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Künstlerkommune im Schulhaus

Dorforganist und Bergschullehrer Albert Edelmann wohnte im Bergschulhaus Dicken oberhalb von Ebnat-Kappel. Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland wohnten zeitweise bei Edelmann im Schulhaus und genossen den freien Blick ins Thurtal von oben.
Bettina Giersberg*
Das Bergschulhaus Dicken befindet sich oberhalb von Ebnat-Kappel, schattenhalb. Fotografiert wurde das alte Schulhaus um 1920. (Bilder: pd)

Das Bergschulhaus Dicken befindet sich oberhalb von Ebnat-Kappel, schattenhalb. Fotografiert wurde das alte Schulhaus um 1920. (Bilder: pd)

EBNAT-KAPPEL. Der deutsche Maler Karl Hofer reist im Juli 1907 von Neapel nach Ebnat. Mit ihm reisen seine Frau Mathilde und das knapp dreijährige Söhnchen. Sein Stuttgarter Studienkollege Hans Brühlmann, Ebnater Pfarrerssohn, hatte Karl Hofer von der Schönheit der Toggenburger Landschaft berichtet. Das Paar sucht nun Erholung vom deutschen und italienischen Kunstbetrieb und quartiert sich im Dorf ein.

Mit Anschluss für den Mäzen

So lernen sie den 21jährigen Dorforganisten und Bergschullehrer Albert Edelmann kennen. Er begleitet die ausgebildete Sängerin Mathilde Hofer gern auf der Orgel, und gemeinsam fassen sie den Plan, zu ihm ins Bergschulhaus Dicken oberhalb von Ebnat zu ziehen. Mit freiem Blick ins Thurtal und Telefonanschluss für die Verbindung zum Winterthurer Mäzen Theodor Reinhart im nahen Gasthaus. Warum es Hofers im Dicken so gefiel? Die schöne Landschaft, das grosse, schöne Schulhaus, der freie Schulbetrieb, die netten Schüler, Bach und Wald in der Nähe als Spiel- und Turnplatz. «Schöner hätte es nirgends sein können», schreibt Edelmann rückblickend.

Stillleben und ab in die Natur

Die Hofers blieben bis zum Herbst, und noch im gleichen Sommer 1907 lernte Albert Edelmann den Maler Hans Brühlmann und seine Verlobte Nina Bindschedler kennen. Beide folgten im Sommer 1909 dem Beispiel der Hofers und zogen, nun als Ehepaar, zu Edelmann ins gastliche Bergschulhaus. Die Küche und die Hauswirtschaft besorgten Nina und Edelmanns Schwester Frieda. Der Tagesablauf des Malerehepaars Brühlmann folgte immer dem gleichen Muster: Am Morgen arbeitete Hans an Stillleben und am Nachmittag ging er in die Natur. Die Abende gehörten der Hausmusik. Albert Edelmann begleitet die Sängerin Nina Brühlmann auf dem Klavier und Hans zeichnet. Nach vier Wochen verabschiedet sich das Geschwisterpaar Edelmann von Brühlmanns herzlich mit dem Schwenken von roten Tüchern von den auf dem Ebnater Perron stehenden Gästen. Hans und Nina Brühlmann winken zurück: «Euer roter Abschiedsgruss hat uns mächtig gefreut. Habt Ihr unsere weissen Flaggen von der Bahn aus gesehen?», schrieben sie dankbar aus Stuttgart zurück.

Auch in den beiden nächsten Sommern kehrten die Brühlmanns ins Bergschulhaus zurück. Der schon schwer durch die ausgebrochene Syphilis gezeichnete Maler genoss diese Aufenthalte, gaben sie ihm doch noch einmal Inspirationen zu neuen Arbeiten. Hans Brühlmann nahm sich am 29. September 1911 in seinem Stuttgarter Atelier das Leben.

Freundschaft halten

Wohl kein Sommergast, aber ein gern gesehener Wintergast war ab 1913 die Künstlerin Hedwig Scherrer. Aufgewachsen in einer grossbürgerlichen St. Galler Familie, konnte sie zwischen 1894 und 1900 verschiedene künstlerische Ausbildungen in St. Gallen, München und Paris absolvieren. Damit wurde sie zu einer der ersten akademisch ausgebildeten Künstlerinnen der Schweiz. Bei Albert Edelmann im Bergschulhaus genoss Hedwig Scherrer die freie Atmosphäre im Kreise der freundlichen Bergbauernkinder, unternahm Skitouren und malte mit ihm den Festraum des Schulhauses aus. «Seine Eltern sähen es gern, wenn wir heiraten [...], aber heiraten will keines. Das ist endlich einmal ein Mensch, mit dem sich Freundschaft halten lässt», schrieb sie an eine Freundin. Gemeinsam reisten Scherrer und Edelmann 1930 mit einer Reisegruppe nach Griechenland. Dann verliert sich die freundschaftliche Spur zwischen beiden. Hedwig Scherrer starb am 8. Mai 1940 in Zürich.

*Bettina Giersberg ist Kuratorin des Museums Ackerhus.

Hedwig Scherrer, Selbstbildnis um 1915.

Hedwig Scherrer, Selbstbildnis um 1915.

Porträt Albert Edelmanns, gemalt von Karl Hofer.

Porträt Albert Edelmanns, gemalt von Karl Hofer.

Postkarte von Hans und Nina Brühlmann an Albert Edelmann vom 28. Oktober 1908.

Postkarte von Hans und Nina Brühlmann an Albert Edelmann vom 28. Oktober 1908.

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