Kreuz und Halbmond

Strahlend stand er letzte Woche am Nachthimmel, während in den Medien über den Halbmond auf der «Freiheit» zu lesen und zu hören war. Die provokative Aktion sollte Gespräche auslösen und eine kreative Auseinandersetzung. Halbmond gegen Gipfelkreuze?

Esther Ferrari
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Strahlend stand er letzte Woche am Nachthimmel, während in den Medien über den Halbmond auf der «Freiheit» zu lesen und zu hören war. Die provokative Aktion sollte Gespräche auslösen und eine kreative Auseinandersetzung. Halbmond gegen Gipfelkreuze?

Atheismus gegen Religion. Oder nur gegen die christliche Religion? Gegen das Kreuz? Gegen alles, was mit Kreuz zu tun hat: Schweizerkreuz, Rotes Kreuz, Strassenkreuzungen, am Kreuzweg stehen. Ist der Kreuzstich, den die Mädchen früher in der Handarbeit exakt zu sticken gelernt hatten, auch gemeint? Und die Kreuzungen zwischen Pflanzen und Tieren? Und das Kreuz im Rücken und die Kreuzschmerzen? Wenn Kreuze nicht mehr zeitgemäss sind, soll man in Zukunft einen Smiley hinzeichnen oder einen Halbmond, wenn auf einem Formular steht «Bitte ankreuzen». Ein Kreuz und ein Halbmond sind neutral. Das Kreuz gibt es seit Urzeiten. Darstellungen von Mondsicheln lassen sich ab dem 3. Jahrtausend vor Christus belegen. Wir Menschen sind es, die etwas zum Symbol machen und mit eigenen Gefühlen besetzen. Wenn wir uns ein Symbol zum Feind machen, so ist das unser Problem. Ein Kreuz auf einem Gipfel gefällt mir. Die Schweizerfahne vermittelt mir Heimat. Mit dem «Halbmond» habe ich mich wenig auseinandergesetzt, aber ich achte die Menschen, die ihn lieben und nicht als Symbol der Gewalt benutzen. Das Kreuz wurde leider auch schon als Mittel der Macht benutzt…! Ich mache mir meine Gedanken. Dabei kommt mir das Lied «Der Mond ist aufgegangen» von Matthias Claudius in den Sinn. Da heisst es in der dritten Strophe: «Seht ihr den Mond dort stehen Er ist nur halb zu sehen Und ist doch rund und schön So sind wohl manche Sachen Die wir getrost belachen Weil unsere Augen sie nicht sehn.»