KOMMUNIKATION: Das Übel in Worte fassen

Hanspeter Krüsi steht als Mediensprecher der St. Galler Kantonspolizei nach dem Gewaltakt in Flums im Fokus der Öffentlichkeit. Der Appenzeller weiss damit umzugehen.

Andy Lehmann
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Hanspeter Krüsi ist die Stimme der St. Galler Kantonspolizei. (Bild: Andy Lehmann)

Hanspeter Krüsi ist die Stimme der St. Galler Kantonspolizei. (Bild: Andy Lehmann)

Andy Lehmann

andreas.lehmann

@appenzellerzeitung.ch

Der Trogner Hanspeter Krüsi hat einmal mehr eine ereignisreiche Woche hinter sich. Der 54-Jährige ist Mediensprecher und Kommunikationschef der Kantonspolizei St. Gallen und war nach dem Amoklauf in Flums gefordert. Er hat von Amtes wegen tagtäglich mit Journalisten aus dem In- und Ausland zu tun. Die Zusammenarbeit mit Medienschaffenden sei angenehm, obwohl ausländische Journalisten manchmal hartnäckiger und sensationshungriger seien als Einheimische, so Krüsi.

«Im Vergleich zu früher geht alles viel schneller. Die Medienwelt hat sich verändert. Jeder will der Erste sein, Geschichten verbreiten sich rasant und eine Pushmeldung jagt die nächste, das macht unsere Arbeit nicht einfacher. Einen eigentlichen Redaktionsschluss gibt es nicht mehr», sagt der Mediensprecher.

In Speicher aufgewachsen, lebt Hanspeter Krüsi heute mit seiner Frau in Trogen. Zur Familie gehört auch eine erwachsene Tochter. 1983 begann er seine polizeiliche Laufbahn in Zürich. Danach war er mehrere Jahre bei der Ausserrhoder Kantonspolizei als Mediensprecher tätig. Vor acht Jahren erfolgte der Wechsel zur Kantonspolizei St. Gallen. «Ich habe eine Herausforderung gesucht und gefunden. Im Vergleich zum Appenzellerland ist der Kanton St. Gallen einwohner- wie auch korpsmässig zehnmal grösser. Dies bedeutet auch zehnmal mehr Fälle, in der eine Kommunikation seitens der Polizei notwendig ist.» Auch wenn Krüsi oft mit schwierigen und tragischen Fällen konfrontiert wird, spürt man im Gespräch mit ihm, dass er seinen Beruf liebt und mit jeder Faser lebt. Dass dies möglich ist, verdankt er seiner Frau, einem sehr guten privaten Umfeld und der Tatsache dass sein Medienteam auf freundschaftlicher Basis harmoniert und bedingungslos im Berufsalltag funktioniert. Sein direkter Vorgesetzter ist der Polizeikommandant. Dieser lässt seinem Medienchef grossen fachlichen Freiraum und schenkt ihm dadurch das Vertrauen. Der Kommunikationsdienst der Kapo St. Gallen besteht aus drei Mediensprechern und einer Mitarbeiterin für administrative und spezielle Aufgaben. An den Wochenenden sind fünf weitere Mediensprecher im Einsatz.

Hanspeter Krüsi ist, wie seine Mitarbeiter auch, der absoluten Wahrheit verpflichtet – alle schauen auf ihn. Das sind Vorgesetzte, Politiker von links bis rechts, Staatsanwälte ebenso wie selbst ernannte Kommunikationsexperten, Opfer und Täter. Der Druck ist enorm. Hinzu komme die Menge an Fällen, die es zu be- und verarbeiten gelte, so Krüsi. Sein Tag beginnt um 6 Uhr mit der ersten Bestätigung einer Staumeldung im Radio und endet oft gegen 20 Uhr mit dem letzten Stau. Dazwischen müssen Fälle bearbeitet werden.Dabei ist es entscheidend, wie kommuniziert wird. «Besonders in der heutigen weltpolitischen Lage kommt sehr schnell der Verdacht von einem Terroranschlag ins Spiel. Wir müssen innert weniger Minuten entscheiden und verstehen, ob es sich um einen Unfall, eine Straftat, ein Gewaltverbrechen oder einen terroristischen Akt handelt und dementsprechend informieren.» Ein Ereignis fordert 50 Prozent polizeilichen Dienst und 50 Prozent Kommunikation. Auf die Frage was er sich von den Journalisten wünsche, sagt Krüsi: «Manchmal etwas mehr Geduld und Warten, bis die Polizei bestätigt, was wahr ist. Nur dann ein globales Ereignis daraus machen, wenn es die Situation wirklich erfordert. Man muss wissen, was man seinen Lesern zumuten kann und sich der Rolle bewusst sein, dass Medien eine Mitverantwortung gegenüber der Gesellschaft haben.»