Küstenschnaps versus Schlorzifladen

WILDHAUS. Es war einmal eine Partnerschaft - vor sieben Jahren haben das Nordseebad Dangast und Wildhaus eine touristische Partnerschaft beschlossen. Vom anfänglichen Elan ist nichts geblieben.

Armando Bianco
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Vergessene Partnerschaft zwischen Dangast und Wildhaus. (Bild: kru)

Vergessene Partnerschaft zwischen Dangast und Wildhaus. (Bild: kru)

1000 Kilometer und 1000 Höhenmeter sind das norddeutsche Seebad und die Toggenburger Tourismusgemeinde voneinander entfernt. In Dangast gibt es Windmühlen, Küstenschnaps und rauhe Wellen, in Wildhaus Holzbauten, Schlorzifladen und hohe Berge. Trotz dieser Unterschiede sahen beide Seiten im Jahr 2003 Chancen in einer touristischen Partnerschaft. Die Idee stammte von Rolf Syz, ehemaliger und letzter Präsident der Gemeinde Wildhaus, und Edgar Rädeker, einer Persönlichkeit aus der Gemeinde Varel-Dangast.

Nord-Süd-Partnerschaft

«Bloderchäs und Küstennebel» titelte eine norddeutsche Lokalzeitung nach dem Besuch einer elfköpfigen Wildhauser Delegation - bestehend aus damaligen Gemeinderäten und touristischen Vertretern - im August 2003. 18 Monate später liess sich eine Delegation aus Norddeutschland in die Geheimnisse des Obertoggenburger Tourismus einweihen. Ein klassischer Wintersport-Ort und ein typisches Nordseebad können Unterschiede durchaus als Gemeinsamkeiten vermarkten, war man sich einig. Nebst etwas Publizität sollte die Partnerschaft auch Wertschöpfung bringen. Touristen, die den Sommer im erholsamen Dangast verbrachten, sollten im Winter ins unterhaltsame Wildhaus gelockt werden - und umgekehrt. Meer und Strand gegen Schnee und Berge tauschen. Vom anfänglichen Elan ist heute nichts mehr übrig, wie Anfragen in beiden Orten zeigen. «Die Partnerschaft besteht aktuell schon noch, aber wir tauschen zurzeit lediglich Prospektmaterial aus. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Partnerschaft eher sehr passiv. Aber, wie gesagt, sie besteht noch», lautet die diplomatische Haltung von Ingrid Funke von der Kurverwaltung Dangast.

In Schublade vergessen

Ähnlich zurückhaltend tönt es in der Tourist-Info in Wildhaus, der letzte Prospektaustausch ist schon lange her, wie eine Nachfrage ergibt. In der Tourist-Info Wildhaus ist die Erinnerung an die einst mit Pauken und Trompeten eingeläutete Partnerschaft fast gleich null. Die Prioritäten liegen - und das wohl zu Recht - auf anderen Dingen. Das vor Jahren von beiden Ortschaften gemeinsam entworfene Konzept zur Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen muss in der untersten Schublade zuhinterst gelandet sein. Die als lohnenswert eingestufte Vernetzung beider Tourismusbüros wurde nicht umgesetzt. Für einen Neubeginn fehlen mittlerweile offenbar der Wille und die Perspektive. Ein zweites Treffen beider Orte hat es nach dem Jahr 2005 «aus zeitlichen und finanziellen Gründen leider nicht mehr gegeben», wie Ingrid Funke auf Anfrage weiter betont.

Was geblieben ist, sind die Erinnerungen, die kann man beiden Seiten nicht mehr nehmen. Und die Erinnerungen scheinen von der besten Sorte zu sein. Bürgermeister Wolfgang Busch zeigte sich nach dem Besuch im Obertoggenburg im Jahr 2005 beeindruckt von der herrlichen Alpenluft. «Es ist einfach eine Traumkulisse, dieser Schnee, die klare Luft und jetzt noch Sonnenschein, einfach unbeschreiblich.»

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