Kunststücke in der Luft

Der 17jährige Colin Wili aus Appenzell ist der aufgehende Stern am internationalen Freestyle-Skiing-Himmel. Seit letztem Jahr besucht er die Sportmittelschule Engelberg und trainiert dort täglich die nächsten Sprünge.

Chris Gilb
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Colin Wili springt über eine Schanze und vollzieht danach eines seiner Kunststücke in der Luft. (Bild: Pally Learmond)

Colin Wili springt über eine Schanze und vollzieht danach eines seiner Kunststücke in der Luft. (Bild: Pally Learmond)

APPENZELL. Colin Wili beim Training oder bei einem Wettbewerb zuzusehen ist schwindelerregend. Was man früher nur von Snowboardern auf einem Brett kannte, macht der 17-Jährige auf zweien: Drehungen in der Luft, Sprünge über riesige Schanzen und Rutschpartien über Metall. «Ich bin jeweils froh, wenn er gelandet ist», sagt seine Mutter Karin Wili. Sohn Colin hat keine Angst, denn was er später auf den Ski vorführt, hat er lange davor schon trainiert, auf einem speziellen Trampolin im Sportinternat Engelberg und später auf der Piste.

Vom Trampolin auf die Piste

Auch zu Hause im Garten in Appenzell stand immer schon ein Trampolin und Wili hat früh angefangen, darauf Kunststücke in der Luft zu vollführen. «Bei mir musste es schon immer etwas spektakulärer sein, auch das normale Skifahren war mir schnell zu langweilig», sagt Wili. Statt die Pisten nur herunterzufahren, hätten er und seine Freunde die Wochenenden damit verbracht, immer grössere und aufwendigere Schanzen neben die Piste zu bauen und neue Sprünge auszutesten.

Doch irgendwann waren ihm die Möglichkeiten in der Appenzeller Umgebung zu beschränkt. Er und sein jüngerer Bruder, der den gleichen Sport treibt, sind fast jedes Wochenende mit ihrem Sackgeld nach Laax gefahren. «Laax ist das Vorreiter-Skigebiet für Freestyle Skiing, dort gibt es einen sensationellen Funpark.» Sein Training für einen neuen Sprung beginne meistens mit einem YouTube-Video. «Ich sehe neue Sprünge auf YouTube, versuche sie dann auf dem Trampolin und teste sie anschliessend im Schnee.»

Saisonstart mit Sieg

Bis Anfang 2015 besuchte Wili noch die Kantonsschule Appenzell. «Die schulische Leistung hat etwas unter meiner Leidenschaft gelitten», sagt der 17-Jährige. Also habe man eine Lösung gesucht, um beides zu vereinen. Er bewarb sich für die Sportmittelschule Engelberg und wurde aufgenommen. «Einige der besten Freestyle-Skiing-Fahrer der Welt gehen mit mir in die Klasse.» Normalerweise werde den halben Tag lang trainiert und während der restlichen Zeit gelernt. Ausser man befinde sich, wie im Winter, regelmässig auf der Piste. Dann fährt die ganze Klasse für mehrere Tage nach Laax und nächtigt dort in einer Jugendherberge. Seit dieser Saison beteiligt sich Wili auch an den Freestyle-Skiing-Wettkämpfen der Erwachsenen und nimmt unter anderem an der Swiss Freeski Tour teil, wo auch Fahrer aus anderen Ländern antreten. Der erste Event der Tour Anfang November in Les Diablerets gewann er überraschend. Zurzeit befindet er sich an einem weiteren Event in Val Thorens. Auf der Tour gibt es jeweils drei Disziplinen: Halfpipe, Big Air und Slopestyle. In der Disziplin Halfpipe müssen die Sportler Tricks und Manöver in der Halfpipe vorführen. Beim Big Air muss der Fahrer einen grossen Sprung über eine riesige Schanze machen und dabei möglichst viele ausgefallene Tricks zeigen. Die dritte Disziplin Slopestyle ist vergleichbar mit einem Skaterpark, einer Art Marathon. Der Fahrer muss über mehrere Hürden, darunter auch Geländer, fahren. «Meine Schwerpunkte sind momentan Slopestyle und Big Air», verrät Wili.

Dreifacher Salto als Ziel

Etwas richtig Schlimmes ist bei seinen Vorführungen noch nie passiert. «Gebrochene Finger gehören einfach dazu», sagt Wili. Letztes Jahr in Davos aber habe er den Ski bei einem Kunststück in der Luft zu weit weggerissen und sei danach nicht ideal gelandet. Verletzt habe er sich aber dabei nicht, nur schlechte Haltungsnoten erhalten. Der nächste Sprung, den Colin Wili unbedingt lernen will, beinhaltet einen dreifachen Salto. «Diesen zu schaffen, ist meine nächste Herausforderung», sagt er.

Auch um ständig Kontakt zu Sponsoren zu halten, werden Wilis Auftritte von seinen Trainern gefilmt. «Ich lade regelmässig neue Videos und Fotos auf mein Instagram- und Facebook-Profil.» Einige Sponsoren hat er in letzter Zeit schon gewonnen, unter anderem für sein Material. Denn die Freestyle-Skiing-Ski sind speziell, es lässt sich vor- und rückwärts mit ihnen fahren.

Nächster Auftritt in der Region: Rookies Attack Wildhaus, Disziplin Slopestyle, 13. Februar.

Colin Wili 17jähriger Freestyle-Skiing-Fahrer aus Appenzell (Bild: cg)

Colin Wili 17jähriger Freestyle-Skiing-Fahrer aus Appenzell (Bild: cg)

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