Kom­men­tar

Zum Rücktritt des Herisauer Gemeindepräsidenten Kurt Geser: Welch masslose Naivität

Nach nur 18 Monaten im Amt hat der Herisauer Gemeindepräsident und politische Quereinsteiger Kurt Geser seinen Rücktritt angekündigt. In Erinnerung bleiben wird er als gescheiterter Outsider – und für seine masslose Naivität.

David Scarano
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David Scarano, Redaktionsleiter «Appenzeller Zeitung»

David Scarano, Redaktionsleiter «Appenzeller Zeitung»

Bild: Benjamin Manser

Das Jahr 2020 geht in Herisau mit einem Knall zu Ende. Mit dem Rücktritt von Gemeindepräsident Kurt Geser hatte niemand gerechnet.

Der 2019 überraschend gewählte Quereinsteiger blieb in den 18 Monaten, was er stets war: ein politischer Aussenseiter. Daran ist er nun gescheitert.

Geser, der mit seiner Wahl von einer grossen Politverdrossenheit profitiert hat und das Herisauer Establishment alt aussehen liess, blieb in der Öffentlichkeit zumeist blass. Sein Auftreten wirkte häufig etwas unbeholfen und wenig staatsmännisch. Als Parteilosem fehlten ihm zudem eine Basis und Organisationsstruktur. Für den Neuling ohne jede politische Erfahrung war das Amt als Gemeindepräsident nicht das ideale Feld, um sich «learning by doing» in eine grosse Aufgabe einzuarbeiten. Und zuletzt war der Rollentausch – vom Gemeindeangestellten zum Präsidenten – für alle Beteiligten höchst anspruchsvoll.

Geser hat in seiner kurzen Amtszeit dennoch Erfolge vorzuweisen, vor allem für eine Gemeinde, die bekannt dafür ist, mehr verwaltet als gestaltet worden zu sein. Die heiklen Bahnhofsabstimmungen brachte er sicher durch. Beim Dauerthema Neugestaltung Obstmarkt liegt ein mehrheitsfähiges Siegerprojekt vor.

Doch in Erinnerung bleiben wird Geser als gescheiterter Outsider – und für seine masslose Naivität. Er hat sich fatalerweise über- und das Amt unterschätzt und dem unverbrieften Kantonshauptort damit einen Bärendienst erwiesen. Die arrivierten Parteien, die unter seiner Wahl litten, dürften über das Scheitern einer populistischen Kraft nicht unglücklich sein. Die wichtigste Gemeinde in Ausserrhoden steht allerdings vor einem Scherbenhaufen.