KREISGERICHT: Süchtiger Händler muss ins Kittchen

Ein heroinsüchtiger Drogenhändler wurde vom Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig zu einer Gefängnisstrafe und einer Busse verurteilt. Er hat unter anderem in Wattwil Drogen verkauft.

Martin Knoepfel
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Ein Dorfbewohner sitzt auf einem abgeernteten Schlafmohn-Feld in der Wa-Region im Nordosten von Myanmar (Burma). Der getrocknete Milchsaft aus den Samenkapseln des Schlafmohns kann in mehreren Schritten zu Heroin verarbeitet werden. (Bild: EPA/Barbara Walton)

Ein Dorfbewohner sitzt auf einem abgeernteten Schlafmohn-Feld in der Wa-Region im Nordosten von Myanmar (Burma). Der getrocknete Milchsaft aus den Samenkapseln des Schlafmohns kann in mehreren Schritten zu Heroin verarbeitet werden. (Bild: EPA/Barbara Walton)

Wegen mehrfacher qualifizierter – also schwerer – Zuwiderhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes muss sich ein Toggenburger am Donnerstag vor dem Kreisgericht in Lichtensteig verantworten. Ein Kantonspolizist bringt den Angeklagten von der Strafanstalt Gmünden nach Lichtensteig und nimmt ihm im Gerichtssaal die Handschellen ab.

«Da kann mir keiner helfen»

Der Toggenburger befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Aus Saxerriet ist er getürmt. Das Methadon hat er abgesetzt. Von einer Entzugstherapie will er nichts wissen, da das nichts nütze. Entweder man schaffe es alleine oder gar nicht, sagt der Toggenburger in der Befragung. «Im Hirn muss es ‹Klick› machen. Da kann mir niemand helfen». Dass dieser Klick beim Angeklagten wirklich erfolgt ist, bezweifelt der Staatsanwalt allerdings.

Der Angeklagte ist 45 Jahre alt und ledig. Er hat einen Beruf aus der Baubranche erlernt. Er hat laut eigener Aussage gegenwärtig mehr als 40 000 Franken Schulden und weiss nicht, wie er die Verfahrenskosten bezahlen soll. Er habe mit 16 Jahren angefangen, Hasch zu rauchen und konsumiere Heroin, seit er 19-jährig sei. Das sagt der Angeklagte in der Befragung. Er betont, dass er immer gearbeitet und auf dem Bau 5000 Franken im Monat verdient habe. Eine Stelle als Maurer habe er wegen der ersten Verhaftung verloren und danach nur noch unregelmässig gearbeitet. Trotz der langen Drogenkarriere sieht der Toggenburger nicht aus wie ein Junkie.

Verhandlung dauert rund 45 Minuten

Die Verhandlung findet im abgekürzten Verfahren (siehe Zusatzartikel) statt und dauert rund drei Viertelstunden. Der Toggenburger ist, wie die Anklageschrift festhält, ein Drogenhändler auf der untersten Stufe. Er hat schon verschiedene Vorstrafen auf dem Konto. Um seinen Konsum zu finanzieren, kauft der Angeklagte innert zweier Jahre, allerdings nicht auf ein Mal, rund 1,2 Kilogramm Heroin. Die Hälfte davon verkauft er an andere Konsumenten, die er unter anderem in Wattwil und in der Stadt St. Gallen findet. Der Staatsanwalt geht von einem Reinheitsgrad des Heroins von 20 Prozent aus.

Viermal zwischen dem Februar 2016 und dem Mai 2017 kontrolliert die Kantonspolizei den Angeklagten, welcher jedes Mal Drogen auf sich trägt, an den Bahnhöfen Wattwil und Ziegelbrücke sowie in der Nähe der Kanti Wattwil. Heroinhandel sei kein Kavaliersdelikt, sagt der Staatsanwalt. Die Droge könne Menschen töten. Erschwerend fällt laut dem Staatsanwalt ins Gewicht, dass der Toggenburger trotz der laufenden Strafuntersuchung weiter delinquiert habe. Deshalb auch die mehrmalige Untersuchungshaft.

«Da habe ich schon ganz anderes erlebt»

Der Verteidiger sieht positive Veränderungen bei seinem Mandanten. Erfreulich sei auch, dass dieser das Methadon abgesetzt habe, sagt der Anwalt. Methadon sei eine Ersatzdroge. Schliesslich weist er darauf hin, dass sein Mandant trotz der langen Drogenkarriere noch lebe. «Da habe ich in meiner Zeit als Untersuchungsrichter schon anderes gesehen.»

Das Gericht bestätigt den Urteilsvorschlag des Staatsanwalts in Höhe von 18 Monaten Freiheitsstrafe. Die Strafe wird unbedingt ausgesprochen. Da die Untersuchungshaft von 133 Tagen und der vorzeitig verbüsste Teil der Haft abgezogen werden, dürfte der Angeklagte im Februar wieder in die Freiheit entlassen werden. Zur Gefängnisstrafe kommen 600 Franken Busse beziehungsweise sechs Tage hinter Gittern, wenn der Angeklagte die Busse nicht bezahlt. Die Schuldfrage sei klar, sagt der vorsitzende Richter in der Kurzbegründung des Urteils. Die Strafe liege an der unteren Grenze, und sie sei nur wegen der Geständnisbereitschaft des Angeklagten bei 18 Monaten belassen worden. Der Angeklagte hat den Handel mit Heroin zugegeben, obwohl die Behörden ihm sonst wahrscheinlich nur den Besitz und Konsum von Betäubungsmitteln hätten nachweisen können. Dabei handelt es sich um Übertretungen.

Strafe dürfte künftig höher ausfallen

Dem Angeklagten gibt der Richter zu bedenken, dass sich die Kosten dieses Verfahrens zu den Schulden auftürmen. «Ich hoffe, Sie schaffen es, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich rate Ihnen, Sie nutzen den Restvollzug, um sich ernsthaftere Gedanken über die Zukunft als bisher zu machen». Bei weiteren Verurteilungen werde der Tarif bei den Verurteilungen nicht günstiger, erklärt der Richter dem Angeklagten. Da der Angeklagte schuldig gesprochen wird, muss er die Verfahrenskosten von rund 4000 Franken bezahlen. Wenn er wieder Geld hat, muss er dem Kanton auch noch die Kosten für den amtlichen Verteidiger in Höhe von gut 3500 Franken zurückerstatten.