Kontroverse um Ortsbildschutz

In der Kontroverse um den Ortsbildschutz geht es im Grund genommen darum, welchen Wert wir auf unser kulturelles Erbgut legen und ob wir unsere traditionelle Appenzellische Baukunst erhalten wollen.

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In der Kontroverse um den Ortsbildschutz geht es im Grund genommen darum, welchen Wert wir auf unser kulturelles Erbgut legen und ob wir unsere traditionelle Appenzellische Baukunst erhalten wollen. Ein Teil von uns schätzt sie und will sie erhalten, andere dagegen empfinden sie als altes Gemäuer, das im Weg der Entwicklung steht. Aber stehen die Appenzeller Häuser wirklich im Weg einer harmonischen menschlichen und ökonomischen Entwicklung? Analysieren wir zwei radikal verschiedene Dörfer: Herisau und Appenzell. Herisau hat seinen Appenzeller Charakter grösstenteils verloren. Auch hat man die Entwicklung jahrzehntelang so gesteuert, dass ein modernes urbanes Zentrum heute ohne hohe Kosten kaum mehr möglich ist. Herisau ist ein eher lebloses Dorf mit wenigen attraktiven Läden und Beizen geworden, von denen sicher wenige gut gehen. An Sonntagen total tot. Appenzell dagegen, das seinen Appenzeller Charakter pflegt, ist ein von Touristen sehr besuchtes, sehr lebendiges Dorf mit vielen guten – auch teuren! – Läden und Beizen. Was für den Tourismus gilt, gilt auch für das Wohnen. Menschen mit Geschmack – und auch solche mit Geld – ziehen schöne Dörfer vor. Lieber Leser, Sie haben es sicher verstanden: Ich bin für das Erhalten von verpflichtenden kantonalen Ortsbildschutzmassnahmen. Wegen des kulturellen Wertes unserer traditionellen Bauart, aber auch weil es genug Beispiele dafür gibt, dass es sich auch ökonomisch lohnt. Ich bin erschrocken, wie man in Ausserrhoden ein historisch oder architektonisch wertvolles Haus nach dem anderen verlottern lässt, auch solche unter Denkmalschutz, um es dann abreissen zu lassen und durch zweitklassige Kästen zu ersetzen. Ich bin nicht für ein Erstarren der Ortsbilder. Neue Bauten, so absolut, aber bitte, liebe Investoren, Architekten und Ausserrhoder Politiker, zeigen Sie ein Minimum an Respekt für unsere Kultur, es wird sich auch finanziell lohnen.

Lorenz Tanner, Urnäscherstr. 20

9104 Waldstatt

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