Kosten für Sozialhilfe schwanken

Die Ausgaben für die wirtschaftliche Sozialhilfe aller Ausserrhoder Gemeinden lagen 2014 um 2,43 Millionen höher als noch 2007. In vielen Gemeinden variieren die Zahlen von Jahr zu Jahr. Zu Buche schlagen auch Fremdplazierungen.

Mea Mc Ghee
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AUSSERRHODEN. Die Kosten für die wirtschaftliche Sozialhilfe steigen in Herisau unerwartet stark an. Im laufenden Jahr wurde mit 4 Millionen Franken budgetiert, die effektiven Kosten belaufen sich gemäss einer Mitteilung der Gemeinde auf 4,6 Millionen Franken (siehe Ausgabe von gestern).

Von 6,91 auf 9,34 Millionen

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung der wirtschaftlichen Sozialhilfekosten zeigt: Von 2007 bis 2014 stiegen die Ausgaben aller Ausserrhoder Gemeinden insgesamt von 6,91 auf 9,34 Millionen Franken pro Jahr. Die Sozialhilfekosten umfassen unter anderem Beiträge für arbeitsmarktliche Massnahmen, die Unterstützung finanzschwacher Einwohner sowie Fremdplazierungen und sozialpädagogische Familienbegleitungen. Nur in den Gemeinden Teufen, Gais, Rehetobel, Heiden, Wald und Reute sind die Ausgaben für die wirtschaftliche Sozialhilfe letztes Jahr gegenüber 2007 gesunken.

Die Kosten im Sozialbereich seien nur bedingt planbar, so Rehetobels Gemeindepräsident Ueli Graf. Einzelschicksale würden sich auf die Ausgaben kleinerer Gemeinden aber stark auswirken. Mit 70 400 Franken schlug die wirtschaftliche Sozialhilfe in Rehetobel im vergangenen Jahr zu Buche. In absoluten Zahlen ist dies der zweittiefste Wert aller Ausserrhoder Gemeinden. Weniger Ausgaben hatte einzig Reute mit 39 100 Franken. «Über den kantonalen Soziallastenausgleich können wir uns in diesem Bereich gegenüber anderen Gemeinden solidarisch zeigen», sagt Graf. Sorgenfrei ist er allerdings nicht: Im August habe die Sozialhilfe um fünf Stellenprozente aufgestockt werden müssen, die entsprechenden Mehrkosten wirkten sich auf den Voranschlag 2016 aus.

Verglichen mit 2007 sind die Sozialhilfekosten auch in Heiden gesunken, obwohl Heiden im Vorderland eine Zentrumsfunktion inne hat, ähnlich wie Herisau im Hinterland. Der teurere Wohnraum sei vielleicht ein Grund, dass Heiden verglichen mit Herisau weniger finanzschwache Einwohner anziehe, interpretiert Heidens Gemeindepräsident Gallus Pfister. Bei Kindern, die fremdplaziert werden, überwog in Heiden 2014 die Zahl der freiwilligen Fremdplazierungen gegenüber den durch die Kesb-Behörde angeordneten. So konnten die Kosten tiefer gehalten werden. Planbar seien solche Massnahmen nicht, im Gegenteil, es gebe grosse Schwankungen. So rechnete man in Heiden für das laufende Jahr mit 50 000 Franken für freiwillige Fremdplazierungen, in der Rechnung dürfte der Betrag aber rund dreimal höher ausfallen. Die Folge: Im Voranschlag 2016 plant Heiden mit 160 000 Franken bei den freiwilligen Fremdplazierungen.

Hohe Ausgaben in Schwellbrunn

Auf der anderen Seite der Skala lag im vergangenen Jahr Schwellbrunn, das hinter der einwohnerstärksten Gemeinde Herisau die zweithöchsten Sozialhilfeausgaben verzeichnete. 606 700 Franken betrug dieser Budgetposten, 2007 waren es noch 283 900 Franken. Schwellbrunns Gemeindepräsident Hansueli Reutegger führt die hohen Ausgaben insbesondere auf die Zahl der durch die Kesb verordneten Massnahmen zurück. Müsse ein Kind fremdplaziert werden, habe dies schnell Kosten von bis zu 100 000 Franken pro Jahr zur Folge. Reutegger bedauert, dass die Gemeinden keinen Einfluss auf die Entscheide der Kesb haben: «Die unabhängigen Instanzen beschliessen Massnahmen, die Gemeinden müssen zahlen.» Früher hätte man vermehrt pragmatische Lösungen ins Auge fassen können, in Fällen wo heute professionelle Einrichtungen zum Zuge kämen, so Reutegger.

Teufen zahlt am meisten

Herisau, Schönengrund, Urnäsch, Schwellbrunn, Grub und Walzenhausen erhalten über den Soziallastenausgleich einen Anteil an ihre wirtschaftlichen Sozialhilfekosten. Im laufenden Jahr leistet Teufen mit 189 800 Franken den grössten Beitrag der Gebergemeinden.