Küchenmaschinen- tischgespräch

Dies ist eine Geschichte über eine Küchenmaschine, die das Rollenklischee auf den Kopf stellt und eine kleine Abendgesellschaft spaltet. Die Geschichte geht so: Er will eine Küchenmaschine. Sie nicht.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Dies ist eine Geschichte über eine Küchenmaschine, die das Rollenklischee auf den Kopf stellt und eine kleine Abendgesellschaft spaltet. Die Geschichte geht so:

Er will eine Küchenmaschine. Sie nicht.

Er will sie, um nicht mehr mühselig Teig von Hand kneten zu müssen, und verspricht, häufiger Brot und Zopf und Pizza und Kuchen und was auch immer zu backen. Wenn er nur die Küchenmaschine hätte (emotionale Argumentation).

Sie findet das Ding viel zu teuer und weiss ausserdem nicht, wo sie es verstauen soll (pragmatische Argumentation).

Fazit: Die Anschaffung wurde auf Eis gelegt, die Diskussion beendet. Vorläufig.

Denn eines Abends, die beiden hatten Gäste, wurde die Küchenmaschine wieder zum Thema (weiss der Geier, wie es soweit kommen konnte). Er holte den Prospekt und erzählte von seinen ausführlichen Beratungsgesprächen im Küchenmaschinenverkaufsgeschäft. An diesem Punkt spaltete sich die Gästegesellschaft. Die einen fanden die Maschine «so schön», die anderen sorgten sich um den Abwasch der Einzelteile. Die einen freuten sich auf selbstgemachtes Hackfleisch (auch das könnte die Küchenmaschine), die anderen sahen das Gerät im Estrich verstauben. Pros und Kontras wurden abgewogen, es wurde argumentiert und verhandelt, es bildeten sich Interessengemeinschaften übers Eck und hinterrücks.

Die Frage, ob sich die beiden eine Küchenmaschine anschaffen sollten, konnte auch an diesem Abend nicht eindeutig geklärt werden, nicht einmal, welche Farbe das Gerät denn haben sollte. Hingegen wurde die Anschaffung einer Glacemaschine in den Raum gestellt. Dafür war sie wiederum sehr zu haben, und er nicht.

Christine König

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