Kultur bewahren und fördern

Toggenburger und Appenzeller Weissküferarbeiten, Scherenschnitte, Bauern- und Möbelmalerei sowie Volkstänze standen im Mittelpunkt des fünften «Kulturfensters» auf dem Säntisgipfel.

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Die Kultur am Säntis-Huusmusig mit Vroni Kamm, Moritz Büchel, Barbara Kamm, Hugo Kamm und Joe Manser am Klavier. (Bilder: pd)

Die Kultur am Säntis-Huusmusig mit Vroni Kamm, Moritz Büchel, Barbara Kamm, Hugo Kamm und Joe Manser am Klavier. (Bilder: pd)

SÄNTIS. «Wir wollen zeigen, wie vielfältig das Kulturgut rund um den Säntis ist, dieses fördern, bewahren, aber auch vermitteln», so umriss Präsident Alois Ebneter die Ziele des Vereins Kultur am Säntis. Durch das Programm führte Joe Manser, für die Umrahmung sorgte die Huusmusig von «Kultur am Säntis» mit Vroni, Hugo und Barbara Kamm sowie Moritz Büchel und Joe Manser.

Eine Frau und vier Männer

Bäuerliches und sennisches Handwerk und Brauchtum prägten das Bild in der Eventhalle auf dem Säntis. Der Weissküfer Werner Stauffacher aus Ennetbühl schilderte, wie die Weissküferei in den Sechzigerjahren vom Aussterben bedroht gewesen ist, in den letzten Jahren aber wieder Tritt gefasst hat. Heute stellt der Weissküfer neben dem Sennengeschirr auch Produkte für den Alltag wie Weinkühler, Käseplatte, Schalen und andere Gebrauchs- und Geschenksartikel her. Mit feiner Hand gestaltet Jolanda Brändle aus Mosnang ihre Arbeiten. Die Bäuerin und Mutter von neun Kindern widmet sich jeden Abend ihren Scherenschnitten. «Das ist für mich Entspannung und hat etwas Meditatives», sagt sie. Sie zeichnet die Sujets auf und dann folgt die filigrane Schneidearbeit mit einer Spezialschere. Die Welt der Zwerge und Hexen hat es ihr neben den traditionellen Sujets besonders angetan.

Der gelernte Schreiner Werner Alder aus Urnäsch stellt in seiner Werkstatt in Herisau Hackbretter her. Sehr wichtig ist ihm die Wahl des Holzes und der Zeitpunkt des Fällens, darum sucht er die zu schlagenden Fichten selber aus. Nach einer Trocknungszeit von fünf Jahren beginnt die Verarbeitung. Viele Schritte, die meisten davon in Handarbeit, sind nötig bis das Hackbrett mit den ebenfalls von Hand gefertigten Ruten bespielt werden kann. Neben diesen Präsentationen von bäuerlichem und sennischem Handwerk und Brauchtum gaben zwei Referate einen vertieften Einblick ins hiesige Kulturgut. Der Toggenburger Jost Kirchgraber referierte über die Möbelmalerei ab dem 17. Jahrhundert. Er zeigte auf, dass die damaligen Motive auf Schränken, Bettstatten, Kinderwiegen und Truhen nicht dem Alltagsleben der Bevölkerung entsprachen, sondern oft Kopien von populären Bildern aus ganz Europa waren. Es war nicht bäuerliche Volkskunst, sondern eher die Kultur einer Oberschicht, welche sich bemalte Möbel leistete. Die damalige Möbelmalerei gab dann etwa ab 1850 die ersten Impulse für die Möbelmalereien im Stile der Bauernmalerei.

Den Alltag abbilden

Roland Inauen, Leiter Amt für Kultur in Innerrhoden, ging in seinen Ausführungen auf die Entwicklung der Bauernmalerei ein. Deren Anfänge gehen auf 1800 zurück, als die ersten bemalten Eimerbödeli auftauchten, die damals schon ähnlich aussahen wie die heute gemalten Bödeli. Etwa ab 1850 folgten dann neben den Sennenstreifen die Tafelbilder als Wandschmuck, welche zur Hauptsache den realen Alltag der bäuerlichen Bevölkerung darstellten. Das ist bis heute so geblieben. Als Klassiker der Bauernmalerei erwähnte der Referent im Appenzellerland die Bilder von Bartholomäus Lämmler, Johannes Müller, Johannes Zülle und Johann Baptist Zeller sowie im Toggenburg vor allem von Babeli Giezendanner.

Aber auch für stimmige Auflockerung war beim fünften «Kulturfenster» gesorgt. Die Volkstanzgruppe Appenzell unter der Leitung von Isabelle Neff und Karin Inauen zeigte verschiedene Brauchtumstänze. Der Hembergler Bödeler Elias Roth bewies zusammen mit zwei Partnerinnen temperamentvoll, dass man mit den Beinen mehr als nur gehen kann. (pd)

Weissküfer Werner Stauffacher aus Ennetbühl erklärt einer Besucherin ein Detail seiner Arbeit.

Weissküfer Werner Stauffacher aus Ennetbühl erklärt einer Besucherin ein Detail seiner Arbeit.

Die Volkstanzgruppe Appenzell führt verschiedene Brauchtumstänze vor.

Die Volkstanzgruppe Appenzell führt verschiedene Brauchtumstänze vor.