König und Lehrling: Neue Ziele

Kranzschwinger Beat Wickli gilt diese Saison als Berner und wird auf dem Ricken nur als Zuschauer anwesend sein. Klubkollege Nöldi Forrer bleibt der Szene über das Eidgenössische hinaus erhalten.

Urs Huwyler
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Nöldi Forrer hat sich entschieden, bis 2017 weiter zu schwingen. (Bilder: Urs Huwyler)

Nöldi Forrer hat sich entschieden, bis 2017 weiter zu schwingen. (Bilder: Urs Huwyler)

SCHWINGEN. Nachdem beim Schwingfest auf der Ricken-Passhöhe keine Kränze abgegeben werden, kann Nöldi Forrer aus Stein den Eichenlaub-Rekord (136) des Südwestschweizers Hans-Peter Pellet erst am 16. August auf der Schwägalp egalisieren. Vorausgesetzt, der König von 2001 sichert sich eine Woche zuvor am Schaffhauser Kantonalen seinen 135. Kranz. «Sollte es nicht klappen, gäbe es 2016 noch genügend Möglichkeiten. Im Jahr mit einem Eidgenössischen können bis zu zehn Kränze gewonnen werden», lässt sich der 37jährige Käsermeister nicht unter Druck setzen.

Das Schwingvolk geht davon aus, das Urgestein aus dem Toggenburg werde 2016 nach dem Saisonhöhepunkt in Estavayer-le-Lac die Karriere beenden. Damit scheinen die Freunde des Zwilchhosensports falsch zu liegen. «Bleibe ich gesund, mache ich weiter. Ich habe wieder mehr Freude am Schwingen als auch schon. So sehe ich keinen Grund, nur wegen des Alters aufzuhören. Mein Ziel sind 150 Kränze», unterstreicht Nöldi Forrer. In dieser Saison sollen es noch zwei, 2016 acht und 2017 vielleicht sieben werden. Ergäbe 151 oder bei optimalem Verlauf sogar mehr. «Komme ich ohne gröbere Verletzungen durch, wäre die Zahlenspielerei realistisch.» 2023 könnten es 200 sein.

Kranz am NOS

Beim Wattwiler Klubkollegen Beat Wickli aus Ennetbühl wird es noch etwas länger dauern, bis er die 100er-Grenze erreicht hat. Bisher durfte er sich an drei Kranz- und einem Teilverbandsfest feiern lassen. Überrascht hat der 20jährige Landmaschinenmechaniker diese Saison vor allem am NOS mit Rang sechs. Sofern es sich bei Beat Wickli um den Ennetbühler handelt, denn im Berner Teilverband taucht ein Namensvetter in den Ranglisten auf. «Ich absolviere ein Landwirtschaftsjahr und schwinge deshalb für Meiringen, kann aber am St. Galler Kantonalen, NOS und den beiden Verbandsschwingen starten», erklärt Beat Wickli.

Auf dem Ricken oder der Schwägalp gilt der Einheimische verbandstechnisch als Berner, die in diesem Jahr am Fusse des Säntis die NOS-Spitze das Fürchten lehren werden. «Ich wurde nicht nominiert, nachdem ich zu jenem Zeitpunkt kein Teilverbands-Kranzer war. Verständlich, dass die Berner keinen Schwinger nominieren, der nur ein einjähriges Gastspiel gibt, sondern auf die eigenen Leute setzen», nimmt Beat Wickli den Entscheid sportlich fair hin. Auf dem Brünig war er dagegen dabei und klassierte sich mit je zwei Siegen, Gestellten und Niederlagen auf Rang 14c.

Glarner und Anderegg

Der Grund, ein Jahr ins schwingerische Ausland zu ziehen, war der berufliche Hintergrund. Sportlich sind die Berner Oberländer ebenfalls nicht die schlechteste Adresse. Dem Schwingklub Meiringen gehören die bösen Eidgenossen Mathias Glarner und Simon Anderegg an. «Grundsätzlich trainieren die Berner nicht anders, es sind die gleichen Übungen. Für mich besteht der Unterschied in den beiden wöchentlichen Trainings und an den Schwingfesten darin, dass ich die Gegner kaum kenne und sie mich nicht. Dadurch wird weniger taktisch geschwungen. Davon profitiere ich. Sonst hätte ich am NOS kaum den Kranz geholt.» Sein Ziel muss sein, sich nach dem doppelten Lehrjahr an jedem Kantonalen im NOS-Gebiet in den Kranzrängen zu klassieren. Auf dem Ricken wird der temporäre Berner allerdings unter den Zuschauern Platz nehmen müssen. Mit einem effektiven Verbandswechsel liebäugelt er nicht, obwohl er in der Fremde ausgesprochen freundlich aufgenommen wurde. So darf der Legionär bis mindestens 2017 zweimal wöchentlich mit Nöldi Forrer statt dem Duo Glarner/Anderegg «schlunggen und brienzern».

Noch trennen die beiden Toggenburger 128 Kränze. Ab 2018 sollte sich die Differenz verringern. Bis dann wird auch erkennbar sein, ob Beat Wickli im NOS-Verbandsgebiet eine Leaderrolle übernehmen und die Berner fordern kann.

Beat Wickli stellt in diesem Jahr die Berner Kollegen auf den Kopf.

Beat Wickli stellt in diesem Jahr die Berner Kollegen auf den Kopf.