Kurzarbeit für Nummer 7

SNOWBOARD. Snowboarder Jan Scherrer klassiert sich in den USA im ersten Halfpipe-Contest der Saison auf Rang acht. Die WM in China nennt er neben den X-Games und dem Laax Open als Saisonziel.

Urs Huwyler
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Jan Scherrer hofft als Nummer sieben der Welt bald aus winterlichen Verhältnissen hoch über der Halfpipe grüssen zu können. (Bild: pd)

Jan Scherrer hofft als Nummer sieben der Welt bald aus winterlichen Verhältnissen hoch über der Halfpipe grüssen zu können. (Bild: pd)

Erstmals seit den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 traf an der hochdotierten Dew Tour in Breckenridge (USA) der weltbeste Boarder Shaune White auf Olympiasieger Iouri Podladtchikov. Diesmal dominierte der Amerikaner die Halfpipe-Flugshow. Jan Scherrer (Ebnat-Kappel) klassierte sich inmitten der lückenlos vertretenen Weltelite auf Rang acht. «Dadurch», freut sich der Hobbyjogger, «erhielt ich die Einladung für die X-Games in Aspen, dem neben der WM wichtigsten Contest in einer Saison ohne Olympische Spiele.»

In andern Disziplinen werden Qualifikationen für den zweiten Lauf oder Plazierungen in den Top 30 gefeiert, von den Leistungen der Freestyler wird kaum Notiz genommen. Dabei zählte Snowboarden an den Olympischen Spielen in Sotschi zu den Sportarten mit den höchsten Quoten. Die Abfahrer mit 731 000 Zuschauern, Skispringer (685 000), Langläufer (569 000) lagen in der Schweiz zwar vor den Boardern (bis 540 000), weltweit blieben die Schweizer Disziplinen hinter den fliegenden Artisten.

Zu kompliziert

Gründe für die fehlende Medienpräsenz und das mangelnde Interesse in der Öffentlichkeit gibt es einige. «Die Wertung ist für eine Publikumssportart zu kompliziert. Auch die Fachausdrücke sind für Laien kaum nachvollziehbar», weiss Scherrer. Biathlon oder Snowboard Cross seien telegen, weil es kaum Erklärungen brauche, der Zuschauer sehe, was abgehe. Bei «Frontside Double Cork ten-eigthy» oder «Backside one-eighty on to switch nose press switch backside one-eighty ou» wird's schwieriger.

Daneben hält sich das «Fun-Party-Freaks»-Image im Volk hartnäckig. Was die stylischen Piper nicht stört, aber den Blick auf die Trainingsarbeit vernebelt. Podladtchikov wäre ein erstklassiger 5000m-Läufer, Bewegungstalent Scherrer hätte in andern Sportarten ebenfalls durchstarten können. Auf der Weltrangliste (mit 664 Punkten) nehmen die Kollegen die Position zwei und sieben (Scherrer) ein. Der Frühlingswinter zwingt die Profis zur Kurzarbeit. Kraft-, Fitness- und Trampolintraining, Tennis, Skateboarden oder Joggen im Grünen sind beim 22jährigen Toggenburger statt der Ausübung seines Berufs angesagt. «Wintergefühle oder Wettkampfstimmung kommt nicht auf», gesteht er. Während der Skifraktion ein Schneeband genügt, fehlt den Boardern die Anlage. «Sollte die Halfpipe in Laax Anfang Jahr nicht eröffnet werden, müssen wir zurück nach Breckenridge. Dort liegt genug Schnee.»

500 000 US-Dollar

Terminiert ist das Laax Open vom 18. bis 24. Januar. Die 500 000 Dollar Preisgeld garantieren eine olympische Besetzung. Danach reist der Freestyler-Tross wieder in die USA. Diesmal zu den X-Games nach Aspen. Die WM Mitte März in China bildet den Saisonhöhepunkt. Letztes Jahr fanden in Kreischberg die FIS-Titelkämpfe statt, diesmal jene der World Snowboard Tour.

Hausgemachte Probleme

Damit beginnen die hausgemachten Probleme. Zwei Weltmeisterschaften sorgen für Verwirrung. «Contests der World Snowboard Tour haben einen höheren Stellenwert als jene des Internationales Skiverbandes», stellt Jan Scherrer klar. Zur Illustration: Gleichzeitig mit dem Laax Open findet in den USA ein FIS-Weltcup statt. Die Elite wird in Laax starten.

Trotzdem müssen die Freestyler wegen der Olympia-Qualifikation bei FIS-Events starten. Dabei wird ein Weltcupsieg in der Öffentlichkeit wegen des Namens höher bewertet als ein Erfolg bei der Dew Tour. «Es besteht Handlungsbedarf», ist sich der Doppelstarter von Sotschi bewusst. Eine Snowboard Tour analog der Vierschanzentournée oder Tour de Ski mit Klassikern (u. a. Laax, Aspen) und einer Gesamtwertung wäre eine Variante. Vor- und nachher hätte der Weltcup Platz.

Über den Wolken

Derzeit hofft der Boardertross vor allem, dass die Saison beginnen kann. «Mitte März», stellt Jan Scherrer fest, «ist alles vorbei.» Ergibt in kurzer Zeit drei- bis viermal USA, einmal Japan, China und Norwegen. Jan Scherrer wird viel im Flugzeug und weniger über der Pipe in der Luft sein.

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