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«Kylie schafft bei den Bewohnern mit Demenz einen Moment der Präsenz»: Therapiehündin Kylie besucht die Demenzabteilung in Heiden

Im Rahmen eines Pilotprojektes ist Therapiehündin Kylie regelmässig mit ihrem Frauchen auf der Demenzabteilung im Betreuungs-Zentrum Heiden. Die Einsätze sollen den Bewohnerinnen und Bewohnern schöne Momente verschaffen und Abwechslung in ihren Alltag bringen.
Natascha Arsic
Die Therapiehündin Kylie erheitert den Alltag der demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohner. (Bild: Natascha Arsic)

Die Therapiehündin Kylie erheitert den Alltag der demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohner. (Bild: Natascha Arsic)

Die Bewohnerinnen und Bewohner sitzen im Kreis in einem lichtdurchfluteten Raum des Betreuungs-Zentrums Heiden und warten bereits gespannt auf die Ankunft von Kylie. Um den Besuch reinzulassen, muss Dominique Furrer, Leiterin Aktivierungstherapie, zuerst einen Code eingeben. Die gesicherte Glastür dient zum Selbstschutz der Patientinnen und Patienten auf der Demenzabteilung. Als Esther Sträuli den Raum mit ihrem grau schattierten Shetland Sheepdog betritt, streckt eine Bewohnerin direkt die Arme nach ihm aus und schreit kurz vor Freude auf.

Die Praktikantin Soziale Arbeit der Pro Senectute AR lässt ihre Hündin zuerst etwas schnuppern, sodass sich Tier und Mensch wieder miteinander vertraut machen können. Zum dritten Mal nun statten die beiden den Patientinnen und Patienten einen Besuch ab. Nach kurzer Zeit lässt Sträuli die Hündin auf den Schoss einer im Rollstuhl sitzenden Bewohnerin. Diese streichelt die 7-jährige Kylie vorsichtig, ein Lächeln huscht ihr übers Gesicht. Bei ihrem Sitznachbarn weckt der Besuch eine Erinnerung. Aufgeregt erzählt er den anderen, dass auch er früher mal einen Hund besass. Seiner sei aber etwas grösser gewesen.

Emotionen auslösen und Zuwendung geben

«Kylie schafft bei den Bewohnern mit Demenz einen Moment der Präsenz», sagt Furrer. Das ist eins der Ziele solcher 30- bis 45-minütigen Einsätze. Die Hündin löst Emotionen aus, gibt ihnen Nähe und Zuwendung. Der Besuch von Sträuli und Kylie war ursprünglich als einmalige Sache im Rahmen des Tages der älteren Menschen vom 1. Oktober gedacht. Die Leitung des Betreuungs-Zentrums hat die Idee aber weitergespannt und ein Pilotprojekt gestartet. Von September bis Ende Januar 2020 werden die beiden einmal im Monat nach Heiden gehen. Furrer sagt:

«Für Patienten auf der Demenzabteilung sind solche Anlässe im Haus sehr wertvoll, denn sie kommen nicht sehr oft raus.»

So könne ihnen aber Abwechslung im Alltag geboten werden. Das Betreuungs-Zentrum habe schon mehrere Events mit Tieren organisiert, denn sie lösen bei den Bewohnern jedes Mal eine grosse Freude aus. Die Einsätze mit dem Sheltie könnten künftig womöglich fester Bestandteil des Programms werden.

Kylie hüpft wieder runter auf den Boden und schnuppert interessiert an den Händen der Bewohner, die nach ihr rufen. Sträuli nimmt sich einen Stuhl und setzt sich neben einen Herren, bei dem die Hündin stehen geblieben ist. «Ich lasse sie selbst auswählen, zu wem sie möchte», erklärt die Hundehalterin.

Sofort fallen dem Bewohner die unterschiedlich farbigen Augen des Sheltie auf: Eines ist blau, das andere dunkelbraun. «Kann sie gut sehen? Haben Sie das untersuchen lassen?», fragt er. Sträuli beruhigt ihn: «Sie sieht ganz normal.» Ihm fällt auch Kylies Verhaltensweise auf. «Heute ist sie etwas aufgestellter als letztes Mal», sagt der Bewohner. Laut Furrer ist es sehr positiv, dass er sich an solche Details erinnert.

