Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KREISGERICHT: Den Stoff gab’s in der Unterführung

Ein Heroinkonsument hat am Bahnhof Wattwil mehrmals für einen Kollegen Rauschgift gekauft. Deshalb und wegen anderer Delikte wird er vom Kreisgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.
Martin Knoepfel
Ein Drogenhändler bietet Stoff an. Das Bild stammt aus Russland. (Bild: Ded Mityay/Getty Images)

Ein Drogenhändler bietet Stoff an. Das Bild stammt aus Russland. (Bild: Ded Mityay/Getty Images)

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

Es geht unter anderem um Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetMG), Diebstahl, Hausfriedensbruch und mehrfacher Übertretung des BetMG. Dazu kommen Strassenverkehrsdelikte. Am Mittwoch befasst sich das Kreisgericht Toggenburg mit einem 46-jährigen Schweizer.

Dieser konsumiert – unterbrochen von Zeiten ohne Rauschgift – seit gut 20 Jahren Heroin und ist in einem Methadonprogramm. Er arbeitet in der Logistikbranche. Den Heroinkonsum finanziere er vom Lohn, sagt er.

Kauf von total rund 250 Gramm Heroingemisch

Das allerdings nicht vollständig. Vom 20. April bis zum 26. Mai 2017 fährt der Angeklagte mit einem Frauenfelder dreimal nach Wattwil. In der Bahnhofunterführung kauft er total 150 Gramm Heroingemisch für den Kollegen. Das entspricht laut Staatsanwalt etwas mehr als 30 Gramm reinen Heroins. Auch für sich kauft der Angeklagte ein, total rund 100 Gramm Heroingemisch. Er behält einen Teil des Geldes, das ihm der Kollege übergeben hat, für sich, oder er bekommt vom Dealer Heroin als Provision.

Zudem konsumiert der Angeklagte im Frühling 2017 täglich drei bis vier Gramm Heroin. Das erfüllt laut Anklage die Tatbestände des Verbrechens gegen das BetMG und der mehrfachen Übertretung des BetMG. Am 26. Mai 2017 verhaftet die Polizei den Mann. Es folgen sechs Tage Untersuchungshaft. Seither habe er kein Heroin mehr konsumiert und freiwillig einen Entzug absolviert, versichert der Angeklagte.

Den Kauf und den Konsum von Heroin sowie das Töfffahren unter Drogeneinfluss gibt er zu. Entschieden wehrt er sich gegen den Vorwurf des Diebstahls. Der Hintergrund: In einem Haus nahe bei der Wohnung des Angeklagten wird bei einem Einbruch ein E-Bike entwendet. Es taucht im Keller des Angeklagten auf. Dieser sagt, das E-Bike habe ohne Akku bei einer Sammelstelle gestanden. Er habe es mitgenommen und es der Polizei melden wollen, das aber vergessen. Der Vorwurf des Diebstahls schmerze ihn, sagt der Angeklagte.

Der Staatsanwalt beantragt eine bedingte Gefängnisstrafe von 14 Monaten und eine bedingte Geldstrafe von 115 mal 30 Franken für den Angeklagten. Dazu soll eine Busse kommen. Die Probezeit bei den bedingten Strafen soll fünf Jahre dauern, das gesetzliche Maximum. Zudem solle eine bedingte Geldstrafe, die das Untersuchungsamt Gossau im Jahr 2013 verhängt hat, vollzogen werden.

Beim Drogenkauf hat neben dem Freundschaftsdienst für den Thurgauer Kollegen auch die Provision eine Rolle gespielt. Davon ist der Staatsanwalt überzeugt. Für ihn ist die Erklärung, wie das E-Bike in den Keller des Angeklagten gekommen ist, eine reine Schutzbehauptung. Trotzdem stellt der Staatsanwalt dem Angeklagten eine günstige Prognose, da dieser motiviert sei und sich freiwillig in Behandlung begeben habe. Die günstige Pro-gnose ist die Voraussetzung für die bedingte Strafe.

Geldstrafe und Busse beantragt

Der Verteidiger beantragt für seinen Mandanten Freisprüche in Sachen Verbrechen gegen das BetMG, Diebstahl, Hausfriedensbruch und Fahren ohne Fahrberechtigung. Die übrigen Vorwürfe anerkennt er und hält eine bedingte Geldstrafe von 50 mal 30 Franken und 100 Franken Busse für angemessen. Die Probezeit soll drei Jahre dauern.

Der Gesetzgeber wolle die grossen Händler hart bestrafen. Sein Mandant sei ein kleiner Fisch auf der untersten Stufe der Hierarchie, sagt der Anwalt. Er bestreitet, dass der Angeklagte die Gesundheit vieler Menschen gefährdet hat. Das Argument: Das Heroin war für eine stark abhängige Person bestimmt. Bei der Beurteilung der Gefährlichkeit komme es nicht auf die Menge an Drogen an, sondern auf die Tathandlung. Darum könne man hier nicht von einem Verbrechen sprechen, findet der Verteidiger.

«Grenzwert deutlich überschritten»

Dieser These folgt das Gericht aber nicht. Es spricht den Angeklagten zwar in drei Punkten frei (siehe Zusatzartikel), verurteilt ihn aber wegen qualifizierter Verletzung und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes – hier ist der Heroinkonsum erfasst – sowie wegen mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand. Das Gericht verhängt eine bedingte Gefängnisstrafe von 14 Monaten, eine bedingte Geldstrafe von 20 mal 30 Franken und eine Busse von 500 Franken. Bei der Probezeit bleibt es mit vier Jahren in der Mitte zwischen den Anträgen des Staatsanwalts und des Verteidigers. Der Vorsitzende Richter ist wie der Staatsanwalt und der Verteidiger überzeugt, dass der Angeklagte kein Schwerkrimineller ist. Der Angeklagte habe aber keine so enge Beziehung zum Thurgauer gehabt, dass er hätte ausschliessen können, dass das Heroin doch auf den Markt gelangt. Deshalb spiele die Menge an Drogen eine Rolle, sagt der Richter. Das Bundesgericht lege die Grenze für eine qualifizierte Widerhandlung bei zwölf Gramm Heroin fest. Dies habe der Angeklagte mit 31 Gramm in nur drei Wochen deutlich überschritten. Für das Gericht ist deshalb die qualifizierte Widerhandlung gegen des BetMG gegeben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.