KUNSTTURNEN/FUSSBALL: Ein riesiges Potenzial

Der 14-jährige Linus Rohner gilt schweizweit als grosse Turnhoffnung seiner Altersklasse. Das Talent hat er nur bedingt von Vater Urs geerbt, der war im Fussball ein gefürchteter Torjäger.

Beat Lanzendorfer
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Der 14-jährige Linus Rohner an seinem Lieblingsgerät, dem Pferdpauschen. (Bild: PD)

Der 14-jährige Linus Rohner an seinem Lieblingsgerät, dem Pferdpauschen. (Bild: PD)

Ältere Leser dürften sich an die Jahre erinnern, als der FC Bazenheid, heute in der 2. Liga Interregional, als Liftmannschaft galt. In den Siebzigern und Achtzigern des letzten Jahrhunderts pendelte der Verein zwischen der 3. und 4. Liga. Bessere Zeiten brachen Mitte der Neunziger an, welche mit einem Namen in Verbindung gebracht werden: Urs Rohner. Der heute 51-Jährige war es, der die Toggenburger 1996 mit dreissig Saisontoren praktisch im Alleingang in die 2. Liga schoss. Damals die vierthöchste Liga, weil die 1. Liga Promotion und die 2. Liga Interregional noch nicht existierten. Zum Fussballspielen kommt der ehemalige FCSG-Junior und spätere 1.-Liga-Spieler (St. Otmar/Herisau) nur noch selten. Mit dem Sport ist der selbstständige Zahntechniker durch seine Kinder Ueli (19), Julia (17) und Linus (14) trotzdem verbunden. Ueli ist bei der Sportart des Vaters geblieben und kickt beim FC Niederwil, wo die Familie wohnt. Julia war 2009 die vorläufig letzte Juniorinnen-Kunstturn-Schweizer-Meisterin des TZ Fürstenland Frauen, welches aktuell ein «Gym Resort» in Mogelsberg aufbaut. Nach diversen Verletzungen trat sie kürzer, fing mit dem Kickboxen an und startete durch. Kürzlich eroberte sie den Vizeweltmeistertitel beim «Kickboxing Amateure». Am meisten Aufwand für sein Hobby betreibt Kunstturner Linus, der Jüngste der Familie, in der Mutter und Ehefrau Maria für die Koordination der Termine zuständig ist.

Pendeln zwischen Wil, Magglingen und Tenero

Linus Rohner ist Mitglied des Schweizer Kaders, das sich für die Junioreneuropameisterschaft 2018 im schottischen Glasgow vorbereitet. Diesem gehören Kunstturner der Jahrgänge 2000 bis 2003 an – Linus zählt mit Jahrgang 2002 zu den Jüngeren. Er gilt als lernfähig mit schneller Auffassungsgabe und sehr wettkampfstark. Angefangen hat sein Weg vor zehn Jahren bei seinem Stammverein, dem TZ Fürstenland Männer. Heute absolviert der 14-Jährige neun wöchentliche Trainingseinheiten, was hochgerechnet rund 28 Stunden entspricht. Ein Aufwand, der mit dem normalen Schulbetrieb nicht zu vereinbaren wäre. Der Besuch der Sportschule Lindenhof in unmittelbarer Nachbarschaft zum Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) erleichtert vieles. Nebst den Trainings im RLZO ist der junge Kunstturner an einem Wochenende im Monat im nationalen Leistungszentrum in Magglingen. Das Sportzentrum in Tenero TI kennt er ebenso, hier bestreiten die besten Turner häufig ihre Trainingslager. Kürzlich weilte das Junioren-Euro-Kader 2018 in einem Trainingslager in Mailand. Aufenthalte im Ausland dienen dazu, sich mit Gleichaltrigen anderer Länder zu messen. Ende November geht es ins österreichische Linz zu einem weiteren internationalen Wettkampf. Der Wiler Nachwuchssportler des Jahres und eidgenössische Turnfestsieger seiner Alterskategorie, beides 2013, gewann Mitte September an der Schweizer Meisterschaft in Zürich mit der Mannschaft Bronze.

Die grössten Ostschweizer Talente trainieren im RLZO. Ihr Ziel ist es, wie Pablo Brägger dauerhaft in Magglingen zu trainieren und dem Kader der Nationalmannschaft anzugehören. Linus Rohner gewann an den letzten nationalen Titelkämpfen Silber am Pferdpauschen, seinem Lieblingsgerät. Hinzu kommen ein Diplom im Mehrkampf und weitere Auszeichnungen als vierfacher Gerätefinalist. Auf seine Erfolge angesprochen, kommt er ins Schwärmen: «Die Trainingsbedingungen hier im Regionalen Leistungszentrum sind ideal.» Vater Urs ergänzt: «Anhand der Medaillen und Diplomränge an der Schweizer Meisterschaft ist das RLZO das schweizweit drittbeste Leistungszentrum – ein Leistungsausweis, der für sich spricht.» Apropos Familie: Sie begleitet den jungen Turner bei fast allen Wettkämpfen und ist wichtige moralische Stütze.

Die berufliche Zukunft ist auch geregelt

Linus Rohner, der Teamcaptain des RLZO, hat nicht nur im Sport klare Zukunftsvorstellungen. Nach Beendigung der Schule beginnt er bei der Firma Bühler in Uzwil eine Sportlehre als Polymechaniker, bei der ihm die benötigte Zeit für die Trainings eingeräumt wird.

Und weil Weltklasseturner Pablo Brägger ein Freund der Familie ist, weiss Linus ganz genau, wohin ihn sein Weg im Kunstturnen führen soll.