Kurvenkreischen in Speicher und in der Vögelinsegg: AB setzen nun auf eine automatische Abgabe des Konditionierungsmittels

Die Appenzeller Bahnen leiten weitere Massnahmen zur Eindämmung des Kurvenkreischens in Speicher ein. Anwohner sind bereits in Sorge wegen der anstehenden Wintermonate, denn bei kaltem und trockenem Wetter verschlimmere sich der Lärm.

Astrid Zysset
Drucken
Teilen
Die neuen Tangozüge der Appenzeller Bahnen: Seit sie in Betrieb sind, klagen viele Anwohnerinnen und Anwohner in Speicher über ein sogenanntes Kurvenkreischen.

Die neuen Tangozüge der Appenzeller Bahnen: Seit sie in Betrieb sind, klagen viele Anwohnerinnen und Anwohner in Speicher über ein sogenanntes Kurvenkreischen.

Bild: PD

Lange war es ruhig. Das Kurvenkreischen der Appenzeller Bahnen (AB) in Speicher schien der Vergangenheit anzugehören. Die Freude von Anwohner Samuel Forrer, dessen Zuhause sich direkt hinter dem an den Gleisen gelegenen Gasthaus Krone befindet, ist jedoch mittlerweile wieder getrübt: «Seit Anfang des Monats fängt das Kreischen wieder an.» Dieses Mal gehe es jedoch nicht mehr durch Mark und Bein wie noch zu Jahresbeginn. Es gleiche mehr einem «Wimmern», das Forrer bei einzelnen Zügen vernimmt. «Ich vermute, die AB setzen ein anderes Schmiermittel ein.»

Weiter oben in der Vögelinsegg betreibt Peter von Tessin zusammen mit seiner Frau Elsbeth Gallusser das Ess-Kleintheater« Kul-Tour auf Vögelinsegg». Für die Beiden war das Kurvenkreischen zur existenziellen Frage geworden, da es die Veranstaltungen empfindlich störte. Heute zeigt sich von Tessin jedoch zufrieden. «Im Moment ist es ruhig. Ein Kreischen haben wir schon länger nicht mehr vernommen.» Von einem Wimmern, wie es Forrer umschreibt, weiss von Tessin nichts. Entscheidend seien für ihn jedoch die kommenden Monate. Bei kaltem und trockenem Wetter verschlimmere sich das Kreischen. Darum seien die positiven Erfahrungen, die den Sommer hindurch gemacht wurden, mit Vorsicht zu geniessen.

Schmiermittel wird nun automatisch abgegeben

Das Kurvenkreischen in Speicher lässt die Anwohnerinnen und Anwohner schon länger nicht los. Es entsteht durch die Reibung zwischen Rad und Schiene, welche sich in Abhängigkeit zu Umwelteinflüssen stark verändert. Vergangenen Dezember versprachen die AB, weiterführende Massnahmen zur Einschränkung dieses Lärms in die Wege zu leiten. Die Schienenkopfkonditionierung, welche das Kreischen eindämmen soll, wurde bislang manuell und bei Bedarf durchgeführt. Ab sofort erfolge die Konditionierung der Schienen jedoch automatisch, wie die AB in einer Mitteilung schreiben. Das ermögliche eine präzisere Anwendung.

An sechs kritischen Standorten in Trogen und Speicher wurden Messsysteme installiert. Diese messen den Lärm der vorbeifahrenden Züge und erkennen auftretendes Kurvenkreischen. Die Messwerte werden dann in eine zentrale Datenbank übertragen und ausgewertet. Mit diesen Massnahmen lasse sich der Einfluss der äusseren Bedingungen und der Schienenkonditionierung genau erfassen.

Die Vermutung Forrers, dass seit Anfang des Monats ein anderes Schmiermittel eingesetzt wird, verneint AB-Mediensprecherin Erika Egger auf Anfrage. «Es ist die genau gleiche Konditionierung wie vorher.»