Konzertchor – ein Chor mit Profil

Sie sind als Konzertchor erst wenige Jahre aktiv. Durch glanzvolle Aufführungen mit markantem Profil haben sich die rund 40 Sängerinnen und Sänger ein Publikum erobert und sind aus dem Toggenburger Musikleben nicht mehr wegzudenken.

Peter Küpfer
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Aufeinander hören, die Melodienbögen aussingen: An der letzten Probe vor der Aufführung wird nur noch an Feinheiten gearbeitet, aber intensiv. (Bild: Peter Küpfer)

Aufeinander hören, die Melodienbögen aussingen: An der letzten Probe vor der Aufführung wird nur noch an Feinheiten gearbeitet, aber intensiv. (Bild: Peter Küpfer)

LICHTENSTEIG. An jenem Mittwochabend Mitte Juni dieses Jahres haben sich viele der an die vierzig Sängerinnen und Sänger schon einige Zeit vor Probenbeginn im Singsaal der evangelischen Kirche Lichtenstein eingefunden. An den Tischen werden emsig Programme gefaltet und die letzten Plakate abgezählt: Es sind nur noch wenige Tage bis zur Aufführung des jüngsten Konzertes mit dem Titel «Mozarts Salzburger Jahre» in der evangelischen Kirche Wattwil und in der Klosterkirche auf der Insel Rheinau. Die Aufführungen stiessen – wie die Konzerte in den Jahren davor – auf Begeisterung.

Erlebnis Singen

Etwas von dieser Begeisterung ist schon an diesem letzten Probeabend vor der diesjährigen Aufführung zu spüren. Das bestätigen auch die Mitglieder, von denen einige freimütig am Tisch darüber sprechen, was sie bei der Mitarbeit in diesem Chor bewegt und zu vielen Stunden freiwilligen Engagements motiviert: «Ich habe früher in einem kleineren Chor gesungen. Das hat mir auch gefallen, aber hier beim Konzertchor ist das Erlebnis doch noch intensiver: mit vielen mitzusingen und grosse Werke mitgestalten zu können, mit namhaften Orchestern und Solisten.» Eine andere Sängerin fügt die zielgerichtete Arbeit und das Denken nach vorne hinzu. Dies bestätigt neben anderen auch Präsidentin Jolanda Koller: «Unser künstlerischer Leiter erwartet, dass wir während der Woche an unseren Stimmen und unserem Part arbeiten.» Das wird geschätzt, von vielen sogar gesucht: Dass sie als einzelne und Chor nicht auf einem einmal erreichten Stand stehen- bleiben, sondern sich kontinuierlich weiterentwickeln.

Musikalische Entwicklung

Dirigent Marcus Tremmel sieht diese Entwicklung als Ganzes: «Seit unseren ermutigenden Anfängen mit Haydns Oratorium <Die Schöpfung> haben wir ein schönes Stück Weg zurückgelegt. Heute können wir uns nach Brahms <Deutschem Requiem> und anderen Aufführungen an Mozart wagen, dessen <Vesperae> zur anspruchsvolleren Chormusik zählt.» Tremmel hat nach der Auflösung des Männerchors Ebnat-Kappel die weiter Motivierten zum Kern eines Projektchors gemacht, aus dem mit «Die Schöpfung» nicht nur eine legendäre Aufführung, sondern auch ein Chor mit einer anspruchsvollen Programmatik erwachsen ist: der Konzertchor Toggenburg. Seit mehreren Jahren führt er jährlich grössere Chorwerke auf, die auch regionale Ausstrahlung haben. «Wir sind ein Chor, der anspruchsvolle Musik pflegt», hält Tremmel fest.

Anspruchsvolle Aufführungen

Dies ist zweifellos der Fall, was ein Blick auf frühere Aufführungen zeigt. Nach dem «Gründungskonzert» vor sechs Jahren folgte 2013 Haydns «Die vier Jahreszeiten», mit ebensolchem Erfolg. Dann wagte sich der Chor an Brahms erschütternde Totenmesse «Ein deutsches Requiem». Als Kontrapunkt zu dieser Thematik ging es ein Jahr später leichter und beschwingter zu, mit den Liebes- und Zigeunerliedern des gleichen Komponisten. Und in diesem Sommer dann ein weiteres Glanzlicht mit Werken von Mozart aus seiner zweiten Salzburger Zeit, darunter die «jubelnde Krönungsmesse». Der Chor ist offen für neue Sängerinnen und Sänger, wobei wie bei jedem Chor heute vor allem auch Männerstimmen höchst willkommen sind.

Nach den Sommerferien geht's weiter, wieder mit Klassik. Diesmal steht ein Werk auf dem Programm, das heute in Vergessenheit geraten ist, seinerzeit aber höchst berühmt war: Gossecs «Grande Messe des Morts». Sie diente Mozart als Vorbild für sein Requiem.