Komplexe Nachwuchsförderung

Mit einem Tag der offenen Tür feiert die Sportschule Appenzellerland heute ihr 10jähriges Bestehen. Aktuell besuchen 57 Talente aus 15 Sportarten die Sportschule. Sie investieren bis zu 50 Stunden pro Woche in Unterricht und Training.

Mea Mc Ghee
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René Wyler Leiter Sportschule Appenzellerland (Bild: pd)

René Wyler Leiter Sportschule Appenzellerland (Bild: pd)

TEUFEN. «Eine gute Nachwuchsförderung ist so individuell, wie jeder Sportler es ist», sagt René Wyler. Seit Dezember 2011 ist er Schulleiter der Sportschule Appenzellerland, die heute Samstag in Teufen mit einem Tag der offenen Tür ihr 10jähriges Bestehen feiert.

Im Schuljahr 2005/06 startete die Sportschule Appenzellerland mit neun sportlich talentierten Jugendlichen aus den Sparten Badminton und Leichtathletik. Aktuell werden 57 Talente aus 15 Sportarten und 9 Kantonen gefördert – so viele wie nie zuvor. Wie es im nächsten Schuljahr aussieht, ist offen, denn rund ein Drittel der Sportschüler beendet die Schulzeit, und die Aufnahmeverfahren laufen noch. Rund 420 Stellenprozente teilen sich Trainer, der Schulleiter, zwei Mitarbeitende auf dem Sekretariat sowie ein Lernender.

Einzigartiges Netzwerk

«Das Appenzeller Sportschulmodell ist ein einzigartiges Netzwerk von Sportförderung und Ausbildung», sagt René Wyler. Auf Sekundarstufe I arbeitet die Sportschule mit den Partnerschulen Sek Teufen, Sek Herisau und Sek Trogen zusammen. Auf Sekundarstufe II ist die Kantonsschule Trogen mit im Boot. Mussten die ersten Absolventen nach Beendigung der Schulzeit ihren weiteren Weg weitgehend alleine planen, sind die Verantwortlichen der Sportschule heute bemüht, gute Nachfolgelösungen zu finden. «Wir versuchen, auch Arbeitgeber einzubinden», so Schulleiter Wyler. Dass nicht in einer einzigen Institution unterrichtet wird, habe den Vorteil, dass die Wege zwischen Schule und Sportanlagen für die Schüler möglichst kurz seien.

Individualität als Stärke

Das Angebot der Sportschule Appenzellerland gehe über jenes von sogenannt sportfreundlichen Schulen hinaus, sagt René Wyler. Es biete mehr, als bloss Zeitfenster zum Trainieren während des Unterrichts. Die Betreuung sei komplex und individuell an die Bedürfnisse angepasst. Wyler nennt Absprachen mit Verbänden, das Organisieren von Nachhilfestunden im schulischen Bereich oder das Erstellen von Trainingsplänen – abgestimmt auf Disziplin, Leistungsstand, Alter und körperliche Voraussetzungen des Athleten. «Die Individualität ist eine Stärke der Sportschule Appenzellerland.»

Professionelle Trainer

Um die Jugendlichen optimal zu fördern, hat die Sportschule Appenzellerland in einigen Sportarten Trainer angestellt. Unter anderen Grössen wie Agung Ruhanda im Badminton oder Isabelle Hellmüller im OL. «Diese leiten die Sportschultrainings, die in den Schulstundenplan integriert sind», sagt Wyler. Individuelle Kraft- und Koordinationsübungen sowie das gemeinsame Ergänzungstraining mit allen Sportbegabten kommen zu den vier bis sechs wöchentlichen Trainingseinheiten in den einzelnen Sportarten hinzu. Weiter besuchen die Jugendlichen Trainings in ihren Vereinen.

Die grösste Gruppe Sportschüler stellt aktuell die Leichtathletik, gefolgt von Badminton. Aber auch Einzelsportler wie Sportkletterer, Reiter oder Mountainbiker finden Aufnahme. Mit Vor-Sportschul-Programmen und Trainingsstützpunkten ermöglicht die Sportschule rund 90 Athleten, sich auf die Sportschule vorzubereiten oder ihr Vereinstraining mit speziellen Modulen zu vertiefen und zu ergänzen.

15 SM-Titel seit Januar

«Wir fordern viel von den Talenten, nur so lohnt sich die Energie, die investiert wird», sagt René Wyler. Die über 300 Medaillen an Schweizer Meisterschaften geben dem aufwendigen Konzept recht. Dieses Jahr holten Jugendliche der Sportschule Appenzellerland bereits 43 SM-Medaillen, davon 15 Titel.

Hohe Anforderungen

Obwohl die Anforderungen hoch sind, gibt es kaum Jugendliche, die die Sportschule frühzeitig verlassen. Einige Sportschüler absolvieren pro Woche ein 50-Stunden-Pensum mit Unterricht und Training. Die geringe Ausfallquote führt René Wyler nicht zuletzt auf das aufwendige und sorgfältige Aufnahmeverfahren zurück. Nebst dem sportlichen Leistungsnachweis, Gesprächen und einem medizinischen Check beurteilt der Leiter der Ausserrhoder Fachstelle Sport das Dossier aller Kandidaten.

In erster Linie werde die Sportschule Appenzellerland an den Leistungen und Erfolgen der Absolventen gemessen, so René Wyler. «Die Entwicklung der Jugendlichen mitzuverfolgen, während sie von uns betreut werden, ist für mich aber ebenso wertvoll.»

Seit der Gründung der Sportschule Appenzellerland wurden schon viele Badminton-Talente gefördert. (Bild: pd)

Seit der Gründung der Sportschule Appenzellerland wurden schon viele Badminton-Talente gefördert. (Bild: pd)

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