Kunst fördern statt Porsche kaufen

Mirjam Hadorn entschied sich 2013 für die Kunstförderung und hängte ihren gut dotierten Versicherungsjob an den Nagel. Statt Porschekauf und Karriere wechselte sie in die Kunstvermittlung. Ab morgen Freitag zeigt die Lichtensteiger Galeristin erstmals auch eigene Bilder.

Hansruedi Kugler
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Die Lichtensteiger Galeristin Mirjam Hadorn mit ihrem eigenen Lieblingsbild. (Bild: Hansruedi Kugler)

Die Lichtensteiger Galeristin Mirjam Hadorn mit ihrem eigenen Lieblingsbild. (Bild: Hansruedi Kugler)

LICHTENSTEIG. Diese Frau strahlt vor Lebensfreude und Optimismus. Das ist denn wohl auch der Schlüssel für ihre Lebenswende: «Irgendwann stand ich vor der Wahl: Kaufe ich mir jetzt einen teuren Porsche und mache weiter Karriere oder nehme ich mir eine Auszeit?» Bis 2013 hatte Mirjam Hadorn eine Online-Versicherung geleitet, arbeitete 10 bis 12 Stunden pro Tag und war jederzeit für die Firma auch am Wochenende gleichzeitig auf zwei Handys erreichbar. «Die Ziele in der Finanzbranche sind: Immer schneller, immer sicherer, immer reicher. In dieser Branche wird wenig gelebt, aber viel kompensiert», sagt Mirjam Hadorn. Sie sei nicht im Zorn gegangen, aber persönlich wollte sie einen Kontrapunkt setzen. So ist denn aus der Auszeit ein Umsteigen geworden. Warum der Wechsel in die Kunstszene? Hier ist wenig bezifferbar und vieles unsicher. «Dafür ist die Kreativität und die Lebensfreude enorm gross und die Begegnungen mit Künstlern und Kunstinteressierten einfach wunderbar», sagt die Galeristin. «Ich habe meinen Entscheid keinen Moment bereut.» Die Berufskollegen waren sehr skeptisch, das private Umfeld und allen voran ihr Partner hingegen hätten sie bei ihrem Entscheid sehr bestärkt, sagt sie.

Hoffnung auf zweites Standbein

Wäre ihre Mutter nicht schon seit vielen Jahren Kunstmalerin, so hätte Mirjam Hadorn allerdings wohl kaum eine Galerie. «Meine Mutter wollte immer schon eine Galerie eröffnen. Als mein Partner und ich hier in Lichtensteig das Altstadthaus am Goldenen Boden kauften, stand im Erdgeschoss ein leerer Laden zur Verfügung», erzählt sie. Nach dem Umbau des Lokals führte ihre Mutter während zweier Jahren hier die Galerie Hadorn, Mirjam baute das Marketing sowie die Administration auf und arbeitete sich allmählich in die kuratorischen Themen ein. Im Mai 2014 schliesslich übernahm Mirjam Hadorn die Galerie, begann in Luzern das Nachdiplomstudium Kulturmanagement als Ergänzung zum Gestalterischen Vorkurs für Erwachsene in St. Gallen. «Mit diesen Ausbildungen hoffe ich, künftig ein finanzielles Standbein mit einem Teilzeitjob im Kulturbereich zu bekommen», sagt Mirjam Hadorn, um in der restlichen Zeit als Galeristin und Künstleragentin tätig zu sein.

Kein Hobbylädeli

Kann man von einer solchen Galerie leben – und erst noch im Toggenburg? «Ich bin zufrieden mit der Entwicklung», sagt Mirjam Hadorn. Die Galerie, in der sie dieses Jahr mindestens zehn Ausstellungen zeigen wird, sei unterdessen finanziell selbsttragend, auch wenn sie sich selber keine Miete verrechne. «Mein Partner und ich sind uns einig: Diese Galerie soll kein Hobbylädeli sein, sondern muss betriebswirtschaftlich Sinn machen.» Dann ist die Galerie kein vom Partner finanziertes Hobby? «Nein, nein», lacht sie. «Aber irgendwann ist natürlich das Ersparte aufgebraucht, egal, ob man dafür einen Porsche kauft oder einen beruflichen Neuanfang wagt.»

Noch nicht selbsttragend sind die von ihr und ihrem Partner seit zwei Jahren jeweils im Herbst organisierten Kunst-Tage Lichtensteig in der Kalberhalle. «Die haben wir bisher aus dem eigenen Portemonnaie finanziert», sagt Mirjam Hadorn. Dort sollen neben den Verkaufsausstellungen auch Kunstausstellungen in grösserem Rahmen möglich gemacht werden. Für die kommende Ausgabe suchen die beiden nun eine Lösung mit weiteren privaten Sponsoren.

Erste Bilder für Kalender

Erstmals zeigt Mirjam Hadorn in ihrer Galerie auch eigene Bilder. Sie lacht: «Obwohl ich immer gesagt habe, dass ich die eigenen Bilder nicht ausstelle.» Aber die Lust am Malen stieg im Verlauf des Gestalterischen Vorkurses und die Vorfreude auf den gemeinsamen Kalender mit ihrer Mutter Anna Hadorn war dann doch grösser. Einen Galeriekalender stellen die beiden Frauen schon seit der Eröffnung der Galerie her. Bisher ausschliesslich mit Bildern von Anna Hadorn. Tradition hat auch schon die Ausstellung zu Jahresbeginn mit den Originalbildern. Drei von zwölf Bildern steuert Mirjam Hadorn dieses Jahr hinzu. Zu ihrem liebsten Bild (siehe Foto) sagt sie: «Es ist wie ein Spiegelbild von mir. Bunt, vielfältig in den Stilen und Formen.» Inspiriert worden sei sie für das Bild von Dünenlandschaften und der Farbenpracht mediterraner Gewürze. «Ich nenne mich aber nicht Künstlerin und konzentriere mich auf die Kunstvermittlung», sagt sie. «Aber ich will eine gute Galeristin werden, die viel vom Handwerk der Künstler versteht – am besten, indem ich selbst künstlerisch experimentiere.» So ganz hat Mirjam Hadorn den früheren Lebensstil in der Finanzbranche nicht abgelegt. Vollgas gibt sie heute noch: Nächtelang arbeiten kennt sie vor allem vor Ausstellungen auch in der neuen Aufgabe.

Galerie Hadorn Hintergasse 4, Lichtensteig Eröffnung: Freitag, 9. Januar, 17 Uhr bis 31. Januar Freitag 14–18 Uhr, Samstag 10–16 Uhr