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KRIEG: Als Arzt in der IS-Hochburg

Der Heidler Peter Jaggi leistete einen humanitären Einsatz im Nordirak. Dort baute er ein Spital in einem Flüchtlingslager auf. Zu schaffen machten ihm nicht nur Kriegsverletzte und politische Spannungen.
Jesko Calderara
Peter Jaggi (stehend rechts) musste bei den Flüchtlingen vor allem Kriegsverletzungen und Hauterkrankungen behandeln. (Bild: PD)

Peter Jaggi (stehend rechts) musste bei den Flüchtlingen vor allem Kriegsverletzungen und Hauterkrankungen behandeln. (Bild: PD)

Jesko Calderara

redaktionot

@tagblatt.ch

Eigentlich könnte Peter Jaggi seinen Ruhestand geniessen. Dies fällt dem 76-jährigen Arzt aus Heiden angesichts der täglichen Kriegsbilder im Fernsehen jedoch nicht einfach. Zwischen Juli und Oktober des vergangenen Jahres leistete er deshalb einen humanitären Einsatz im Nordirak. «Solange es geht, will ich etwas für Menschen in Krisengebieten tun», sagt er.

Für das international tätige Hilfswerk Adra baute Jaggi rund 20 Kilometer ausserhalb von Mosul, der ehemaligen IS-Hochburg, ein Spital auf und leitete dieses. Adra ist in 134 Ländern tätig. Die Organisation ist konfessionell neutral. Sie wird aber durch die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten getragen, welche weltweit über 20 Millionen getaufte Mitglieder zählt. Morgen Dienstag referiert Jaggi um 19 Uhr im Lesesaal des Kursaals Heiden über seine Erlebnisse.

Flüchtlingslager mit 80000 Menschen

Mosul ist mit rund 2,9 Millionen Einwohnern die grösste Stadt im Nordirak. Sie war lange Zeit durch die islamische Terrormiliz IS belagert, bevor den Koalitionsstreitkräften die Befreiung gelang. Über eine Million der Bewohner flüchtete vor den Kämpfen. Zusammen mit lokalen und internationalen Ärzten betreibt Adra bis heute das Spital in einem Flüchtlingslager, wo rund 80000 Menschen leben. Die medizinische Infrastruktur besteht behelfsmässig aus Containern. Zum Spital gehören eine ambulante Station und zehn Betten für Notfälle. Operiert werden konnte nur, was mit lokaler Betäubung möglich war. Als Beispiel nennt Jaggi oberflächliche Wunden und die Entfernung von Bombensplittern. Operationen unter Narkose seien aufgrund des fehlenden Narkosemittels nicht möglich gewesen.

Problem mit überfüllten Spitälern

Im Adra-Spital werden täglich bis zu 200 Patienten behandelt. Häufig waren es Männer, Frauen und Kinder mit Hauterkrankungen, Grippe, Magen-Darm-Beschwerden sowie Kriegsverletzungen. Letztere stellten die Helfer vor besondere Probleme, weil es teilweise an Impfstoff mangelte oder dieser den Frauen vorbehalten war. Patienten, die operiert werden mussten, wurden an die umliegenden Spitäler verwiesen, etwa an jenes im 50 Kilometer entfernten Erbil. Weil diese oft überfüllt waren, wurden die Betroffenen regelmässig heimgeschickt. Während der dreier Monate war Jaggi noch mit anderen Herausforderungen konfrontiert. Bereits im Vorfeld des Unabhängigkeitsreferendums der Autonomen Region Kurdistan nahmen die Spannungen zu. Mehrmals kam es vor, dass Jaggi auf dem Weg in sein Wohnquartier in Erbil stundenlang bei Sicherheitskontrollen aufgehalten wurde. Im Spital wiederum waren zu Beginn kaum Medikamente verfügbar, weil eine US-Organisation diese nicht rechtzeitig geliefert hatte. Erschwerend kamen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius hinzu. Zudem war das einheimische medizinische Personal teilweise mangelhaft ausgebildet. Die Krankenschwestern sprachen abgesehen davon kaum Englisch, sodass ein Dolmetscher beigezogen werden musste. Auch vier Ärzte gehörten zum Team.

Jaggi erwähnt in diesem Zusammenhang die Mentalitätsunterschiede, welche den Alltag ebenfalls beeinflussten. In Ländern wie dem Irak würden die Familien Halt geben. Wenn immer möglich kamen die Patienten nur für eine ambulante Behandlung vorbei. «Sie gehen lieber halb tot nach Hause, als im Spital zu bleiben», sagt Peter Jaggi.

Tätigkeiten in Afghanistan, Nepal und Malawi

In Gefahr war der pensionierte Internist, der früher ein Missionsspital in Nepal sowie Spitäler in der Schweiz und Malawi leitete, im Nordirak nie. Dass er als Arzt in Anbetracht des grossen Leids nicht allen helfen kann, musste Peter Jaggi wohl oder übel akzeptieren.

Mehr Mühe hatte er damit in Afghanistan. Dort war er jahrelang Direktor der Adra-Regionalgesellschaft. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe beteiligte sich in Afghanistan am Aufbau eines Gesundheitssystems mit sieben Kliniken und zwei Spitälern für rund 250000 Menschen. Die Solidarität der Einheimischen hätte ihn tief berührt, sagt Jaggi. «Obschon viele nichts haben, wurden die Hilfsgüter jeweils geteilt.»

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