Konzert der Meisterklasse

MOSNANG. Die beiden Solisten Nicolas Corti und Claudia Muff bereiteten ihrem Publikum am Freitagabend in der katholischen Kirche einen besonderen Genuss zum Beginn des neuen Jahres. Leider war Sopranistin Franziska Wigger verhindert.

Peter Küpfer
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Nicolas Corti (Viola) und Claudia Muff (Akkordeon) holen mit ihren Instrumenten ein Stück Welt auf Hördistanz. (Bild: Peter Küpfer)

Nicolas Corti (Viola) und Claudia Muff (Akkordeon) holen mit ihren Instrumenten ein Stück Welt auf Hördistanz. (Bild: Peter Küpfer)

Wer das stimmungsvolle und intensive Konzert vom Freitagabend in der festlich geschmückten Kirche Mosnang miterlebte, wird es bestätigen: Wenn Nicolas Corti den Bogen auf seiner weich und voll klingenden Viola ansetzt, dann geht einem bereits der erste Ton unter die Haut. Bei Claudia Muff ist es ganz ähnlich. Ganz gleich, ob sie in schnellen, gestochen scharf artikulierten Läufen über ihre Tastatur gleitet oder ihr Akkordeon jubeln, seufzen oder manchmal sogar wimmern lässt – sie holt mit ihren Tönen die ganze Welt auf Hörweite.

Musikalische Welten

Einen Wermutstropfen setzte Nicolas Corti zwar gleich bei seiner Begrüssung: Leider war Sopranistin und Jodlerin Franziska Wigger wegen einer starken Erkältung verhindert. Trotzdem liessen es sich die beiden erfahrenen Solisten nicht verdriessen und «retteten» durch meisterhafte Improvisation vom ursprünglichen Programm, was möglich war. Und das war viel.

Gleich zu Beginn stiessen die beiden Solisten die Türen zur Welt auf. Mit Astor Piazzollas «Rio Sena» tauchte man in die gleichzeitig träumerische wie harte Welt des traditionellen argentinischen Tangos ein. Die verspielten Läufe in «Les beaux jours» von Gaston Claret gaukelten einen eleganten Spaziergang am Pariser Seine-Ufer vor. Mit Tschaikowskys «Mélodie» gab es einen Schuss Romantik, mit Bartóks Rumänischen Tänzen (1–5) hörte man ausgelassene Dorfmusikanten aufspielen. Das alles zauberte nicht nur die Klangwelt anderer Zeiten und Welten herbei, zeitweise hatte man die musikalische Illusion, die beiden Solisten «ersetzten» mit ihrem virtuosen Spiel ganze Orchester. Die beiden Musiker gaben in ihrem Neujahrskonzert auch ihrer Verbundenheit mit der «kleineren» Welt Ausdruck.

Spannungsvoller Dialog

Nicolas Corti ist dem Toggenburg und seiner hier heimischen Musik schon seit seiner frühesten Jugend verbunden. Claudia Muff ist als Kind in die Tradition der Innerschweizer Volksmusik hineingewachsen. In Beiträgen, welche diese Tradition zum Thema machten, thematisierten und variierten die beiden Solisten dieses Erbe in teilweise eigens für dieses Programm eingerichteten kunstvollen Arrangements. Als Beispiel sei hier das «Ruggusserli for angels» von Willi Valotti erwähnt, einem engen musikalischen Freund von Walter Grob, der als Musiker und Komponist von der musikalischen Achse Toggenburg-Innerschweiz viele Impulse erhielt. Gerade in diesem Titel sowie in den «Toggenburger Melodien» machte sich natürlich das Fehlen der jodelnden Sopranstimme bemerkbar. Der Schmelz von Nicolas Cortis jubelnder Viola war aber oft wie das Echo auf das unhörbare dritte Element. In weiteren Kompositionen, darunter auch solchen ihres Vaters, brillierte Claudia Muff auch als Einzel-Solistin. Ausser Programm ertönte hier neben Walter Grobs Klassiker «Mer gönd i d'Loos» auch Hans Muffs «Napfgold». Dieser Titel leitete über zu einer Eigenkomposition von Claudia Muff, die ebenfalls dem Thema Napfgold gewidmet war.

Wie die Solistin erklärte, ist das Napfgold nicht nur als Metapher zu verstehen. Dieses Gold hatte nämlich in den Krisenjahren um 1930 eine höchst wirkliche Rolle gespielt. Viele Verzweifelte suchten damals in der Wigger tatsächlich nach den dort nachgewiesenen Goldvorkommen. Zusätzlich wurden die Gäste des diesjährigen Neujahrskonzerts auch Zeugen der Uraufführung von Claudia Muffs jüngster Eigenkomposition, die ihre musikalische Vielseitigkeit noch einmal beeindruckend bezeugte. Während des gesamten Konzertes konnte man sich ganz dem spannungsvollen Dialog der beiden so ungleich gearteten Instrumente überlassen, die sich die Bälle zuspielten und dabei überzeugend zu einer ganz eigenen gemeinsamen Sprache fanden.

Gemeindepräsident Bernhard Graf überbrachte den beiden Musikern seinerseits sein herzliches und persönliches Dankeschön. Es sei schön und zeichne Musiker, Sponsoren und auch das so zahlreich erschienene Publikum aus, dass solche Konzerte in Mosnang möglich geworden seien.