Kompetenzzentrum
Wohnen im Alter: Ein Trogner Projekt macht Schule

In Trogen ist in der Überbauung Halden ein Kompetenzzentrum fürs Alter entstanden. Das Interesse ist gross. Auch andere Gemeinden zeigen sich interessiert.

Charlotte Kehl
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Nur noch wenige Wohnungen sind im Trogner Kompetenzzentrum frei.

Nur noch wenige Wohnungen sind im Trogner Kompetenzzentrum frei.

Bild: CHK

«Das Zentrum besteht seit November 2020, aber damals durften wir nicht einladen», sagt Ilir Selmanaj, Geschäftsführer des Alters- und Pflegeheims Haus Vorderdorf, zum kürzlich durchgeführten Tag der offenen Tür. «So hatten wir genügend Zeit, uns einzurichten und erste Erfahrungen zu sammeln.» Der Andrang auf die Wohnungen sei gewaltig und mit dieser Wohnform die Frage vieler älterer Menschen gelöst: Kann ich noch selbstständig leben, oder muss ich ins Heim? «Die Wohnungen vom Haus Vorderdorf haben eine lange Warteliste», so der Geschäftsleiter.

Die Überbauung Halden schien als Ergänzung ideal, aber zu weit weg vom Heim – so entstand die Idee zu diesem Kompetenzzentrum. Mit diesem niederschwelligen Angebot ist die Erhaltung der Selbstbestimmtheit, das wichtigste Anliegen der Generation, die jetzt älter wird, gewährleistet – eine Betreuung nach Mass und Gesellschaft nach Wunsch.

Drei Institutionen arbeiten zusammen

«Drei Institutionen, Spitex, Haus Vorderdorf und das Ärztezentrum Linde Speicher, führen gemeinsam das Kompetenzzentrum, welches Betreuung und Beratung anbietet», erklärt Daniela Jankovic, Teamleiterin bei der Spitex Speicher Trogen. «Wir bieten am Mittwoch von 14–16 Uhr eine Sprechstunde an. Wir messen Blutzucker und Blutdruck, machen kleinere Wundbehandlungen, führen Gespräche und informieren über Hilfsmittel wie Hörgerät oder Rollator.» Spitex liefert auch die Mahlzeiten, welche im Haus Vorderdorf zubereitet werden. Die Beratungsstelle steht auch anderen Menschen offen.

Die Ärztepraxis leistet hier alles, was ohne Arzt möglich ist, wie Blutentnahmen und kleinere Kontrollen und Behandlungen. Auch Medikamente können hier abgeholt werden. «Zusammen mit der Praxis und der Möglichkeit von Hausbesuchen sind alle Stufen ärztlicher Betreuung abgedeckt», erklärt MPA Diana Schwarz vom Ärztezentrum Linde Speicher.

Hell, rollstuhlgängig und verhältnismässig günstig

Die Wohnungen sind hell, rollstuhlgängig und verhältnismässig günstig. Allerdings sind nur noch wenige frei. Die Rückmeldung von Mieterinnen und Mietern seien alle sehr gut und laufend entstehen neue Ideen: «Kann man hier auch Jassabende organisieren, oder da draussen eine Bocciabahn einrichten?» Es brauche offenbar auch hier die Möglichkeit, Gemeinschaften bilden zu können. «Wir Menschen brauchen Beziehungen, egal wie individualistisch wir sonst unterwegs sind», zitiert er den Neurobiologen Gerald Hüther.

Andere Gemeinden sind interessiert

Fabienne Patriarca arbeitet als Projektmanagerin beim Ärztezentrum Linde: «Wir leisteten hier Pionierarbeit, so was in dieser Art gibt es noch nirgends», sagt sie. «Das Projekt macht Schule, bereits haben sich andere Gemeinden erkundigt.» Viele Interessenten kommen von auswärts, weil etwa ihre Kinder hier wohnen, bestätigt Selmanaj, der von einem Gespräch mit einer älteren Dame aus St.Gallen berichtet. Ihr sei die Bahnverbindung wichtig, weil sie das Theaterabo weiterhin nutzen will.

Nun da alles aufgegleist ist, würde das Team gerne mit der öffentlichen Hand und mit dem Seniorenrat Speicher Trogen zusammenarbeiten und weitere Bedürfnisse ermitteln.

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