Kommissar Rex geht zur Schule

Polizei! Usecho, oder i schick dä Hund!» Einige Sekunden lang steht die 4jährige Schäferhündin, bis in die letzte Faser ihres Körpers gespannt, im Türspalt. Ihre Flanken beben vor Aufregung. Dann lockert der Hundeführer den Griff am Halsband, und der Hund schiesst in den Raum.

Karin Erni
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Es gilt einen Verdächtigen aufzuspüren, der sich im Gebäude verschanzt hält. Hier ist die Mithilfe des vierbeinigen Polizisten unerlässlich. (Bilder: ker)

Es gilt einen Verdächtigen aufzuspüren, der sich im Gebäude verschanzt hält. Hier ist die Mithilfe des vierbeinigen Polizisten unerlässlich. (Bilder: ker)

Polizei! Usecho, oder i schick dä Hund!» Einige Sekunden lang steht die 4jährige Schäferhündin, bis in die letzte Faser ihres Körpers gespannt, im Türspalt. Ihre Flanken beben vor Aufregung. Dann lockert der Hundeführer den Griff am Halsband, und der Hund schiesst in den Raum. Zielsicher rennt er zur Schrankwand, riecht kurz an den einzelnen Schränken, bleibt vor einer Tür stehen und beginnt lautstark zu bellen. Der Hundeführer öffnet die Schranktür und sofort springt der Hund hinein. Er packt den «Einbrecher», der sich im Schrank versteckt hat, am gepolsterten Ärmel. Aufgabe erfüllt.

Jede Woche Training

Was so einfach aussieht, muss in viel Kleinarbeit eingeübt werden. Dafür treffen sich die Plizeihundeführer der beiden Appenzell einmal pro Woche. Heute findet das Training in der Zivilschutzanlage Bächli in Teufen statt.

Nach einer kurzen Pause gilt es, den Zugriff zu üben. Hundeführer Norbert Wyssen zieht dazu den «Franzosen» an. Der stark gepolsterte Ganzkörperanzug dient dazu, dass der Hund den richtigen Zubiss üben kann. Er wird kräftig gelobt, wenn er seine Arbeit gut macht.

Der Hund hat im Polizeidienst eine wichtige Schutzfunktion. «Wir haben aber bei einem Einsatz immer auch einen so genannten <Engel> dabei. Dieser zweite Mann begleitet und schützt uns zusätzlich mit einer Waffe, denn der Hundeführer muss sich ganz auf seinen Hund und dessen Arbeit konzentrieren können.»

Gute Nase gefragt

Die Schutzhunde der Ausserrhoder Kantonspolizei sind so genannte Kombihunde, das heisst, sie können neben der Schutzarbeit auch zum Gegenstandrevier (Suche nach Gegenständen), Waldrevier (suche nach versteckten Personen im Wald) oder zur (unfriedlichen) Personensuche eingesetzt werden. Dieses «Mantrailing» ist – im Gegensatz zur klassischen Fährtensuche, bei welcher der Hund primär nach Bodenverletzungen sucht – die Suche nach dem Individualgeruch eines Menschen. «Jeder Mensch verliert permanent eine grosse Anzahl an Hautpartikeln», erklärt Norbert Wyssen. «Deren Geruch ist der Hund imstande aufzunehmen und zu verfolgen.» Ein Polizeihund vermag eine solche Geruchspur noch einige Stunden lang wahrzunehmen. Ein Bloodhound, wie ihn die Stadtpolizei St. Gallen besitzt, kann sogar noch Tage später eingesetzt werden. Für das «Mantrailing» erhält der Hund ein spezielles Brustgeschirr umgelegt. Mit einer etwa acht Meter langen Leine ist er mit dem Hundeführer verbunden. Der Hund merkt bereits anhand des Brustgeschirrs, welche Arbeit ansteht. Wenn ihm sein Meister dann den Plastiksack mit einem persönlichen Geruchsgegenstand der gesuchten Person vor die Nase hält, weiss er ohne den Befehl «Such», was zu tun ist, und nimmt umgehend die Spur auf. Jeder Hundeführer hat aber noch ganz eigene Codewörter, auf die sein Hund reagiert. Einer der vierbeinigen Polizisten weiss beispielsweise, wenn er «Schlunggi» hört, dass es einen Einbrecher zu stellen gibt, und bei «Gift», dass er nach Drogen suchen muss.

Hobby für Enthusiasten

Das Halten eines Diensthundes ist mit viel Enthusiasmus verbunden. Das Tier muss zu einem grossen Teil in der Freizeit ausgebildet und trainiert werden. Ausser einem Beitrag an die Futterkosten und einer bescheidenen Zulage erhalten die Polizisten dafür keine Entschädigung. Auch seien damit keinerlei Vorteile verbunden, sie müssten sogar mit Mehreinsätzen rechnen, sagt Wyssen. «Wir werden oft nachts und am Wochenende zu einem Einsatz gerufen, auch wenn wir keinen Pikettdienst haben.»

Die Schäferhündin folgt konzentriert einer Fährte. Bald wird sie den Gesuchten aufgespürt haben.

Die Schäferhündin folgt konzentriert einer Fährte. Bald wird sie den Gesuchten aufgespürt haben.

Hier drin ist er! Der Hund zeigt dem Hundeführer durch lautes Bellen an, wo sich der Gesuchte aufhält.

Hier drin ist er! Der Hund zeigt dem Hundeführer durch lautes Bellen an, wo sich der Gesuchte aufhält.

Entspannung muss sein und dient der Belohnung: Zwischen den Übungen wird mit grosser Inbrunst gespielt.

Entspannung muss sein und dient der Belohnung: Zwischen den Übungen wird mit grosser Inbrunst gespielt.

Erfolgreicher Zugriff: Der Diensthund lässt sich auch durch Lärm oder Gegenwehr nicht von seiner Aufgabe abbringen.

Erfolgreicher Zugriff: Der Diensthund lässt sich auch durch Lärm oder Gegenwehr nicht von seiner Aufgabe abbringen.

Richtiges Zubeissen will gelernt sein: Dank des «Franzosen», eines dick gepolsterten Anzugs, tut es selten weh.

Richtiges Zubeissen will gelernt sein: Dank des «Franzosen», eines dick gepolsterten Anzugs, tut es selten weh.

Ohne zu zögern, springt der Hund in den Schrank und packt den gepolsterten Ärmel des Polizeibeamten.

Ohne zu zögern, springt der Hund in den Schrank und packt den gepolsterten Ärmel des Polizeibeamten.