Komet Hale-Bopp am Himmel

Damals

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Vor 100 Jahren

10. März. Wattwil. Infolge der wiederholten Mehlpreissteigerungen sind die Bäckermeister genötigt die Brotpreise ebenfalls zu erhöhen. Nicht bloss der Preis des Mehles, sondern auch die übrigen Materialien (Holz, Hefe, Fuhrlohn des Mehls) sind teurer geworden; dennoch haben sich die hiesigen Bäckermitglieder des Rabattsparvereins Toggenburg entschlossen dem Publikum entgegenkommender Weise einen Rabatt von 2 ? % zu gewähren. Die Bevölkerung wird diese Tatsache in Anbetracht, dass dem Bäckermeister nur ein kleiner Gewinn aus seiner Arbeit bleibt, gewiss gerne anerkennen.

Vor 50 Jahren

13. März. Mittleres Toggenburg. Im Laufe der Nacht erreichten heftige Windböen unser Tal. Sturmartig peitschten sie durch die Wälder und Häuser. Heftiges Rauschen der Tannen verriet die Wucht des Windes. Pfeifend zwängte er sich zwischen den Häusern hindurch, mitreissend, was nicht niet- und nagelfest war. So sah man vor einem Wattwiler Restaurant eine hinunterstürzenden Fensterladen, in der Grüenau Ziegel auf der Strasse usw. Den grössten Schaden verursachte der ungebetene Gast aber wohl beim Wattwiler Migros-Markt, wo er um etwa 5 Uhr früh mit voller Kraft die der Strasse zugekehrte Fensterfront des Erdgeschosses eindrückte. Ein Bahnbeamter, der schon so früh seinen Dienst antrat, hörte Scherbengeklirr bis zur Rietwis-Thurbrücke. Auch im obern Stockwerk wurden zwei der grossen Fensterflächen eingedrückt. Verheerend sah es aus, als Handwerker die kläglichen Reste wegräumten. Der Schaden wird beträchtlich sein. Auch die Bahn spürte die Naturgewalten wieder. Der erste Zug aus Richtung Wil blieb infolge einer technischen Störung in Bazenheid blockiert. Das hatte zur Folge, dass auch spätere Züge aus Richtung Obertoggenburg, die von der gleichen Komposition hätten geführt werden müssen, deswegen ausblieben. Es wurde sofort ein Busdienst organisiert, von Bazenheid bis Wattwil durch ein Privatunternehmen, von Wattwil bis Nesslau durch Cars der PTT. Man hoffte, dass sich die Verkehrslage im Laufe des Vormittags normalisieren werde.

Vor 20 Jahren

12. März: Nesslau. Der erste Mercedes-Benz «Actros» in der Region wurde ausgeliefert. Kürzlich übergab Erwin Altherr den ersten Lastwagen einer neuen Generation im Toggenburg an Hermann Roth, Kühltransporte. Der Mercedes-Benz «Actros» wurde in Brüssel von einer internationalen Fachjury zum «Truck oft he Year» gekürt. Den Mercedes «Actros» zeichnen «intelligente» Ausrüstungselemente aus. Das wesentliche dieser In-«telligent»-Technik ist die elektronische Verknüpfung der verschiedenen Systeme mittels Datenbus. «Telligent» steht in diesem Sinne für sicherste und zuverlässigste elektronische Steuerungs- und Regelsystemtechnik.

13. März: Toggenburg. Zurzeit ist am Himmel ein ganz besonderes Schauspiel zu beobachten: Der Komet Hale-Bopp ist bei klarem Wetter zu sehen. Im April verschwindet er wieder und wird erst in etwa 2500 Jahren erneut als nächtlicher «Gast» am Himmel erwartet. Der Kometenkopf hat einen Durchmesser von 10 000 Kilometern und ist trotz der Riesenentfernung von 200 Millionen Kilometern zu sehen. Der Kometenschweif ist übrigens immer von der Sonne abgewandt, wie eine Fahne, die vom Wind in die entgegengesetzte Richtung getrieben wird.

Vor 10 Jahren

12. März. Toggenburg. Resultat aus 1850 Arbeitsstunden. Das Bürgergutachten zur Zukunft der ländlichen Räume im Kanton St. Gallen wurde Regierungsrat Willi Haag übergeben. Die Zukunft der ländlichen Räume ist Thema des europäischen Bürgergutachtens. Zehn Regionen in Europa (auch über die EU hinaus) und einige grosse Stiftungen haben sich zur Teilnahme entschieden. Dazu gehört auch der Kanton St. Gallen, der insbesondere den ländlichen Raum des Toggenburgs unter die Lupe genommen hat. Die Toggenburger orientieren sich nicht in erster Linie an wirtschaftlichen Fragen, vielmehr stellen sie die Erhaltung der typischen Landschaft und die Bewahrung der kulturellen Eigenheit in den Vordergrund. Das Bürgergutachten ist das Produkt eines Workshops, zu dem sich 57 nach dem Zufallsverfahren ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern aus acht Toggenburger Gemeinden getroffen haben. Die 57 Bürgerinnen und Bürger haben insgesamt 1850 Arbeitsstunden in die Entwicklung des Gutachtens investiert. In immer wieder neu gebildeten Kleingruppen wurden Informationen gesammelt, bewertet und durchdacht, Meinungen gebildet und umgebildet. So kamen letztendlich 500 Leitziele zusammen, denen 5130 detaillierte Punkte zugeteilt wurden. Der St. Galler Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements Willi Haag bezeichnet das Gutachten als «wertvolle Arbeit, weil sie aus der Basis kommt». Er nehme diese Arbeit sehr ernst. Die Erkenntnisse des Bürgergutachtens sollen in die Raumplanung einfliessen.