Dank dem Casino kommen die Stars nach Herisau

Das überregional bekannte Kulturzentrum kann diesen Monat auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken.

Karin Erni
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Dieses Jahr feiert das Kulturzentrum Casino Herisau sein 25-Jahr-Jubiläum. Betriebsleiter Benno Keel erinnert sich noch gut an das erste Konzert, das 1994 im frisch umgebauten Gebäude über die Bühne ging. Angekündigt war Polo Hofer mit seiner Schmetterband. «Es herrschte bei den Verantwortlichen grosse Unsicherheit, ob man es wagen dürfe, ein solches Konzert in den schönen neuen Räumlichkeiten durchzuführen», so der Leiter Volkswirtschaft der Gemeinde Herisau. Sie hätten als Massnahme den Fussboden abgedeckt und ein Sicherheitsdispositiv aufgeboten. Der Anlass sei aber problemlos abgelaufen, wie viele weitere Konzerte danach auch.

Saalgeschäft ist überall defizitär

Der grosse Saal, auch Kultursaal genannt, wird von der Gemeinde Herisau direkt vermietet und ist im Schnitt jeden zweiten Tag belegt. Er beherbergte schon zahlreiche wichtige Festivitäten und Anlässe. So fand beispielsweise die Bundesratsfeier von Hans-Rudolf Merz im Jahr 2003 hier statt. Der Kultursaal fasst bis zu 1000 Personen und ist mit dieser Grösse weitherum einzigartig. «Seit der Schliessung des Schützengarten- und des Ekkehard-Saales in St.Gallen ist er besonders gefragt», sagt Benno Keel.

«Deren Ende zeigt aber, dass sich das Saalgeschäft nicht Gewinn bringend betreiben lässt.»

Benno Keel kam 1993 von St.Gallen nach Herisau. Der Casino-Umbau war das erste Projekt, an dem er beteiligt war. Eines, das ihn bis heute beschäftigt. «Es gibt immer etwas zu tun. Der Saal muss stetig an die neusten Vorschriften und Bedürfnisse angepasst werden.» Diese Arbeiten würden jeweils im Sommer durchgeführt, wenn keine Anlässe stattfinden. Kürzlich wurde auch der Restaurationsbetrieb grundlegend neu gestaltet. Er wirkt jetzt einladender und der ganze Betrieb ist rauchfrei.

Benno Keel ist Betriebsleiter des Casino Herisau.  Bild: Karin Erni

Benno Keel ist Betriebsleiter des Casino Herisau.  Bild: Karin Erni

Dass es zum Saal ein Restaurationsangebot gebe, bezeichnet Benno Keel als Glücksfall. Viele Kunden würden es schätzen, wenn sie nicht noch einen externen Caterer organisieren müssten. Der Restaurationsbetrieb wird seit 13 Jahren durch Stefan Huber geführt. «Bei ihm weiss man, dass alles funktioniert», so Keel.

Parkplatzmangel als Problem

Den grossen Saal liess sich die Gemeinde etwas kosten. 16,1 Millionen Franken bewilligten die Herisauer Stimmbürger 1992 für die Übernahme und den Umbau des gesamten Casino-Komplexes. Der grosse Saal sollte in erster Linie den einheimischen Vereinen dienen. Doch mit diesen allein liesse er sich nicht ganzjährig füllen, denn deren Anlässe sind tendenziell rückläufig. Heute gehören auch grosse Konzertveranstalter und Firmen zu den Kunden des Kulturzentrums. Ein Hindernis bei der Vermietung des grossen Saals sei die Parkplatzsituation, sagt Benno Keel.

«Der Bau einer Tiefgarage beim Umbau wurde vom Volk seinerzeit leider abgelehnt. Wir erhalten viele Anlässe nicht, weil es nicht genügend Parkplätze in der Nähe gibt.»

Diejenigen in der Tiefgarage am Obstmarkt seien jeweils schnell besetzt, wenn noch ein weiterer grösserer Anlass im Dorf stattfindet. Derzeit laufen Gespräche, um zusätzliche Tiefgaragenplätze bei geplanten Bauvorhaben in der Nähe zu realisieren.

Ein Bauwerk mit einer langen Geschichte

Das Hauptgebäude ist 1837 von der Casino-Gesellschaft erbaut worden. Diese war durch den Zusammenschluss der Löwen- Hecht- und Tannenbaumgesellschaft entstanden. Architekt war Felix Wilhelm Kubly aus Altstätten, der zu den besten Schweizer Architekten der Biedermeierzeit gehört. Von ihm stammt auch das Herisauer Bürgerheim oder die Reformierte Kirche Heiden. Der ursprüngliche Herrenclub im Casino wurde schon bald unentbehrlich im Herisauer Gesellschaftsleben und diente der Allgemeinheit. Hier wurde getanzt, es gab Vereinsproben, Konzerte und Vorlesungen. 1860 kamen durch eine Schenkung der Casino-Park und die Kegelbahn dazu.

Der grosse Saal wurde 1939 als Gemeinschaftswerk durch die Dorfkorporation, die Casino-Gesellschaft und die Gemeinde erstellt. 1965, zum 25-jährigen Bestehen des Saalbaus, sagte der damalige Präsident der Stiftung Casino-Saalbau, alt Bäcker und Konditormeister Ernst Schläpfer: «Das Casino ist als geistig-kulturelles Zentrum unserer Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Ohne Überheblichkeit darf gesagt werden, dass das Casino unsere Gemeindestube ist.»

Umbau und Besitzerwechsel

1988 hatte der langjährige Pächter des Casinos gekündigt. Bei der darauffolgenden Bestandesaufnahme wurden grosse bauliche, betriebliche und technische Mängel festgestellt. Zudem zeigte sich die Notwendigkeit einer neuen Trägerschaft durch die Gemeinde. Das Bauprojekt sah einen in zeitgenössischem Stil erstellten Mitteltrakt vor, der Foyer, Wohnräume, Bibliothek, Hauptküche und Haustechnik enthalten sollte. Am 22. Juni 1992 bewilligten die Stimmbürger den Gesamtkredit. Die Einweihung des umgebauten und erweiterten Casinos erfolgte am 26. November 1994.