Konzert? Premiere? Royale Hochzeit?

Vor dem geschlossenen Eingang hat sich eine grosse Menschenmenge versammelt. Ob wohl einige die Nacht hier verbracht haben? denke ich und geselle mich zu den Wartenden. Um neun Uhr – in knapp zehn Minuten – werden die Türen geöffnet.

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Vor dem geschlossenen Eingang hat sich eine grosse Menschenmenge versammelt. Ob wohl einige die Nacht hier verbracht haben? denke ich und geselle mich zu den Wartenden. Um neun Uhr – in knapp zehn Minuten – werden die Türen geöffnet. Unruhe macht sich breit: Bei einigen ist Vorfreude auszumachen, andere wiederum beäugen ängstlich die Schar. Sie sind wohl besorgt, den entscheidenden Moment zu verpassen, nicht rechtzeitig ins Gebäude zu gelangen, im schlimmsten Fall gar leer auszugehen.

Die Szene beschreibt nicht etwa die Situation vor einem Kino in London, wo Potter-Maniacs in Schlafsäcken auf die mitternächtliche Premiere von Harry Potters letztem Abenteuer warten. Ort des Geschehens ist auch nicht ein hipper Laden in der Zürcher Bahnhofstrasse, der am Tage x die ersten 100 Exemplare des (nicht ganz so innovativen) Modells des I-Phones 4s herausgibt. Auch sind keine frisch getrauten Royals in Designeroben zu bewundern, und es werden keine Wasserflaschen zwecks Verhinderung von Ohnmachtsanfällen an die Masse verteilt. Nein, es ist auch kein «Justin Bieber, ich-will-ein-Kind-von-dir-Gekreische» zu hören – Kinder gibt es vor Ort nämlich schon ziemlich viele. Denn die Menschenmenge besteht genau betrachtet aus vielen Müttern, die auf den Einlass zur jährlichen Winterkleiderbörse und damit auf das Startsignal zur grossen Schnäppchenjagd warten.

Mea Mc Ghee