Konzert
Musikalische Wiederauferstehung: Das Appenzeller Kammerorchester hat sich in der Kirche Trogen mit einem Werkstatt-Konzert zurückgemeldet

Auch das Appenzeller Kammerorchester hat die coronabedingten Massnahmen schmerzlich zu spüren bekommen. Proben im ganzen Verband war über Monate hinweg nicht möglich. Das ist nun vorbei: Kürzlich stand das Ensemble in Trogen wieder auf der Bühne. Wenn auch mit Maske.

Martin Hüsler
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Das Appenzeller Kammerorchester konnte endlich wieder gemeinsam musizieren, wenn auch mit Maske.

Das Appenzeller Kammerorchester konnte endlich wieder gemeinsam musizieren, wenn auch mit Maske.

Bild: Martin Hüsler

Nach monatelanger, zwangsläufig zu beachtender «Funkstille» trat das Appenzeller Kammerorchester kürzlich wieder einmal vor zahlenmässig beschränktem Publikum auf. Werke für das gesamte Ensemble und solche aus Registerproben waren einander gegenübergestellt.

Eine witzige, von Werner Meier, dem Stimmführer der 2. Violinen, kreierte Illustration schmückte den Konzertzettel: Musizierende Bären, die ihre Höhle nach ausgiebigem Schlaf verlassen und sich an die Notenpulte setzen. Hierzu passte der Titel eines Kanons von Melchior Vulpius, der als Motto über dem Konzertabend in der evangelischen Kirche Trogen hätte stehen können: «Fangt fröhlich alle an» – wobei zwischen «alle» und «an» noch ein «wieder» einzufügen wäre. Und es passte wunderbar, dass eine frühsommerliche Abendsonne den Kirchenraum durchflutete.

Nur Registerproben möglich

Wie sämtliche Vokal- und Instrumentalensembles hat auch das von Jürg Surber geleitete Appenzeller Kammerorchester die coronabedingten Massnahmen schmerzlich zu spüren bekommen. Proben im ganzen Verband war über Monate hinweg nicht möglich, so dass die Musikerinnen und Musiker lediglich in ihren jeweiligen Registern zusammenspielen konnten – und auch das nur unter Einhaltung der verordneten Einschränkungen.

Umso mehr freuten sich Anita Dörler, die Präsidentin des Orchesters, und Dirigent Jürg Surber über die dem Orchester nunmehr wieder gegebene Möglichkeit, mit einem recht kurzfristig eingefädelten Werkstatt-Konzert von sich hören zu lassen. Dass es zustande kommen konnte, war auch das Verdienst der Stimmführerinnen und -führer mit ihren Efforts in den Registerproben.

Perlen und Raritäten

Aus der Hörperspektive des Publikums bot die gewählte Konzertform mit den Ausschnitten aus Registerproben interessante Einsichten in die Feinarbeit eines Orchesters. Wann kommen denn schon die Kontrabässe gewissermassen zu solistischen Ehren, wie in den für ein Basstrio arrangierten Madrigalen von Claudio Monteverdi? Das Bratschenregister gefiel mit einem Zäuerli von Erwin Sager und mit einer Sequenz aus der Sentimental Sarabande von Benjamin Britten.

Beim Zusammenspiel von Celli und Kontrabässen stand ein Saltarello des unbekannten Pierre Phalèse neben dem berühmten Walzer Nr. 2 aus Schostakowitschs Jazz-Suite. Beseeltes, von den 1. Violinen unter Konzertmeisterin Christine Baumann dargebotenes Musizieren konnte man in Telemanns Concerto in G-Dur geniessen.

Eingebettet waren die Vorträge der Register in Einsätze des gesamten Ensembles. Den Auftakt machte die Suite Nr. 3 aus Ottorino Respighis immer wieder gern gehörten «Antiche Danze ed Arie». Dass der grosse Sinfoniker Antonin Dvořák sich auch im Dreivierteltakt vorzüglich auszudrücken vermag, stellte das Orchester mit zweien seiner Walzer unter Beweis. Ketzerischer Gedanke beim Zuhören: Weshalb lockert das Sinfonieorchester St. Gallen bei seinem Neujahrskonzert die geballte Ladung Strauss nicht einmal mit einem Dvořák-Walzer auf ?

Vokale Bereicherung

Für eine wunderbare und bereichernde Ergänzung des Programms war die Sopranistin Maria Walpen besorgt. Sie interpretierte mit «Flow my tears» und «Time stands still» zwei Kompositionen des namentlich als Schöpfer zahlreicher Lieder bekannten Engländers John Dowland. Weggetragen in östliche Musikwelten fühlte man sich im wehmütigen «Lo bee chaijl» und im munter fliessenden «Üsküdara». Mit Jean-Philipp Rameaus Hymne «la Nuit» und der «Andacht» von Alfred Pester wurde das Publikum in die hereinbrechende Nacht entlassen.

Inständig hofft man nun beim Appenzeller Kammerorchester, das Virus mache den längst programmierten Konzerten – unter anderem mit Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur – im November nicht abermals einen Strich durch die Rechnung. Vorgesehen sind sie am 19. November in der Kirche Wolfhalden, am 20. November in der Kirche Bühler und am 21. November in der Tonhalle St. Gallen.