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KRISE: Im Appenzeller Vorderland sterben die Hotels

Im Appenzeller Vorderland sind mehrere wichtige Hotels geschlossen oder kämpfen ums Überleben. Es fehlt an Käufern und an Geld, Eigentümer wollen eine bessere Rendite oder die Nachfolge ist nicht geregelt.
Monika Egli/Jesko Calderara
Das seit Ende August 2016 geschlossene Hotel Walzenhausen wird "ziemlich sicher" nicht mehr in Form eines Hotels eröffnet. (Bild: Ralph Ribi)

Das seit Ende August 2016 geschlossene Hotel Walzenhausen wird "ziemlich sicher" nicht mehr in Form eines Hotels eröffnet. (Bild: Ralph Ribi)

Bei der ehemaligen Pension Nord in Heiden zeichnet sich eine Lösung ab. Am dortigen Standort war einst ein Hotelneubau geplant, der 2015 jedoch scheiterte. «Für ein reines Hotelprojekt konnte bisher kein Interessent gefunden werden», sagt Piergiorgio Giuliani. Der Rechtsanwalt vertritt die Eigentümerin des Objekts, die Dr. Bettina Muhr AG. Ein Verkauf des Areals sei noch nicht zu Stande gekommen. Es gebe allerdings Kaufinteressenten. Diese möchten auf dem Grundstück ein Vorhaben mit mehreren Nutzungen und einem integrierten Hotelbetrieb realisieren, welche in die bestehende Kurzone passen. Um wen es sich dabei handelt, verrät Giuliani nicht. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten. Eine Vollzugsmeldung könnte demnächst erfolgen.

2,7 Millionen Franken bis Ende März

Beim Hotel Linde in Heiden ist ein Rettungsversuch im Gange. Die Familie Kobelt als Eigentümerin will die Hotelzimmer zu Wohnungen umnutzen. Seit Oktober arbeitet eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von René Struhs im Auftrag der Genossenschaft Hotel Linde am Kauf des Hauses. «Ich bin guter Dinge, dass uns dies gelingt», sagt Struhs. Mit der Besitzerin der Liegenschaft wurde ein Verkaufspreis vereinbart. Vertiefte Abklärungen ergaben einen Sanierungsbedarf von rund vier Millionen Franken.

Als Käuferin des Objekts soll eine Stiftung auftreten. Diese könnte die Räumlichkeiten dann an die bestehende Genossenschaft als Betreiberin vermieten. Momentan werden Geldgeber und Stiftungsratsmitglieder gesucht. Laut Struhs besteht in Absprache mit der Familie Kobelt eine Frist bis Ende März. Dann müssen mindestens 2,7 Millionen Franken für die Stiftungsgründung, den Erwerb der Liegenschaft und die anstehenden Rennovationsarbeiten zusammen sein. Je nachdem, wie die Kapitalbeschaffung verläuft, könnte die Sanierung auch in Etappen erfolgen.

Investor und Betreiber lernen sich bald kennen

Es müssen jetzt rund zehn Jahre her sein, seit das Hotelprojekt beim Appenzeller Heilbad (ehemals Heilbad Unterrechstein) zum Thema wurde. Bis heute steht das Hotel nicht, weil entweder Geld, ein Investor oder dann wieder ein Hotelbetreiber fehlte. So hiess es im Juni 2010 in der Appenzeller Zeitung: «Noch ist es nicht gelungen, die Finanzierung für das geplante Medical Wellness Hotel und das Ärztehaus auf ein stabiles Fundament zu stellen.» Dezember 2012: «Investor für Wellnesspark gefunden. In zwei bis drei Monaten sollten die Verhandlungen abgeschlossen sein.» Juni 2015: «Zurzeit laufen Gespräche mit potenziellen Investoren aus der Region.»

