Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Krisen professionell angehen

Die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik Sonnenhof in Ganterschwil hatte am Mittwoch 130 Fachpersonen aus Medizin, Pädagogik, Sozialarbeit und Behörde zu Besuch, die sich an einer Fachtagung von Spezialisten über Krisen und das Krisenmanagement der Klinik informieren liessen.
Spezialisten sprachen an der Fachtagung zum Thema Krisenmanagement (von links): Ulrich Müller-Knapp (Chefarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Sonnenhof), Karin Erni-Koller (Sozialpädagogin), Natalia Kunz (Therapeutische Leiterin), Johanna Gerngross (Notfallpsychologin) und Eginhard Koch (Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg). (Bild: pd)

Spezialisten sprachen an der Fachtagung zum Thema Krisenmanagement (von links): Ulrich Müller-Knapp (Chefarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Sonnenhof), Karin Erni-Koller (Sozialpädagogin), Natalia Kunz (Therapeutische Leiterin), Johanna Gerngross (Notfallpsychologin) und Eginhard Koch (Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg). (Bild: pd)

GANTERSCHWIL. Krisen sind etwas Normales und gehören zum Alltag, auch in der Psychiatrie. Deren Bewältigung braucht viel Fingerspitzengefühl und ein hohes Mass an Professionalität. An der Fachtagung in der Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik Sonnenhof ging es um das Krisenmanagement. «Krisen müssen in all ihrer Komplexität verstanden werden», sagte Ulrich Müller-Knapp, Chefarzt an der Klinik Sonnenhof in Ganterschwil zu Beginn der Fachtagung zum Thema «Krisenmanagement». «Patientinnen und Patienten, Eltern, Helfer, Mitarbeitende und weitere Personen sind involviert. Deren Beziehungen untereinander, deren Gefühle und deren Biographie spielen vor der aktuellen, psychosozial meist schwierigen Situation ineinander und machen Krisen deshalb so kompliziert.»

Trotzige Verweigerung

Diese Komplexität erläuterten Natalia Kunz, therapeutische Leiterin der Station 2 und die Sozialpädagogin Karin Erni-Koller an einem eindrücklichen Fallbeispiel. Eine durch die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) fürsorgerisch untergebrachte 16jährige Jugendliche war intensiv auf ein Gespräch mit ihren Eltern vorbereitet worden. «Die Begegnung verlief anfänglich recht gut», sagte Natalie Kunz. «Die Jugendliche hatte ihre Emotionen im Griff. Doch plötzlich fielen Worte, die bei ihr heftige Reaktionen auslösten.» Sie sei in einer trotzigen Verweigerung verharrt. Trotz mehrfacher Beruhigungsversuche und Interventionen sei sie nicht zu beruhigen gewesen. «Die Krise eskalierte bis dahin, dass die Jugendliche sehr bedrohlich und aggressiv wurde und damit eine zeitlich begrenzte Isolierung gegen den Willen der Patientin notwendig wurde.»

Teamtechnik anwenden

Für solche nicht alltäglichen und seltenen Situationen hat der Sonnenhof vorgesorgt. Mitarbeitende werden regelmässig im Umgang mit solchen Krisen, die meist im Zusammenhang mit Eigen- oder Fremdgefährdung einhergehen, geschult. Zu ihnen gehört Karin Erni-Koller, die sich derzeit zur Trainerin Aggressionsmanagement weiterbildet. «Im ersten Schritt versuchen wir alles, um mit ruhigen Worten und wenig Zwang eine Beruhigung zu erreichen», erklärte sie. Sei dies nach mehreren Versuchen wie im vorliegenden Fall nicht möglich, so komme die Zwangsmassnahme mit Teamtechnik zum Einsatz. Mit einem genau eingeübten Vorgehen sei diese Patientin beruhigt und in die Isolette gebracht worden.

Krisen als Chance sehen

Ein wichtiger Teil solcher Massnahmen folgt in der Nachbehandlung. «Nach solchen Situationen müssen zwingend die Eltern und die offiziellen Stellen informiert werden», betonten die beiden. Zwangsmassnahmen gegen den Willen der Patienten müssen von der KESB genehmigt und überprüft werden. «Eine genaue Dokumentation ist selbstverständlich und unerlässlich. Ebenso wichtig ist die Nachbesprechung im Team und zusammen mit der Patientin oder dem Patienten. Nur so können sich alle weiterentwickeln und aus einer Krise lernen.» Dies betonte auch Eginhard Koch, Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg. Konflikte seien zunächst Chancen, mit denen man auf Probleme aufmerksam gemacht werde, sagte er. Problematisch sei, dass Krisen häufig Auswirkungen auf die Beziehungsebene hätten und dadurch entwicklungsfördernde Lösungen verhindert werden könnten. Entscheidend sei, nicht an einem Menschen zu zweifeln, sondern das Problem anzugehen. Ideal wäre, wenn es gelänge, eine offene Konflikt- und Fehlerkultur zu etablieren.

Zu den typischen Krisen gehört das Psychotrauma. Es entstehe, wenn die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten nicht mehr genügen, um ein Ereignis zu verarbeiten, erklärte die Notfallpsychologin Johanna Gerngross von der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Damit verbunden seien Gefühle der Hilflosigkeit und des schutzlosen Ausgeliefertseins. Die Grundsicherheit gehe verloren. Bei der Behandlung stehe deshalb im Vordergrund, den Betroffenen zu helfen, das Geschehene zu verstehen, in das eigene Weltbild einordnen zu können und ihm einen Sinn zu geben. (pd)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.