Kontroverse um «Alpenblick»

Das ehemalige Asylzentrum Alpenblick weckt in Lutzenberg zwiespältige Gefühle. Einige Bürger wünschen sich den Abbruch, andere fordern den Erhalt des geschichtsträchtigen Hauses. Nun soll die Bevölkerung darüber abstimmen.

Michael Genova
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Sanierung oder Abbruch: Gemeindepräsident Werner Meier will die Bevölkerung über die Zukunft des «Alpenblicks» entscheiden lassen. (Bild: mge)

Sanierung oder Abbruch: Gemeindepräsident Werner Meier will die Bevölkerung über die Zukunft des «Alpenblicks» entscheiden lassen. (Bild: mge)

WIENACHT-TOBEL. Ein halbes Jahrhundert lang war das Kurhotel Alpenblick das touristische Aushängeschild des Weilers Wienacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten schwierige Jahrzehnte. Das Gebäude beherbergte unter anderem eine christliche Sekte und eine private Sekundarschule, an der Lehrer ohne Lehrpatent unterrichteten. Zwischen 1987 und 2010 war der «Alpenblick» ein kantonales Durchgangsheim für Asylbewerber. Viele Lutzenberger erinnern sich nur ungern an diese Vergangenheit. Am liebsten würden sie das Kapital ganz vergessen und den «Alpenblick» abreissen. Zuletzt kam dies an einer Orientierungsversammlung im vergangenen November zum Ausdruck.

Doch nicht alle hegen diesen Wunsch. «Man kann doch ein Haus mit einer guten Geschichte nicht einfach abreissen», sagt Hans Briegel, ein Nachbar des «Alpenblicks». Das Haus sei ein historisches Wahrzeichen an prominenter Lage. «Es ist wie eine Krone über dem gewachsenen Dorf.»

Bevölkerung soll abstimmen

Nach dem Umzug der Asylsuchenden ins benachbarte Asylzentrum Landegg erwarb die Gemeinde Lutzenberg 2010 die Liegenschaft Alpenblick für 400 000 Franken vom Kanton. Mit dem Kauf habe die Gemeinde damals sicherstellen wollen, dass der «Alpenblick» nur noch als Wohngebäude benützt würde, sagt der heutige Gemeindepräsident Werner Meier. Im Jahr 2012 gab der Gemeinderat eine Hausanalyse in Auftrag, um den Zustand des Gebäudes zu beurteilen. Die Experten befanden Bausubstanz und Statik als gut, merkten jedoch an, dass sich ein grosser Unterhaltsbedarf aufgestaut habe. Nun stellt der Gemeinderat drei Varianten für die Zukunft des «Alpenblicks» zur Diskussion. Weil es im Gemeinderat keine einheitliche Meinung gibt, wünscht sich dieser eine Volksabstimmung. «Damit haben wir eine Legitimation für die weiteren Schritte», so Werner Meier. Am kommenden Montag wird der Gemeinderat an einer Versammlung die Bevölkerung informieren.

«Wichtiger Orientierungspunkt»

Die erste Möglichkeit ist die Sanierung des «Alpenblicks» und die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes. Dabei würden im Gebäude vier Wohnungen entstehen. Der später gebaute Annex-Bau soll abgebrochen werden. Als zweite Variante stellt der Gemeinderat den Abbruch des «Alpenblicks» und den Bau eines Mehrfamilienhauses zur Diskussion. Auch Variante drei sähe den Abbruch vor. Anstelle des Mehrfamilienhauses könnten auf dem frei werdenden Grundstück drei Bauland-Parzellen für Einfamilienhäuser entstehen.

«Der Erhalt und die Sanierung wäre die attraktivste Lösung», findet Architekt Ueli Sonderegger, der die Hausanalyse über den «Alpenblick» verfasst hat. Auch der kantonale Denkmalpfleger Fredi Altherr spricht sich für eine Sanierung und Umnutzung aus. Die solide bauliche Basis könne man wirtschaftlich weiter nutzen und mit kreativ umgesetzten Massnahmen wie dem Anbau von Balkonen ergänzen. Zudem sei der «Alpenblick» in einer Gemeinde ohne Kirchturm ein wichtiger Orientierungspunkt, so Altherr. «Er ist eine Geländemarke, die man von Wolfhalden und Heiden her sieht.» Das Gebäude ist seit 2012 kein kommunales Schutzobjekt mehr, befindet sich aber in der Kern- und in der Ortsbildschutzzone. «Vor einem Abbruch müsste eine Güterabwägung stattfinden», sagt Altherr. Nachbar Hans Briegel wünscht sich, dass es nicht so weit kommt und sagt: «Heute ist es doch wieder im Trend, Altes zu bewohnen.»

Orientierungsversammlung: Montag, 26. Januar, 19 Uhr, Hotel Hohe Lust, Haufen, Lutzenberg.

Hans Briegel Nachbar und Befürworter einer Sanierung des «Alpenblicks» (Bild: mge)

Hans Briegel Nachbar und Befürworter einer Sanierung des «Alpenblicks» (Bild: mge)