Konkurrenz aus dem Supermarkt

Die Herisauer Detailhändler bekennen sich zu einem Migros-Neubau am heutigen Standort. Allerdings bezeichnen sie das vorliegende Bauprojekt als zu gross. Zudem kritisieren sie die im neuen Supermarkt geplanten Partnergeschäfte.

Michael Genova
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Neben dem eigenen Supermarkt will die Migros in den Neubau Partnergeschäfte wie eine Apotheke, einen Coiffeur, einen Kiosk und weitere Dienstleister integrieren. (Bild: mge)

Neben dem eigenen Supermarkt will die Migros in den Neubau Partnergeschäfte wie eine Apotheke, einen Coiffeur, einen Kiosk und weitere Dienstleister integrieren. (Bild: mge)

HERISAU. Der Migros-Neubau werde dank der zusätzlich integrierten Wohnungen das Zentrum stärken und damit die Frequenzen der Detailhändler, schrieb der Gemeinderat Herisau kürzlich in seiner Begründung zu den abgewiesenen Einsprachen gegen das Bauprojekt. Wie sehen dies Detailhändler, die in der unmittelbaren Nähe der Migros einen Laden betreiben? Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Migros beabsichtigt, Partnergeschäfte in den Supermarkt zu integrieren.

Zu viel Partnergeschäfte

Rolf Niederer, Mitglied in der Geschäftsleitung der Alpstein-Metzg AG, ist skeptisch: «Ich bin nicht sicher, ob die Kunden zwischen der neuen Migros und dem Coop hin und her flanieren werden.» Niederer glaubt nicht daran, dass der Migros-Neubau die Frequenzen der Detailhändler erhöhen werde. Er gehe eher davon aus, dass es zu einer weiteren Verlagerung vom Detailhandel hin zu den Grossverteilern kommen werde. Die Situation für kleine Ladenbesitzer werde zunehmend schwieriger. «Dazu trägt auch die Idee eines verkehrsfreien Obstmarktes bei.»

Irene Keller-Lämmler, Inhaberin von Keller Spiele, sagt: «Ich bin nicht gegen eine neue Migros, aber gegen diese.» Das Problem sei die geplante Dimension des Gebäudes. Ihr bereite Sorgen, dass die Migros so viele Partnergeschäfte integrieren wolle. «Das ist für die bestehenden Läden nicht positiv.» Je grösser der Neubau werde, desto mehr entwickle er sich zu einem Einkaufszentrum. «Wir wollen Herisau aber als Einkaufsort insgesamt attraktiver machen.» Im Dorfzentrum gebe es schon heute Ladenlokale, die leer stünden.

Rolf Huber, Inhaber der Huber Mode AG, bekennt sich zu einem Neubau am bestehenden Standort. «Die heutige Migros ist ein Frequenz-Bringer.» Dies merke er in seinem Laden, wenn Migros und Coop an einem Sonntagsverkauf nicht geöffnet hätten. Allerdings sieht er die geplante Fremdvermietung als Konkurrenz für den Detailhandel, der schon heute um jeden Kunden kämpfen müsse. «Muss es wirklich so gross sein?», fragt Huber. Als Kompromiss könne sich die Migros darauf beschränken, nur Läden mit Eigenmarken ins neue Zentrum zu integrieren.

Viele Lokale stehen leer

Auch Emil Knöpfel, Inhaber der Bäckerei Schläpfer, spricht sich für einen Neubau aus, jedoch nicht in der geplanten Grösse. «Wenn die Migros wegzöge, würde es schwierig.» Er sei gegen die Partnerläden und verweist auf die leer stehenden Verkaufsflächen im Gutenbergzentrum. «Ein attraktives Dorf braucht Läden oder ein gemütliches Café, ein riesiger Supermarkt passt nicht in unser Zentrum». Der geschützte Brühlhof sei ein schönes Gebäude, das man erhalte solle, sofern es der Zustand erlaube.

«Die Grösse der heutigen Migros reicht für meine Bedürfnisse völlig aus», sagt Daniela Bachschmied, Inhaberin des Café Fiore, das sich gegenüber der Migros befindet. Sie schätze, dass lediglich zehn Prozent ihrer Gäste nach einem Einkauf bei ihr einkehrten. «Die meisten, die in der Migros einkaufen gehen, trinken ihren Kaffee gleich dort.» Geschätzte 80 bis 90 Prozent ihrer Gäste seien Stammkunden, die gezielt kämen.

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