ehefrau.

Leben in zwei Ländern

Jack Armer liebt es, selber am Marktstand zu stehen und seine Produkte zu verkaufen. Er freut sich deshalb auf den Wattwiler Wochenmarkt, der am 19. März wieder startet. Der Markt sei für ihn auch eine gute Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Er habe immer Fotos dabei, so dass er den Kunden zeigen könne, wie und wo der Fisch gefangen werde. «Zwischendurch bin ich auch wieder als Lehrer tätig», sagt Jack Armer nicht ohne Stolz. Er unterrichtet in der Migros Klubschule in Lichtensteig. «Ich mag die Schweiz und Alaska gleich gut. Daher versuche ich, einen Weg zu finden, um in beiden Ländern zu leben», sagt Jack Armer. Doch während des Sommers wird er wieder auf dem Boot sein.

www.facebook.com/wildhook.alaska

Von April bis Oktober fängt der Fischer in Alaska mit seinem Boot «Grace» Lachse.

Von April bis Oktober fängt der Fischer in Alaska mit seinem Boot «Grace» Lachse.

Durch die Fangmethode mit Leinen und Haken kommt jeder Fisch einzeln an Bord. (Bilder: pd)

Durch die Fangmethode mit Leinen und Haken kommt jeder Fisch einzeln an Bord. (Bilder: pd)

Jack Armer und Annina Giezendanner Fischen und importieren Lachs

Jack Armer und Annina Giezendanner Fischen und importieren Lachs

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