Nicht alle Hunde sind geeignet

Nach ein paar Streicheleinheiten wechseln Sträuli und Kylie wieder den Platz im Kreis. Der Besuch der beiden schafft ein geselliges Zusammensein und sorgt für Gesprächsstoff auf der Demenzabteilung. «Ich habe mich vor einem Jahr dazu entschieden, die Ausbildung mit Kylie als Therapiehündin zu absolvieren», sagt Sträuli. Zuerst gibt es einen Test, bei dem geprüft wird, ob sich der Hund dafür eignet. Danach beginnt die sechsmonatige praxisbezogene Schulung und am Ende wird ein Abschlusstest durchgeführt.

Einsätze können an verschiedenen Orten gemacht werden: in Spitälern, Schulen, Senioren- und Pflegeheimen, Palliativkliniken, Behindertenheimen, psychiatrischen Kliniken und Privathäusern. «Das wird jeweils nach den Stärken des Hundes entschieden», erklärt Sträuli. Nebst dem Betreuungs-Zentrum in Heiden besucht sie mit ihrem Shetland Sheepdog auch alle zwei Wochen ein Pflegeheim in Heiligkreuz.

Nur ein Einsatz pro Woche erlaubt

Rund 45 Minuten später ist der Einsatz im Betreuungs-Zentrum Heiden beendet. Einige der Bewohner sind traurig darüber und fragen bereits, wann sie das nächste Mal von Kylie Besuch kriegen. «Sie kommen nächsten Monat wieder», erklärt Furrer.

Die grau schattierte Hündin ist sichtlich erschöpft, ihr Frauchen nimmt sie behutsam auf den Arm. «Die Einsätze kosten sie jeweils viel Energie», meint Sträuli. Deshalb dürfe auch nur einer pro Woche gemacht werden. Während sie den Raum durch die Glastür wieder verlassen, winken ihnen die Bewohner nach. «Ich finde es schön, Menschen etwas zu geben, die sonst nicht viel kriegen», sagt Sträuli und lässt Kylie draussen auf der Wiese ihren verdienten Feierabend geniessen.

Hinweis: Am Tag der älteren Menschen, 1. Oktober, zeigt das Kino Rosenthal in Heiden um 14.15 Uhr den Film «Sub Jayega – die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies».

Was es für die Ausbildung zum Therapiehund braucht

Die Sozialarbeit mit einem Hund ermöglicht Menschen, Zuwendung zu geben und zu erhalten. Vor allem betagten und kranken Personen in Alters- und Pflegeheimen gibt das Streicheln des Hundes Gelegenheit, Wärme und Zuneigung zu spüren. Zudem regt es das zentrale Nervensystem des Menschen an.

Um als Therapiehund geeignet zu sein, muss das Tier deshalb menschenbezogen, freundlich und belastbar sein. Das zugelassene Alter liegt zwischen zwei und sieben Jahren. Zudem sollte der Vierbeiner ein soziales Verhalten aufweisen, geimpft und körperlich gesund sein. Als Begleiter eines Therapiehundes braucht es mitfühlende, warmherzige Personen, die anderen etwas Gutes tun möchten. Die Einsätze erfolgen nämlich auf freiwilliger, unbezahlter Basis. Es ist nötig, dass der Hundehalter sein Tier seit mindestens einem Jahr besitzt.

In den Kursen werden die Vierbeiner mit allem vertraut gemacht, womit sie bei den Einsätzen in Berührung kommen könnten: Rollstühle, Rollatoren, Krücken, plötzliches Schreien von Patientinnen und Patienten sowie zuschlagende Türen. Die Hunde lernen, sich überall am Körper anfassen zu lassen, ohne zu kläffen. Den Besitzern wird beigebracht, wie sie ihren Therapiehund am besten an die Patienten bringen. Gesprächsführung und mitfühlendes Verhalten ist ebenso Teil der Ausbildung.

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