Kultur nun ohne Saisonpause

UNTERWASSER. Martin Sailer fehlt stets etwas, wenn er seinen Zeltainer in Unterwasser in den Winterschlaf schicken muss. Nun hat er eine Lösung gefunden, um der Kultur die Saisonpause zu ersparen: Der Zeltainer präsentiert im Winter «Kultur i de Schuel».

Heini Schwendener
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Auf dem Pausenplatz: Martin Sailer wohnt im oberen Stock des Schulhauses Unterwasser, im Erdgeschoss präsentiert der Zeltainer-Chef demnächst in einem ehemaligen Schulzimmer «Kultur i de Schuel». (Bild: Heini Schwendener)

Auf dem Pausenplatz: Martin Sailer wohnt im oberen Stock des Schulhauses Unterwasser, im Erdgeschoss präsentiert der Zeltainer-Chef demnächst in einem ehemaligen Schulzimmer «Kultur i de Schuel». (Bild: Heini Schwendener)

UNTERWASSER. Am 26. November, um 20 Uhr, wird aus dem Schulzimmer im Erdgeschoss des einstigen Schulhauses Unterwasser ein Konzertsaal. Sarah Bowman, eine US-amerikanische Singer-Songwriterin, spielt vor der schwarzen Schiefertafel, unter der noch immer Kreidezirkel und Geodreieck hängen. Für Martin Sailer, den Zeltainer-Chef, endet damit eine Leidenszeit: «Ich fand es immer schade, wenn ich im Herbst die Saison des Zeltainers beenden musste. Am liebsten würde ich sowieso jedes Wochenende drei Anlässe veranstalten.»

Viermal «Kultur i de Schuel»

Dreimal an jedem Wochenende, das ist jedoch auch für Sailers neustes Projekt zu viel. Vorerst plant er vier Veranstaltungen unter dem Arbeitstitel «Zeltainer präsentiert Kultur i de Schuel» – im November, Januar, Februar und März. Seinen Traum von Kultur ohne Saisonpause einen Schritt näher sah er sich, als er im Sommer von der Gemeinde das verwaiste Schulhaus mietete. Seither wohnt er in einem Schulzimmer, «was sicher etwas ungewöhnlich ist», kocht im ehemaligen Lehrerzimmer und schmiedet Pläne für das 7 x 10 Meter grosse Schulzimmer im Erdgeschoss. Geboren wurde dabei die Idee von «Kultur i de Schuel». Das Schulzimmer, so Sailer, sei ideal für kleinere Anlässe. Mit wenig Aufwand wird eine maximal 3 x 2 Meter grosse Bühne aufgebaut, die Stühle vom Zeltainer bieten etwa 60 Besuchern Platz. Der Gang vor dem künftigen Kulturraum ist eine klassische Schulhausgarderobe – notabene inklusive WC-Anlagen. Dieser Gang dient als Foyer mit einer kleinen Getränketheke, wo sich Martin Sailer sogar Selbstbedienung vorstellen kann. «Ich möchte das ganze Projekt so aufziehen, dass ich einen Abend alleine oder höchstens mit einem Helfer bestreiten kann.»

«Leise» Anlässe

Auf der «Kultur i de Schuel»-Bühne wird Sailer «leise» Anlässe durchführen, ohne grosses technisches Brimborium. Das Publikum wird die Künstlerinnen und Künstler dafür sehr unmittelbar erleben. Newcomer, unbekannte Kunstschaffende, aber auch bekanntere, die im Schulzimmer in Unterwasser ihr Programm für grosse Bühnen bei einem sogenannten Tryout vor Publikum testen – all dies schwebt dem einstigen Lehrer und heute umtriebigen Kulturvermittler und Hundekursveranstalter vor.

Dank Sailer ist wieder Leben ins ehemalige Schulhaus zurückgekehrt. Mit «Kultur i de Schuel» will er ein weiteres Stück dazu beitragen, «dass Unterwasser lebenswert bleibt oder noch lebenswerter wird.» Das «Kulturschulzimmer» kann aber auch anderweitig genutzt werden. In Absprache mit der Gemeinde kann Martin Sailer es an weitere Interessenten untervermieten. So werden beispielsweise Yogakurse vor der alten Schiefertafel stattfinden.