Krise bei der Landi Säntis AG?

Leserbrief zum Artikel «Filiale fällt dem Druck zum Opfer» in der Ausgabe vom 31. Oktober.

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Leserbrief zum Artikel «Filiale fällt dem Druck zum Opfer» in der Ausgabe vom 31. Oktober.

Am vergangenen Samstag hing über dem Mogelsberger Martini-Markt trotz des goldenen Sonnenscheins eine dunkle Wolke. Viele Menschen konnten es immer noch nicht fassen, was ihnen die Geschäftsleitung der Landi Säntis AG eine Woche vorher aufgetischt hat. Das Stammhaus der Landi in Mogelsberg soll mitsamt der Tankstelle auf nächsten Sommer 2013 geschlossen werden.

Vom schlechten Informationsstil einmal abgesehen, ist die Schliessung für Betroffene und Kunden unverdaulich. Respektlos ist die Nicht-Information auch gegenüber der Politischen Gemeinde Neckertal, welche diese Nachricht ebenfalls aus der Zeitung vernommen hat.

Im aktuellen Geschäftsbericht wird eine erfreuliche Umsatzzunahme auch durch das Geschäft Mogelsberg attestiert. Und richtig, das Profitcenter Mogelsberg hat einen grossen Umsatzsprung auf über sechs Millionen Franken gemacht. Neben dem Geschäft in Herisau ist dies von allen sieben Verkaufsstandorten das zweitbeste Resultat. Ein Landwirt meinte am Martini-Markt trocken zu dieser Tatsache, dass er noch nie einen gesehen habe, der seine zweitbeste Kuh geschlachtet habe.

Vor wenigen Tagen wurde den Aktionärinnen und Aktionären ein knapper Aktionärs-Brief zugestellt. Darin versuchte der Verwaltungsrat auch die Schliessung der Filiale Mogelsberg zu rechtfertigen, indem er unter anderem anführte, dass der Personalaufwand in einem schlechten Verhältnis zum Umsatz stehe.

In Mogelsberg arbeiten sechs Personen im Laden und erwirtschaften einen Umsatz von über sechs Millionen Franken. Schaut man die Filiale Teufen an, so wird auch mit sechs Personen ein Umsatz von drei Millionen generiert. Tatsache ist, dass den Aktionären keine Profit-Center-Rechnung vorgelegt wird, woraus ersichtlich ist, wo denn «der Hund» für diese Aussagen begraben liegt.

Früher war die Landi eine Genossenschaft für die Landwirte und Landbevölkerung. Das Herz eines Genossenschaftsbetriebes hat damals noch für die echten Bedürfnisse der Agrarregion geschlagen. Heute wird das übliche Profitdenken einer Aktiengesellschaft vorgelebt. Die Überlegungen für die Schliessung von Mogelsberg, zu deren Einzugsgebiet auch Degersheim und die zahlreichen Weiler rund herum gerechnet werden, sind nicht nachvollziehbar. Dass alle Kunden dann in das Geschäft nach Schönengrund fahren, dürfte eher Wunschdenken sein als genaue Marktabklärungen und Kundenbefragungen.

Mit der Schliessung des Geschäftes in Mogelsberg verliert die Landi Säntis AG auch ihren Firmensitz. Wohin der neue Geschäftssitz zu liegen kommt, darüber schweigt sich Geschäftsleitung und Verwaltungsrat wieder aus.

Nun liegt es an den Aktionärinnen und Aktionären, ob sie sich die eiligen «Strategiehüpfer» gefallen lassen wollen oder ob sie mit einer ausserordentlichen Generalversammlung die Verantwortlichen zwingen, die notwendigen Informationen und Hintergründe vorzulegen. Wenn schon Aktiengesellschaft, dann ist der Aktionär (beziehungsweise die Generalversammlung) auch das oberste Organ.

Maja Meyer-Böhm

Dorfstrasse 14

9122 Mogelsberg

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