KULTUR: Im Verein friedlich vereint

Heimweh trieb die Exil-Appenzeller einst dazu, sich zusammenzuschliessen. Im Appenzellerverein konnten sie sich treffen und die Traditionen weiterpflegen. Heute haben diese Organisationen mit der Überalterung zu kämpfen.

Karin Erni
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Der «harte Kern» des Appenzellervereins Glarus trifft sich regelmässig zu gemütlichen Anlässen. Präsidentin Trudy Imhof, Zweite in der vordersten Reihe, trägt die blau-weisse Glarner Werktagstracht. (Bild: PD)

Der «harte Kern» des Appenzellervereins Glarus trifft sich regelmässig zu gemütlichen Anlässen. Präsidentin Trudy Imhof, Zweite in der vordersten Reihe, trägt die blau-weisse Glarner Werktagstracht. (Bild: PD)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

20 Appenzellervereine von «A» wie «Aarau» bis «Z» wie «Zürichsee» listet das Internetportal www.appenzeller-vereine.ch auf . Es ist die gemeinsame Homepage aller Appenzellervereine der Schweiz und bietet Informationen und Links an. Obmann des Dachverbandes ist Hans Höhener. Er ist gebürtiger Rechtobler und wohnt heute im Raum Zürich. Der pensionierte Lokführer ist dem Appenzellerland noch immer stark verbunden. So tuckert er beispielsweise noch regelmässig mit der Dampfbahn Rosa von Rorschach nach Heiden und zurück. «Als Lokführer muss man mindestens 200 Stunden pro Jahr im Führerstand absolvieren, um die Zulassung nicht zu verlieren», so Höhener.

Die Mitglieder aller Appenzellervereine treffen sich alljährlich zu einem Begegnungstag. Dieses Jahr findet die Zusammenkunft im September in Brig im Wallis statt. Nebst einer kleinen Wanderung wird an diesen Anlässen vor allem die Geselligkeit gepflegt. Hans Höhener rechnet indes nicht mit einem grossen Ansturm. «Ins Wallis ist es weit. Weil viele Mitglieder schon älter sind, ist ihnen die lange Reise zu beschwerlich.» Ganz anders habe es vor drei Jahren ausgesehen, als das Treffen in Appenzell stattgefunden habe. Damals seien es 130 Teilnehmer gewesen.

Gemeinsam ist allen Vereinen, dass sie von Mitgliederschwund betroffen sind. Das habe mit der gestiegenen Mobilität zu tun, vermutet Höhener: «Man ist heute schnell für einen Besuch in der alten Heimat.» Generell sei ein gewisses Desinteresse an Vereinen festzustellen. Da sich immer weniger Leute binden oder ehrenamtlich engagieren wollten.

Kampf gegen den Mitgliederschwund

An den zweimal jährlich stattfindenden Delegiertenversammlungen würden immer wieder Massnahmen gegen den Mitgliederschwund diskutiert, sagt Hans Höhener. Bei einigen Appenzellervereinen ist die Situation nicht so akut. Andere stehen dagegen mangels Mitgliedern kurz vor der Auflösung. Wie der Verein von Gossau. Dessen Präsident Martin Pizzol ortet das Problem vor allem bei der geografischen Nähe zum Appenzellerland.

Das Logo der vereinigten Appenzeller Vereine zeigt eine Schweizer Flagge, auf der sich der Innerrhoder und Ausserrhoder Wappenbär freundlich gegenüber stehen. Nur Insidern dürfte auffallen, dass das Innerrhoder Wappentier spiegelverkehrt dargestellt ist. Diese Darstellung sei durchaus sinnbildlich gemeint, auch in den Appenzellervereinen werde nicht nach Kantonszugehörigkeit unterschieden, so Höhener. «Wir sind einfach Appenzeller.»