König trainiert, Prinzessin schläft

Käsermeister Nöldi Forrer steigt unter neuen Voraussetzungen in die Schwingersaison. Das Eidgenössische anfangs September in Burgdorf steht für den Jungvater während der nächsten Monate im Zentrum.

Urs Huwyler
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SCHWINGEN. Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Schwingerkönig Nöldi Forrer sitzt nach der Arbeit im Erdgeschoss auf dem Hometrainer und er schwitzt wie nach einer Bike-Tour auf den Stockberg. Aber vor dem Öffnen der Türe für den Journalisten dreht er den Ton am Bildschirm ab und bittet darum leise zu sein. «Sie schläft», sagt er. Sie? Die Kleine, sie ist Nöldi Forrers Tochter, heisst Maila und wurde am 1. November geboren.

Ehefrau Rosie Forrer-Knechtli (seit Mitte 2012) ist gerade nicht zu Hause und so beschäftigt sich der Vater nach dem Duschen – schwerer atmend als auf dem Velo – mit dem königlichen Windeln wechseln bei der soeben erwachten Prinzessin Maila. «Früher bin ich nach Hause gekommen, habe mich vielleicht zuerst hingelegt, kurz etwas im Fernsehen angeschaut. Heute warten zwei Frauen», erzählt Nöldi Forrer. Der entspannte Gesichtsausdruck und der väterliche Umgang mit Maila verraten, dass der 39fache Kranzfestsieger den früheren Junggesellenzeiten nicht nachtrauert.

Noch denkt er nicht an Rücktritt

Seit anfangs November verläuft das Leben des vierfachen Eidgenossen in anderen geregelten Bahnen. Weiterhin gibt es den national gefürchteten 35jährigen Schwinger Forrer, der 2013 dank der idealen Schneeverhältnisse vorwiegend auf Tourenski und (glücklicherweise) nicht mit dem Bike unterwegs war. «Das Eidgenössische in Burgdorf bleibt das grosse Ziel. Aber bis dann kann viel passieren.» Am 1. April steigt er wie Titelverteidiger Urban Götte und die andern Toggenburger Eidgenossen Köbi Roth oder Daniel Bösch beim stark besetzten Rheintal-Oberländischen Verbandsschwingertag in Gams wettkampfmässig in die Zwilchhosen. Dem ersten Leistungstest jenseits von Wildhaus misst Nöldi Forrer noch wenig Bedeutung zu. «Während fünf Monaten in Bestform zu bleiben, ist kaum möglich. Über den Winter habe ich gut trainiert und bin bereit für den Start.» Die künftig wiederkehrende Frage zum allfälligen Rücktritt nach dem Eidgenössischen beantwortet der Mitfavorit noch nicht genervt. «Solange ich Freude am Schwingen habe, denke ich nicht an den Rücktritt. Auch in diesem Bereich gilt: Vieles ist möglich.» Er vergleicht seine Situation mit jener von Simon Ammann. Erfolge seien weiterhin möglich, den Karrierenverlauf bestimme nicht die Öffentlichkeit, sondern der Sportler.

Aber manchmal drücken schon jetzt Gedanken an die Zeit nach dem Aktivsport durch: Die Sonntage mit der Familie irgendwo hoch über Stein in der Natur sorgen bei ihm für Vorfreude. «Ich habe mir kürzlich alte Fotos angesehen. Als Sechsjähriger bin ich bereits mit Ski ohne spezielle Tourenbindung auf den Stockberg gewandert», hat sich Nöldi Forrer beim Betrachten der Bilder erinnert. Die Liebe zum Hausberg ist geblieben.

Käsen lässt Pfunde schmelzen

Eines steht für ihn fest: «Wenn der Rücktritt kommt, wird es ein Rücktritt sein, und ich werde die Sonntage vorwiegend ohne Schwingen bestreiten.» Schon jetzt darf Maila bei den Touren in die Natur mit. Auf dem Stockberg war sie bereits. Geändert hat sich neben der familiären auch die berufliche Situation. Der Käsermeister arbeitet seit dem 1. Januar wieder in seinem angestammten Beruf in der Käserei Rüttiberg Maseltrangen bei Rufi und kann mit seinem «Königs-Chäs» (Rahmkäse) bereits erste Verkaufserfolge verzeichnen. Der Wechsel als Ver- und Zukäufer von Frischfleisch bei der Micarna Bazenheid zum Käser zeigt Wirkung: Nöldi Forrer hat durch die körperliche Arbeit in Karibik-Temperaturen schon rund 13 Kilo verloren und nähert sich seinem Wettkampfgewicht. Rund 120 Kilo werden angestrebt. «Einige Pfunde müssen noch weg. Dann passt's», fügt er an und beschäftigt sich eher mit der Tochter als der weiteren Karrierenplanung.

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