Korben hat nicht auf Anhieb geklappt

Otto Bleiker kann an diesen Tagen nicht ungestört arbeiten. Viele Kundinnen und Kunden suchen noch den passenden Korb für ihre Oster-Überraschung. Zudem feiert der Wattwiler heute Ostersamstag seinen 84. Geburtstag.

Ruth Bossert
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Gartenkorb mit Spazierstock: Einfach in die Erde stecken, die Pflanzen aus dem Korb nehmen und im Garten einpflanzen. Otto Bleiker verkauft viele dieser Gartenkörbe ins Züribiet. (Bild: Ruth Bossert)

Gartenkorb mit Spazierstock: Einfach in die Erde stecken, die Pflanzen aus dem Korb nehmen und im Garten einpflanzen. Otto Bleiker verkauft viele dieser Gartenkörbe ins Züribiet. (Bild: Ruth Bossert)

WATTWIL. Fast hätte er den Bettel, das heisst die Weiden hingeschmissen und hätte das Korben für immer sein lassen, erzählt der rüstige Otto Bleiker, während seine Hände geschickt die feinen, geschälten Weidenruten mit den etwas gröberen Weiden verflechten. Der erste Kurs, den er vor fast 20 Jahren im Bündnerland besuchte, misslang gehörig. Den grossen, stattlichen Korb, den er damals enthusiastisch in Angriff nahm, musste er halbfertig in die Ecke stellen. «Es war alles andere als eine Meisterleistung», erzählt er heute. Fast hätte er sein neues Hobby beendet, bevor es überhaupt begann. Aufgemuntert durch seine Familie habe er dann ein Jahr später nochmals einen Anlauf genommen, mit einem wesentlich kleineren Körbchen. «Ich freute mich wahnsinnig an meinem ersten gelungenen Werk und damit war auch der Grundstein zu meinem zukünftigen Hobby und meiner Beschäftigung im Pensionsalter gelegt.»

Alles blitzblank und aufgeräumt

Viel Zeit für Hobbies hatte Otto Bleiker während seiner 40jährigen Zeit als Unternehmer mit eigenem Zimmereibetrieb und Schreinerei nicht. Unzählige Scheunen hat er zusammen mit seinen vier Angestellten während all den Jahren im Toggenburg gebaut und auch sein eigenes Wohnhaus, in dem er auch heute zusammen mit seiner Frau noch wohnt, hat er anfangs der Fünfzigerjahre gebaut. «Zum Glück habe ich damals im Untergeschoss diesen hellen, grossen Raum bereits realisiert», sagt er heute und erklärt, dass sich dieser praktische Raum mit Holzboden im Bereich wo er heute seine Körbe anfertigt und dem Steinboden im vorderen Bereich, der früher als Garage diente, hervorragend für das Korben eignet. Im vorderen Bereich stehen grosse, praktische Wassertröge, in denen die Weiden während fünf Stunden gewässert werden. Zudem lasse sich der Raum heizen und deshalb habe er fast paradiesische Verhältnisse für sein Handwerk. Alles ist blitzblank aufgeräumt, jedes Werkzeug hat seinen Platz. «Ich brauche diese Ordnung», denn auch schon in seiner Zimmerei, die seit seiner Pensionierung sein Sohn führt, mochte er keine Zeit vergeuden, um Werkzeug zu suchen.

Hält nichts von billigem Chram

Nach dem Wässern lagern die Weidenruten dann nochmals eine Nacht lang unter nassen Tüchern, bevor sie verarbeitet werden. Wenn Otto Bleiker erklärt, wie wichtig es sei, das Bodenkreuz genug gross und stark zu machen, dann leuchten seine Augen. Denn seine Körbe sollen möglichst stabil sein, damit sie ihren Dienst lange verrichten können, ist seine Meinung.

Deshalb hat er nicht viel übrig, für den «billigen Chram» aus dem Ausland. Er habe auch schon Anfragen abgelehnt, billig verarbeitete Körbe aus schlechtem Material zu reparieren, «denn manchmal lohnt es sich einfach nicht mehr.» Denn da müsse er auch bei einem geringen Stundenlohn bald mal mehr verlangen als ein neuer Korb kostet. Auch wenn der Pensionär fast täglich seiner Leidenschaft frönt und sich seine verschiedenen Gebrauchsgegenstände vom kleinen «Beeri- und Chriesichratten» bis hin zum stattlichen Wäschekorb, dem Stubenwagen für den Nachwuchs bis hin zum praktischen Gartenkorb mit dem integrierten Spazierstock reichen, das grosse Geld verdient er damit nicht. «Ich bin einfach froh, wenn ich eine spannende Beschäftigung habe», schmunzelt er und fädelt die Weiden geschickt ineinander. Deshalb will er auch nicht aufhören mit seiner Arbeit. «Solange ich gesund bin, mache ich weiter», sagt er und ist froh, dass er keine Probleme habe mit seinen Händen. Im Winter seien die Hände oft rissig von den nassen, kalten Weidenruten, doch wenn es wärmer werde, gehe es dann wieder viel besser. Auch spüle er die Weiden manchmal mit warmen Wasser ab, damit sie nicht so kalt seien zum Verarbeiten, doch dann seien sie auch schneller trocken und er müsse sich dann mit dem Flechten beeilen.

Fünfzig eigene Weiden

Auch wenn er von seinen eigenen 50 Weidensträuchern jeweils im Spätherbst, bevor es schneit, unzählige Ruten schneidet, kauft er die feineren Weidenruten im Grosshandel. So sei es ihm möglich, mit den unterschiedlichen Stärken der Ruten auch unterschiedliche Gefässe, Zainen und Korbwaren herzustellen. Auch schon habe er auf Bestellung Körbe hergestellt, doch lieber verkaufe er ab Lager, das gleichzeitig auch sein Verkaufsstand ist und eine grosse Auswahl an Gebrauchsgegenständen bereithält. «Meine Werkstatt im Wohnhaus im Tüetlisberg ist ideal, die Strasse nach Hemberg führt gleich nebenan vorbei und so sehen viele Leute die Körbe, halten an und kaufen ein. Was will ich noch mehr?»

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