Kritische Stimmen beim SP-Stadtspaziergang zur HSG

ST. GALLEN. Es war eine Nachricht, die hohe Wellen schlug: Anfang November gaben Vertreter von Kanton, Stadt und Universität bekannt, am Platztor einen zweiten Campus zu planen. Zwei Wochen später segnete das Stadtparlament dann den Verkauf des Areals ab.

Luca Ghiselli
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ST. GALLEN. Es war eine Nachricht, die hohe Wellen schlug: Anfang November gaben Vertreter von Kanton, Stadt und Universität bekannt, am Platztor einen zweiten Campus zu planen. Zwei Wochen später segnete das Stadtparlament dann den Verkauf des Areals ab. Mit dem zweiten Standort, der Platz für rund 3000 Studierende bieten wird, soll das stetige Wachstum der HSG aufgefangen werden. Dieser Erweiterung sowie der Beziehung zwischen Stadt und Universität war der SP-Stadtspaziergang vom Donnerstagabend gewidmet.

Vom Platztor die Böcklinstrasse hinauf via Kollertreppe und Müller-Friedberg-Strasse führte Hans Jörg Baumann, Leiter Infrastruktur der HSG, die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom neuen Campus der Zukunft zum alten oben auf dem Rosenberg.

Hans Jörg Baumann betonte während der Führung die Notwendigkeit des Ausbaus. «Die Zahl der Studierenden wird sich voraussichtlich bei 9000 bis 10 000 einpendeln.» Mit dem Platztor-Areal habe man «eines der letzten grossen Areale» gefunden, das den Ansprüchen der Universität gerecht wird. 15 Minuten Gehdistanz zum Campus auf dem Rosenberg, Anbindung an den öffentlichen Verkehr und Nähe zur Innenstadt.

Vorwurf der Verdrängung

Für Diskussionsstoff sorgte während des von SP-Nationalratskandidat Samuel Brülisauer organisierten Spaziergangs die geplante Erweiterung der HSG-Bibliothek. Diese sei, so Baumann, heute für 3500 Studierende ausgelegt. Ein Ausbau im nördlichen Bereich (Girtannersberg) würde Platz für bis zu 9000 Studierende schaffen. Dies würde aber bedeuten, dass die dort ansässigen Familiengärten weichen müssten. «Wir wollen eine integrative Lösung», sagt eine Teilnehmerin am Spaziergang, deren Familie seit 72 Jahren im Besitz einer Parzelle ist. Sie wollte von Hans Jörg Baumann wissen, ob nicht eine kreativere Lösung möglich sei.

Provisorien oder Schichtbetrieb

Die einzige Option im Falle eines Scheitern des geplanten Projekts sei es, nach weiteren Provisorien zu suchen und allenfalls sogar einen Dreischichtbetrieb einzuführen. Dies würde zu Lärmemissionen zu später Stunde führen, die nicht im Interesse der Quartierbewohner liegen könnten, so Baumann.

Auf Hans Jörg Baumanns Ausführungen folgte ein Referat von Christoph Frei, Professor für Politikwissenschaft an der HSG. Er hielt fest, dass der Anspruch der Universität, zu den besten weltweit zu gehören, auch eine Weltoffenheit voraussetze.