Und heute? Fragen nach dem Medical Wellness Hotel seien gerade sehr aktuell, gibt Architekt Josef Blätter Auskunft. Er ist der einzige Verwaltungsrat der Parkresidenz Appenzellerland AG, die als eigenständige Firma bereits die Wellnessresidenz erstellt hat und nun das Hotel mit Ärztehaus errichten will. Fünf bis sechs Personen hätten sich stets um das Hotelprojekt gekümmert, und im Moment seien gute Gespräche «mit Hand und Fuss» am Laufen. Anfang März werden sich laut Blättler ein Investor und ein Betreiber kennen lernen. Bei den interessierten Investoren handle es sich um Schweizer Firmen.

Der Fresstempel bleibt geschlossen

Im zweiten Quartal 2017 führte die Gemeinde Wald das Gasthaus Harmonie als verkauft auf. Das unter Bundesschutz stehende Gebäude galt Jahrzehnte lang als Fresstempel, zu dem die Gäste von weither pilgerten. Von 1991 bis Frühling 2015 wirtete der Hausbesitzer Manfred Breuer in der «Harmonie». Dann zog er mit seiner Frau weg, und die Liegenschaft wurde für 780000 Franken im Internet angeboten. Erwerber sind Richard Weiss und Daniela Käss Weiss, Salenstein. Gemeindeschreiberin Lina Graf sagte: «So, wie es aussieht, wird die Harmonie nicht mehr als Restaurant geführt.»

Aus dem Dream- wird ein Alptraumhotel

Seit Ende August 2016 ist das Swiss Dreams Hotel Walzenhausen geschlossen. Mit dem einstigen Vorzeigeobjekt an ausgezeichneter Lage nahm es ein böses Ende: In der Sterne-Kategorie sank es von vier auf deren drei, es schrieb längere Zeit rote Zahlen und ein Benutzer von tripadvisor betitelte es im September 2015 gar als «Alptraumhotel». Es hätten mehrere Millionen Franken investiert werden müssen, um das Hotel wieder auf Vordermann zu bringen. Dieses Geld wollte die Besitzerin, die indische Industriellenfamilie Kumar, nicht investieren. Sie kontrolliert die Gruppe der Swiss Dreams Hotels, zu der unter anderen in St. Gallen das San Lorenzo, die Bar Alhambra, das Hörnli und das Hotel Gallo gehören.

Für die Besitzerfamilie spricht der Verwaltungsrat der Hotel Walzenhausen AG, Rechtsanwalt Titus Bossart. Das Haus, sagt er auf telefonische Anfrage, werde «ziemlich sicher» nicht mehr in Form eines Hotels eröffnet. Pläne und Gespräche seien aber nach wie vor im Gang. «Es könnte in Richtung Altersresidenz gehen.» Von solchen und anderen Plänen war bereits vor einem Jahr die Rede, als Titus Bossart im Januar 2017 in der Appenzeller Zeitung zitiert wurde: «Zur Diskussion steht eine Umnutzung des Hotels als Altersresidenz, Altersheim oder die Einrichtung eines Medical Spa.» Titus Bossart stellte im gleichen Artikel auch in Aussicht, «dass bis Mitte des Jahres 2017 feststeht, wie es weitergehen wird».

"Krone" in Heiden steht zum Verkauf

Auf Immoscout wird das Haus Krone in Heiden zum Kauf angeboten. Die Preisvorstellung der Besitzerin Monique Eggenberger-Kühnis liegt bei 4,4 Millionen Franken. Die «Krone»-Liegenschaft umfasst laut Eintrag im Internet neun Wohneinheiten (Appartements) sowie ein Restaurant und einen Kiosk. Bis 1995 wurde die «Krone» als Hotel/Restaurant geführt. Mit einer umfassenden Gebäuderenovation baute die Besitzerin die Hotelzimmer dann aber in Appartements um. Diese werden als Ferienwohnungen angeboten, der Trend geht laut Inserat aber in Richtung Festvermietung. Der Hotelbereich ist demnach nicht mehr existent. Im Internet wird darauf hingewiesen, dass es auf dem Grundstück eine Landreserve mit einem Projekt für ein Mehrfamilienhaus habe. Was ein neuer Besitzer mit dem Haus und dem Restaurant dannzumal vorhat, bleibt natürlich offen. (eg)

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