Krieg und Frieden

In der Klosterkirche Neu St. Johann gastierte das Winterthurer Vokalensemble mit alter Chormusik zu Krieg und Frieden. Die Werke spannten einen Bogen von Mittelalter bis Barock.

Peter Küpfer
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Können und Engagement, vereint mit einem Schuss Humor und Eleganz: Das Vokalensemble Winterthur in der Klosterkirche Neu St. Johann. (Bild: Peter Küpfer)

Können und Engagement, vereint mit einem Schuss Humor und Eleganz: Das Vokalensemble Winterthur in der Klosterkirche Neu St. Johann. (Bild: Peter Küpfer)

NEU ST. JOHANN. Das Winterthurer Vokalensemble musizierte in seinem Toggenburger Gastspiel unter dem Titel «L'homme armé». Es trat im letzten Konzert der diesjährigen Saison mit 22 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Beat Merz auf. Zu seinem Repertoire gehören weltliche und geistliche Musik aus der Renaissance und der Barockzeit. Auch beim Konzert in der Klosterkirche wurde der vorwiegend a cappella singende Chor von wenigen, teilweise historischen Instrumenten begleitet. Chorleiter Beat Merz (Laute, Blockflöte), Maja Rutishauser (Blockflöte), Christa Windler (Violine), Irène Capello (Akkordeon), Peter Kilga (Viola da gamba) sowie Raymond Ott (Trommel) erwiesen sich dabei als vielseitig.

Hohe musikalische Präsenz

Sie traten nicht nur als Instrumentalisten auf, sondern wechselten beliebig vom Instrument zum Gesang, und dann, je nach Erfordernis, wieder zurück. Beat Merz nahm dazu, Laute in der Hand, gleichzeitig noch die vielschichtige Leitung des Ganzen wahr, mit sichtlichem Wohlgefallen. Dabei überzeugte das bewährte und mehrfach ausgezeichnete Ensemble durch seine hohe musikalische Präsenz und Perfektion sowie sein Stimmvolumen. Es war nicht nur die herrliche Akustik der Klosterkirche, welche die kriegerische Reise trotz der ernsten Thematik zum musikalischen Genuss werden liess. Man merkte dem Ensemble an, dass hier viel Engagement, Freude an den mit grimmigem Humor gestalteten Werken, Disziplin und gemeinsame Schulung am Werk war. So waren denn auch die bis zur Kuppel der herrlichen Kirche aufsteigenden Klänge nicht nur faszinierend, sondern auch vom echten Geist beseelt.

«Courage! Courrrrrage!!»

Man kann aus dem vielseitigen und höchst anspruchsvollen Programm nur Einzelheiten herausgreifen. Um es in seiner ganzen Leistung würdigen zu können, muss man es erlebt haben: Vom ersten leisen Trommeln, das wie Geschützlärm von weit weg erschien, über stimmlich imitierten Kriegslärm mitten in der Schlacht von Marignano bis hin zur erlösenden Friedensmotette von Heinrich Schütz, mit der das Konzert ausklang, war für alles Platz. Grenzenloser Jubel nach gewonnenem Feldzug, für den man sich denn auch gebührend bei der für einen selbst günstigen Vorsehung bedankte. Ganz im Unterschied zur melancholischen Musik eines Juan del Encina aus dem späten 15. Jahrhundert, der die Trauer des von den Christen besiegten Emirs von Granada zum Ausdruck bringt. Oder begeistert, manchmal aber auch verzweifelt anmutende anfeuernde Rufe an die Söldner und Soldaten: «Courage! Courrrrrage!!»

Hoffnung auf Frieden

Hübsch und in ihrer Ausgelassenheit wohltuend wirkten die musikalisch ausgedrückten Kapriolen des unheroischen Soldaten Scaramella, eines historischen Vorläufers des Soldaten Schweijk, auch die erotisch versetzten Prahlereien der Söldner und Soldaten, kongenial in Musik gesetzt von Giovanni Gastoldi (Amor vittorioso) und Orlando di Lasso (Matona mia cara). Eindrücklich auch die sogenannte Genfer «Hugenotten-Marseillaise» von Claude Goudimel aus dem 16. Jahrhundert, der Zeit der grossen Religionskriege. Nach all dem Kriegsgetümmel mit seinen kapitalen Emotionen war man froh um das musikalische Gebet, das der Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz im Jahre des Westfälischen Friedens komponierte. Dieser epochemachende Friede setzte 1648 dem dreissigjährigen Würgen ein Ende, das Deutschland für Jahrhunderte zurückwarf. Schön, dass das Konzert auf diesen Tönen ausklang.