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«Kunst kann jeden ansprechen»

EBNAT-KAPPEL. Rund 300 Schüler liessen sich in den letzten zwei Wochen durch die Ausstellung «TSV Arthur Junior» führen. Die jungen Kunstorganisatoren stossen mit ihrer frischen Kunstvermittlung auf ein begeistertes Echo bei Schülern und Lehrern.
Hansruedi Kugler
Führung im 80er-Jahre Turndress: Viola Pfeiffer (links) und Maura Kressig (Mitte) von Arthur Junior diskutieren mit einer Schülergruppe über «Fragmente kleiner Welten» von Sonja Lippuner, die Abdrücke von Turngeräten mit Seidenpapier, Leim und Kleister hergestellt hat. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Führung im 80er-Jahre Turndress: Viola Pfeiffer (links) und Maura Kressig (Mitte) von Arthur Junior diskutieren mit einer Schülergruppe über «Fragmente kleiner Welten» von Sonja Lippuner, die Abdrücke von Turngeräten mit Seidenpapier, Leim und Kleister hergestellt hat. (Bilder: Hansruedi Kugler)

«Das Wasser aus der Dusche prasselt doch wie ständige Beleidigungen über das Kind», sagt eine Schülerin der 3. Sekundarklasse. Damit hat sie die Absicht des Künstlers genau getroffen. Mit einem halben Dutzend Klassenkameraden steht sie in der Gemeinschaftsdusche der alten Schafbüchel-Turnhalle. Sie ist eine «Expertin», hat sich zusammen mit einer Kollegin eine Viertelstunde Fragen gestellt und Antworten gesucht zur kauernden, in sich gekehrten Lehmskulptur eines Kindes unter der Dusche. Nun erläutert sie ihren Klassenkameraden das Kunstobjekt. Allmählich löst sich der Lehm. Darunter kommt ein deformierter, verletzter Körper zum Vorschein. «Mobbingopfer» fällt als Stichwort, «Depression», «man soll nicht auf die Oberfläche achten» oder «schöne Schicht geht weg». Dass Kunst nicht abgehoben sein muss, sondern jeden ansprechen kann – das zu zeigen, ist ein Ziel von «Arthur Junior».

Präzise auf den Ort reagiert

Die Gemeinschaftsdusche als Ort der Entblössung, vielleicht der Scham, ja sogar des Missbrauchs – die Inszenierung geht sehr kritisch, aber präzis auf den Ort ein: Die Turnhalle, das Schulturnen. Andere Künstler projizieren Filme mit Reckturnern auf einen Mattenstapel, inszenieren eine Pausenplatzsituation mit Lautsprechern und Wasserbassins, ein Künstler versucht mit einer Performance mit den Geistern der Schulgeschichte Kontakt aufzunehmen, eine andere lässt sich vom Ort inspirieren und schreibt auf ein riesiges Blatt alle Begriffe ohne Punkt und Komma auf, die ihr gerade einfallen.

Bei ihrem Besuch werden alle Schüler in Zweiergruppen zu «Experten» für eines dieser selbst ausgewählten Werke. Ein Vorgehen, das sie kennen, bestätigt ihr Lehrer Stefan Litscher, der mit allen seinen Klassen auch auf Schulreisen gerne an solche Ausstellungen geht. «Genau so wie meine Lehrerkollegen bin auch ich begeistert von dieser Kunstvermittlung», sagt Litscher.

Ohne kunsthistorischen Ballast

Das Material, das Vorgehen, die Ideen – alles erkunden die Schüler selbst anhand eines kurzen Fragebogens und werden dabei von den jungen Kunstvermittlern von «Arthur Junior» unterstützt. Und sie müssen auch immer wieder Antworten finden auf die Frage: Ist das Eurer Meinung nach Kunst? Die Kunstorganisatoren haben sich die Kunstvermittlung auf ihre Fahne geschrieben. Seit vier Jahren bieten sie mit wachsendem Erfolg eine Plattform für junge Künstler. Die Vermittlung schaffen sie ganz ohne kunsthistorischen Ballast und auf fröhliche Art: «Wir treten nicht als Lehrpersonen auf, sondern verkleiden uns wie Turnvereinsleiter, die Interessierten etwas nahebringen», sagt Maura Kressig, die in Luzern soziokulturelle Animation studiert und als Sozialarbeiterin tätig ist. Die Leitidee: Die Schüler zum Entdecken animieren, ihnen nicht Interpretationen aufdrängen. Mit Erfolg: Wegen der grossen Nachfrage mussten sie die Ausstellung sogar um zwei Tage verlängern.

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