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Konsumenten drohen mit Appenzeller-Boykott

APPENZELL. Eine hübsche Karte mit einer Berner Sennenhündin und Welpen hat Christoph Kempter, der Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse, erhalten. Der Inhalt ist weniger süss: «Wir werden in nächster Zukunft sicher keinen Appenzeller Käse mehr kaufen!»
Appenzeller, soweit das Auge reicht: Die Sortenorganisation wehrt sich gegen eine «Verwässerung» der Marke. (Bild: Ralph Ribi/Archiv)

Appenzeller, soweit das Auge reicht: Die Sortenorganisation wehrt sich gegen eine «Verwässerung» der Marke. (Bild: Ralph Ribi/Archiv)

Seit die Sortenorganisation Appenzeller Käse juristisch für den Schutz ihrer Marke gegen den Appenberger der Käserei Urs Glauser in Oberhünigen BE kämpft, hagelt es E-Mails, Telefonate und Briefe - die meisten mit der Drohung, nie wieder Appenzeller Käse zu essen.

Der Grundtenor: Die starke Sortenorganisation bekämpfe wie Goliath den kleinen Berner David. Das klingt dann etwa so: «Lasst doch auch die Kleinen leben! Falls der Name Appenberger wirklich verboten wird, konsumiere ich nie mehr Appenzeller Käse!»

Der Sortenorganisation werden Missgunst, Neid und Arroganz, ja sogar «Mafia-Methoden» vorgeworfen. Die E-Mail-Flut gipfelt im Aufruf, keinen Appenzeller mehr zu «frässä».

Protest- und Sympathie-Welle
Die Protestwelle begann, als das Schweizer Fernsehen im März über den Prozess vor Innerrhoder Kantonsgericht berichtete: Als die Käserei Urs Glauser ihren Appenberger Käse als Marke eintragen liess, wehrte sich die Sortenorganisation wegen Verwechslungsgefahr für ihre Marke. Damit blitzte sie beim Institut für Geistiges Eigentum und vor Innerrhoder Kantonsgericht ab.

Die Appenzeller wollten Klarheit, zogen den Fall vor Bundesgericht. Eine neue Protestwelle setzte ein: «Der arme Käser Urs Glauser hat nie etwas Unrechtes getan», heisst es auf der Sennenhund-Karte aus Bern. Urs Glauser bestätigt die Sympathiewelle, die über seine Käserei hinweg schwappte, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Kein Grossunternehmen
Doch: Es geht nicht um Goliath gegen David, sondern um Markenschutz. «Appenzeller Käse» ist kein Grossunternehmen, sondern vielmehr ein Zusammenschluss von 63 zum Teil kleinen Dorfkäsereien - ähnlich der Käserei, die den Appenberger Käse herstellt. Aufgabe der Sortenorganisation ist es, die Marke Appenzeller Käse zu schützen und damit die Existenz ihrer Mitglieder - der Käser und Bauern - zu sichern, wie Kempter sagt. «Markenschutz unterscheidet im Grundsatz auch nicht zwischen 'gross' oder 'klein', sondern verspricht eine klare Abgrenzung des Kennzeichens.»

Selbsthilfe für den Appenzeller
Appenzeller Käse hat die lokale Produktion und den Verkauf von Appenberger Käse laut Kempter nie in Frage gestellt. Die Schweizer könnten Appenzeller und Appenberger sehr wohl unterscheiden. Würde nun aber der Appenberger ins Ausland exportiert, «haben wir berechtigte Bedenken, dass eine Verwechslungsgefahr besteht».

Es gehe nicht um die Verwechslung des Käses punkto Aussehen, sondern um die Ähnlichkeit des Namens. Würde die Marke Appenzeller nicht entsprechend geschützt, wären ähnliche Kennzeichen erlaubt, öffnete das Tür und Tor für Appenzeller-«Kopien». Damit wäre die Marke Appenzeller vor allem in Deutschland massiv gefährdet.

Die Sortenorganisation Appenzeller Käse betreibt Selbsthilfe. Produzenten, Käser und Händler schlossen sich zusammen und bauten in langjähriger Anstrengung eine Marke auf und positionierten diese im Markt. So sichert sie Bauernfamilien, Käsereien und Händlern mit insgesamt rund 2000 Arbeitsplätzen den Absatz ihrer Produkte. (sda)

Volkswut gegen «Appenzeller»

«Wir werden uns stark machen, dass der Appenzeller Käse in der Region Bern Emmental nicht mehr gekauft wird»: So zum Beispiel entlädt sich die Volkswut aus der ganzen Schweiz gegenüber der Sortenorganisation Appenzeller Käse. Falls die Sortenorganisation vor Gericht Recht bekomme, «werde ich den Appenzeller in Zukunft boykottieren. Das ist nun doch der Gipfel». - «Schämt euch bis zum Mond und wieder retour, dass ihr den Appenberger Käse eingeklagt habt!», ereifert sich jemand. Und ein «wirklicher Käsefan» schreibt: «Ich hoffe, dass Sie den Prozess verlieren, damit ich doch wieder ein Stück 'unsympathischen' Appenzeller Käse geniessen kann.» Er wolle «lieber mild und wahrhaftig als rezent und rechthaberisch» sein, schreibt ein anderer E-Mail-Sender. Die Sortenorganisation wehrt sich jedoch nicht nur für ihre Marke, sie wirbt auch aktiv dafür - mit Sponsoring: «Das können nur grosse und mittelgrosse Organisationen», sagt Christoph Kempter, Direktor der Sortenorganisation. «Wir unterstützen die Jugend und die Schulen im ganzen Produktionsgebiet und weit darüber hinaus.»(sda)

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