Kompetenzen erweitern

Rund 80 Lehrpersonen der Schulen in Bütschwil, Dietfurt, Ganterschwil und Lütisburg folgten am Montag der Einladung zu einer internen Weiterbildung. Schwerpunkt war eine erste Auseinandersetzung mit dem Lehrplan 21.

Silvia Bollhalder
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Michael Gohl übt mit den Lehrpersonen abwechslungsreiche Methoden für den musikalischen Unterricht ein, denn auch musikalische Kompetenzen sollen erweitert werden. (Bild: Silvia Bollhalder)

Michael Gohl übt mit den Lehrpersonen abwechslungsreiche Methoden für den musikalischen Unterricht ein, denn auch musikalische Kompetenzen sollen erweitert werden. (Bild: Silvia Bollhalder)

BÜTSCHWIL. In der Turnhalle in Bütschwil versammelt, widmeten sich Schulleitung und Lehrerschaft dem momentan kontrovers diskutierten Lehrplan 21 respektive der kantonal angepassten Version, dem Lehrplan Volksschule. In ihrem Referat näherte sich Eva Graf vom Amt für Volksschule in einer ersten Informationsrunde dem Thema an. Den Schwerpunkt legte sie auf Einführung und Umsetzung des neuen Lehrplans, welcher mit Schuljahresbeginn 2017/2018 in allen St. Galler Schulen in Vollzug tritt. Der neue Lehrplan darf nicht mit dem HarmoS-Konkordat – das eine Harmonisierung der kantonalen Lehrpläne fordert – verwechselt werden. Der Austritt aus dem HarmoS-Konkordat, welcher per Initiative im Kanton St. Gallen verlangt wird, bedeutet keinesfalls eine sofortige Abwendung vom Lehrplan 21. Mit dem Lehrplan setzen die 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone den Artikel 62 der Bundesverfassung um, die Ziele der Schule zu harmonisieren. Ausserdem ist der Lehrplan Volksschule im Juni dieses Jahres durch den Erziehungsrat erlassen und von der Regierung genehmigt worden. Es könnte höchstens die Fremdsprachenregelung angegriffen werden.

Auf den Wandel reagieren

Eva Graf zeigt in ihrem Vortrag auf, dass die Hoheit der Kantone bestehen bleibt. Der Lehrplan greift nicht in die verschiedenen Schulstrukturen ein, und die Methodenfreiheit der Lehrperson ist gewährleistet. Der neue Lehrplan orientiert sich stark an bestehenden Lehrplänen. Es werden lediglich einige Inhalte neu definiert. Genauso wie die Schule mitunter Werte setze, müsse sie auch auf den Wandel der Gesellschaft reagieren, erklärt Eva Graf. Setzte man anno 1982 noch auf stofforientiertes Lehren, legte man im Lehrplan 97 den Schwerpunkt auf lernzielorientierten Unterricht. Nun geht man einen Schritt weiter, die Schüler sollen ihr Wissen wiedergeben, verstehen und flexibel anwenden können– sich Kompetenzen aneignen. Dem Lehrplan 21 wird angekreidet, dass nicht mehr Wissen vermittelt werde. Eva Graf entgegnet diesem Vorwurf, dass Kompetenz ohne solides fachliches und überfachliches Wissen undenkbar wäre. Die Beurteilung des erlangten Wissens wird für die Lehrpersonen allenfalls etwas komplexer, und in den Fächern werden beispielsweise die Themen Natur, Mensch, Gesellschaft stärker gewichtet. Bei den Fremdsprachen, in Mathematik und im Deutschunterricht gibt es geringe Unterschiede. Letzterer erfährt vor allem durch die Einführung der Basisschrift eine Veränderung. Dem Zeitalter entsprechend wird das Fach Medien und Informatik (MI) angepasst, ebenso modernisiert man den Schulunterricht mit dem Fach Wirtschaft, Arbeit und Haushalt (WAH) sowie die berufliche Orientierung (BO). Die gesamte Unterrichtszeit über die elf Schuljahre bleibt unverändert, die musikalische Grundschule wie auch der Einbezug der Landeskirche bleiben erhalten. Verändert hat sich die Darstellung des Lehrplans. Die verschiedenen, teils fächerübergreifenden Kompetenzen werden systematisch während dreier Zyklen – Kindergarten bis zweite Klasse, dritte Klasse bis sechste Klasse und Oberstufe – schrittweise erarbeitet.

Grundansprüche erfüllen

Im Lehrplan haben die Unterrichtenden der verschiedenen Stufen Übersicht darüber, bis zu welchem Zeitpunkt gewisse Grundansprüche erfüllt sein sollten, welche weiterführenden Fertigkeiten angeeignet werden können und welche Elemente nochmals aufgegriffen und vertieft werden müssen. Die Darstellung des neuen Lehrplans, welcher online abrufbar ist, ist selbsterklärend. Es lohnt sich für Eltern, einen Blick in den Lehrplan zu werfen und sich von Vor- oder Nachteilen selbst zu überzeugen. Die Pädagogen werden in Weiterbildungskursen intensiv auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereitet. Für die Eltern der einzelnen Schuleinheiten wird vor der Einführung der Neuerungen ein Informationsabend angeboten.

Aufwertung der Musik

Nach dem kopflastigen Weiterbildungsteil bildete der musische Teil einen auflockernden Abschluss. Musikunterricht ist nach wie vor ein wichtiges Fach und erfuhr mit der Einführung der musikalischen Grundschule eine Aufwertung. Michael Gohl, Fachdidaktiker an der Pädagogischen Hochschule Zürich sowie Initiant zahlreicher musikalischer Projekte, verstand es dank seiner motivierenden Art ausgezeichnet, die Lehrpersonen gesanglich und rhythmisch herauszufordern. Viele seiner Vorschläge und Ideen lassen sich im Unterricht anwenden und werden auch bei den Schülern grossen Anklang finden. Gemäss Gohl muss auch in diesem Fach etwas gefordert werden – es braucht aber von Seiten der Lehrpersonen manchmal etwas Mut.

www.lehrplan.ch