Kunst aus Zürich darf bleiben

Der rostrote Turm auf dem Zeughausplatz in Teufen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Er wurde gehasst und vertrieben, für eine Protestaktion und eine Provokation genutzt. Jetzt ist seine Reise zu Ende.

Larissa Flammer
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Der 6,4 Meter hohe Turm steht ohne Verankerung. (Bild: lsf)

Der 6,4 Meter hohe Turm steht ohne Verankerung. (Bild: lsf)

Die hohe vom Rost rot gefärbte Skulptur vor dem Zeughaus Teufen steht seit bald zwei Jahren dort. Der Zürcher Künstler Jürg Altherr hat den Turm geschaffen. Als er von Dezember 2014 bis April 2015 zusammen mit seiner Frau mit einer Ausstellung im Zeughaus zu Gast war, brachte er die Skulptur mit. «Die Baubewilligungskommission Teufen hatte hiefür eine befristete Baubewilligung erteilt», heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Jetzt ist klar: Die Skulptur darf bleiben.

Auf die Frage, wofür der Turm steht und was er bedeutet, antwortet Altherr: «Er steht für sich selber.» Die Skulptur hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Eigentlich war sie für einen Dorfplatz im thurgauischen Aadorf gedacht. «Es gab einen Wettbewerb für die Platzgestaltung», sagt Altherr. Die Skulptur sei aber bei der Bevölkerung nicht gut angekommen. «Es gab Widerstand gegen die Statue.» Der Künstler kaufte sie dann für einen symbolischen Franken von Aadorf zurück.

Seither war die Skulptur auf Wanderung. Eine Weile lang sei sie noch in Aadorf vor dem Haus eines Mitglieds des befürwortenden Komitees gelegen. «Der Initiant der Gegner wohnte gleich gegenüber. Die Befürworter meiner Kunst wollten ihn damit noch ein bisschen ärgern», erzählt Altherr. Von einem befreundeten Bildhauer hat er den Rat bekommen, die Skulptur aufzustellen, so wie sie jetzt in Teufen zu sehen ist. In Aadorf lag die Skulptur auf dem Boden. In einer Nacht-und- Nebel-Aktion hat Altherr die Skulptur einmal vor dem Zürcher Kunsthaus aufgestellt, weil er gegen eine Ausstellung im Innern des Hauses war.

Der Künstler ist dankbar, dass die Skulptur jetzt eine dauerhafte Heimat hat. «Und dann noch in meinem Heimatkanton», sagt er. Altherrs Urgrossvater stammt aus Speicher, er hat das Bürgerrecht geerbt. Es sei Ueli Vogt, dem Kurator des Zeughauses zu verdanken, dass die Skulptur bleiben darf. Mittels eines Nutzungsvertrags sichert die Gemeinde zehn Jahre für die Plazierung der Skulptur auf dem Zeughausplatz zu. Der Turm ist nicht am Boden verankert, er steht trotz seiner schiefen Bauart dank der Lastenverteilung im Innern aufrecht. Die aus Stahlblech gemachte Skulptur ist hohl und 6,4 Meter hoch. «Es ist mir eine Riesenfreude, dass sie jetzt hier steht», so der Künstler.